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Lernen neu denken

Raus aus dem Klassenzimmer

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Im Projekt „Lernen neu denken“ besuchen Schüler*innen Dortmunder Schulen neue Lernorte.

Wenn Kinder im Wald einen Weg selbst finden, das Leben auf dem Bauernhof erforschen oder in der Werkstatt gemeinsam Lösungen entwickeln, dann lernen sie weit mehr als Mathematik oder Deutsch. Genau hier setzt das Projekt „Lernen neu denken“ an, das in Dortmund seit 2022 neue Lernräume eröffnet. Die wissenschaftliche Begleitung durch die Fachhochschule Dortmund belegt die positiven Effekte. 

Das Projekt verbindet schulisches Lernen mit außerschulischen Lernorten. Die Startfinanzierung in Höhe von 300.000 Euro ermöglichten in 2022/2023 die Dortmund-Stiftung mithilfe von Spenden Dortmunder Bürger*innen und Unternehmen sowie die Dr. Ausbüttel GmbH & Co. KG. Aktuell finanziert die Stadt Dortmund das Projekt bis Sommer 2027.  

Sechs Grundschulen (überwiegend aus dem Dortmunder Norden) und eine Förderschule sind dabei. Und so funktioniert „Lernen neu denken“: Einmal pro Woche werden die Klassen in den teilnehmenden Schulen geteilt. Eine Hälfte bleibt in der Schule, die andere Hälfte ist unterwegs, nutzt Lernbauernhöfe, Natur- und Kulturangebote. In der Woche darauf wird getauscht. Ziel ist es, die Kinder fachlich und vor allem auch in ihrer Persönlichkeit, ihrem Selbstvertrauen und ihrer sozialen Entwicklung zu stärken. Begleitet werden die Schüler*innen dabei von Studierenden der Sozialen Arbeit der FH Dortmund und von Lehramtsstudierenden der TU Dortmund – den sogenannten Teamer*innen.

Positive Effekte auf soziale Kompetenzen

Prof. Dr. Michael Boecker

„An den außerschulischen Lernorten sehen wir besonders starke positive Effekte auf soziale Kompetenzen, Selbstwirksamkeit und Teamfähigkeit. Dort entstehen Entwicklungsschritte, die im klassischen Unterricht oft zu kurz kommen“, sagt Prof. Dr. Michael Boecker. Er lehrt am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der FH Dortmund und begleitet das Projekt zusammen mit den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sina-Marie Levenig und Dorothée Boecker. Die FH-Forschenden beobachten die Kinder dafür sowohl in der Schule als auch an den außerschulischen Lernorten und sprechen regelmäßig mit Lehrkräften und Pädagog*innen.

Besonders deutlich werden Fortschritte bei Sprachförderung, Konfliktlösung, Lernmotivation und Partizipation. „Das Projekt zeigt, wie wichtig Lernorte außerhalb des Klassenzimmers für Bildungsgerechtigkeit sind. Gerade für Kinder mit unterschiedlichen Startbedingungen eröffnet es neue Zugänge zum Lernen“, sagt Dr. Anja Jungermann, Leiterin des Regionalen Bildungsbüros der Stadt Dortmund. Dort wird das Projekt in Zusammenarbeit mit den Verein Stadtteil-Schule Dortmund koordiniert.  Auch die beiden Mitinitiatorinnen und Schulleiterinnen Christiane Mika (Libellen Grundschule) und Alma Tamborini (Nordmarkt-Grundschule) bekräftigen den Erfolg des Projektes, den sie bei ihren Schüler*innen tagtäglich wahrnehmen. Alma Tamborini: „Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler, die in der Schule bleiben, arbeiten und lernen viel effektiver. In einer Unterrichtsstunde mit der Hälfte der Klasse schaffen wir so viel, wie sonst mit der ganzen Klasse an drei Tagen.“

Pädagogischer Mehrwert

„Das Projekt hat das Potenzial, weit über einzelne Klassen hinaus zu wirken. Es verändert Schule als System, wenn wir solche Ansätze dauerhaft verankern“, sagt Prof. Boecker. Er ist überzeugt. „Das Geld für ‚Lernen neu denken‘ ist sehr gut investiert. Der pädagogische Mehrwert ist enorm.“ Dort, wo Schule, Lehrer*innen und Teamer*innen intensiv zusammenarbeiten, entfalte das Projekt sein volles Potenzial. Sein Wunsch: eine dauerhafte strukturelle Unterstützung, damit dieses Modell für viele Schulen in Nordrhein-Westfalen zum Gewinn wird.

Noch bis Ende des Jahres läuft die aktuelle wissenschaftliche Begleitung für „Lernen neu denken“ in Dortmund, die von der Firma Dr. Ausbüttel GmbH & Co. KG finanziert wird. Und auch wenn die abschließende wissenschaftliche Begutachtung noch aussteht, ist die Tendenz eindeutig; der Nutzen offensichtlich. „Darum prüfen wir aktuell alle Möglichkeiten, um das Projekt auch in kommenden Jahren fortsetzen zu können“, sagt Anja Jungermann.

Davon profitieren dann neben den Schüler*innen auch FH- und TU-Studierende in Dortmund. Derzeit arbeiten circa fünfzig von ihnen im Projekt. Sie sammeln als Teamer*innen wertvolle erste berufliche Praxis in einem spannenden Umfeld und können für die Grundschüler*innen zugleich nahbare Bildungsvorbilder sein.