Rund 60 Studierende rangen drei Tage lang um Frieden, Klimaschutz und Demokratie: Beim ersten Weltklimaspiel vom SQuArE ging es ums Abwägen und Austarieren in der internationalen Politik.
Die Studierenden teilten sich auf zwölf Spielteams auf: fünf Länder, fünf globale Unternehmen, die Zivilgesellschaft und die UN. Die Länder verfolgen ihre nationalen Interessen und Bedarfe, die Unternehmen den Profit, die Zivilgesellschaft kann sich für alle denkbaren Ziele engagieren und die UN machen Gesetze, führen Gerichtsverfahren und, wenn nötig, sanktionieren.
„Es kann alles passieren“
Und dann? „Anders als bei anderen Brettspielen“, erklärt Jonas Jagdziewski vom SQuArE-Leitungsteam, „kann alles passieren.“ Ausgehend von der Gegenwart durchläuft jede Spielrunde drei Phasen: Globale Ereignisse verändern die Ausgangslage, anschließend wird verhandelt und beschlossen und schließlich sichtbar, welche Auswirkungen die Entscheidungen auf Klima, Wirtschaft, Gesellschaft und internationale Beziehungen haben.
Entscheidungen und Konsequenzen
Beispielsweise kann ein Land bewusst den 1,5-Grad-Klimapfad verlassen, um die Wirtschaft anzukurbeln, sieht sich dann aber womöglich mit zivilen Protesten und Extremwetterereignissen konfrontiert. Friedensabkommen und Atomkriege, andere Nationen ausspionieren oder ihnen vertrauen – alles hat Konsequenzen, die nicht immer voraussehbar sind.
„Diese Zielkonflikte sind gewollt“, verdeutlicht die zweite Leiterin Christina Schönberger, „ebenso wie das anfängliche Chaos. Jedes Team muss erst mal seine Ziele definieren und eine Strategie entwickeln – das ist eine Parallele zu einer Unternehmensgründung.“
Umweltschutz und Kommunismus
Im Spiel an der FH Dortmund – das erste einer deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften, das erste Mal mit mehr als 45 Menschen und zum ersten Mal mehrsprachig – gelang es den Nationen, das 1,5-Grad-Ziel lange Zeit einzuhalten. Das belastete jedoch die Produktionsketten und rief Hungers- und Wohnungsnot hervor.
Einige Länder setzten daher verstärkt auf staatliche Kontrolle von Produktion und Versorgung. Viele Entscheidungen basierten auf Vertrauen und Menschenfreundlichkeit. Die Teams halfen einander in lokalen Krisen und gingen globale Probleme gemeinsam an.
Die Zivilgesellschaft nutzte ihre Möglichkeiten als Impulsgebende und Regulativ, stieß einige soziale Verbesserungen an, wenn auch manche wichtigen Fortschritte wie die Gleichberechtigung der Frau nicht erreicht wurden.
„Wir sind nicht machtlos“
Dass das Weltklimaspiel sein Ziel erreicht hat, zeigt für Jagdziewski und Schönberger vor allem das positive Feedback der Teilnehmenden: „Wir wollten ihnen ermöglichen zu erfahren, dass alles komplexer ist als gedacht, dass sie aber andererseits nicht machtlos sind. Das Spiel erzählt es ihnen nicht, sondern lässt es sie erleben. Wir sind nicht ohnmächtig, wir können wählen, wir können entscheiden, was wir kaufen, wir sind handlungsfähig, auch wenn wir nicht alle Informationen haben.“
Im November richtet das SQuArE das Weltklimaspiel für den Fachbereich Wirtschaft aus, im Sommer 2027 zum zweiten Mal hochschulweit.