In nur zwei Semestern hat das studentische Team des Forschungsfahrzeugs „Nuevo35“ drei neue Komponenten entwickelt, die den Prototypen noch nachhaltiger und energieeffizienter machen.
Dieses Forschungsprojekt verbindet praxisnahe Lehre mit nachhaltiger Mobilität: Der „Nuevo35“ wird seit 2020 von wechselnden Studierendenteams der FH Dortmund ständig weiterentwickelt und der Perfektion angenähert.
Das elektrisch angetriebene Fahrzeug soll einen extrem niedrigen CO₂-Abdruck von 35 Gramm pro gefahrenem Kilometer erreichen – und dabei sind Produktion, Strom, Kraftstoff und Entsorgung bereits mit eingerechnet. Im Sommersemester 2025 und im Wintersemester 2025/26 haben die Studierenden das Fahrzeug in mehreren Bereichen entscheidend weiterentwickelt.
Effizient: Dual Drive
Eine der wichtigsten Neuerungen ist das Dual-Drive-System. Es erlaubt, beide Vorderräder getrennt voneinander anzutreiben und damit die Antriebsenergie besonders effizient einzusetzen. Grundlage sind elektromotorische Einzelradantriebe mit Asynchronmaschinen – ganz ohne seltene Erden. Der intelligente Betrieb ermöglicht sogenanntes Torque Vectoring, also eine präzise Verteilung des Drehmoments in Kurven.
Im Sommersemester 2025 integrierte das Team einen Lenkwinkelsensor und passte die Fahrzeugparameter auf dem Rollenprüfstand sowie auf der LaSiSe-Teststrecke an. Im Wintersemester 25/26 testeten die Studierenden mögliche Fehlerfälle am E-Motorenprüfstand. „Dabei erweiterten die Teammitglieder ihre Kenntnisse in Antriebssystemen, nutzten die FMEA-Methode zur Absicherung und testeten den Dual-Drive-Betrieb auf mehreren Prüfständen sowie auf der Teststrecke“, erklärt Professor Dr. Markus Thoben.
Komfortabel: One Pedal Drive
Parallel dazu entstand ein weiteres innovatives Feature: der One Pedal Drive. Damit kann das Fahrzeug mit nur einem Pedal sowohl beschleunigt als auch abgebremst werden. Der Bremseffekt entsteht, wenn beim Loslassen des Gaspedals die Bewegungsenergie in Strom umgewandelt und in die Batterie zurückgespeist wird. Der Fachausdruck dafür lautet Rekuperation.
Im Stadtverkehr zum Beispiel ließe sich das Fahrzeug so fast ausschließlich mithilfe dieses einen Pedals steuern. Ein separates Bremspedal bleibt zwar vorhanden, wird jedoch nur für starke Bremsungen benötigt.
Das System wurde im Sommersemester 2025 geplant. Im Wintersemester konstruierten die Studierenden es mit dem Simulationswerkzeug Simulink und programmierten den Controller in C-Code für das Betriebssystem des Nuevo25. Im Sommersemester 2026 soll das System getestet werden.
„Die Entwicklung des One-Pedal-Drive ist eine interdisziplinäre Arbeit, die das Wissen über mechanische und elektrische Systeme sowie Programmierung und Datenkommunikation fördert“, sagt Professor Dr. Vinod Rajamani. „Die Rekuperationsstrategie ist zudem ein wichtiger Beitrag zur Energieeinsparung.“
Nachhaltig: Naturfaser-Mittelkonsole
Auch im Innenraum setzt das Team auf Nachhaltigkeit und entwickelte eine Mittelkonsole aus Naturfasern und Epoxidharz– umweltfreundlicher und leichter zu recyceln als herkömmliche Varianten.
Die beste Oberflächenbehandlung für diese Innovation haben die Studierenden ebenfalls bereits erforscht und präzise Ausschnitte für das Display und die Schalter gefräst.
Mit dem Einsatz von Naturfasern erschließt das Team zugleich ein neues Forschungsfeld an der FH Dortmund.
Ein Projekt mit Zukunft
Das Projekt „Nuevo35“ zeigt, wie anwendungsorientierte Forschung und Lehre an der FH Dortmund ineinandergreifen. Die Studierenden sammeln praktische Erfahrung in Mechanik, Elektronik, Softwareentwicklung und Nachhaltigkeit und leisten gleichzeitig einen Beitrag zur klimafreundlichen Mobilität von morgen.
Gleichzeitig werden interdisziplinäre Synergien genutzt, wenn zum Beispiel Studierende des Fachbereichs Design mögliche Karosserien für den Prototypen entwerfen.
Mitwirkende
Das Projekt „Nuevo35“ wird von Prof. Dr. Stefan Hesterberg, Prof. Dr. Markus Thoben und Prof. Dr. Vinod Rajamani geleitet.
Aktuell sind folgende Studierende beteiligt:
- Projektleitung: Joel Isaak.
- Team Powertrain (u.a. One Pedal Drive): Yassine Chebihi, Mohammed Guerami, Assia Izri, Julian Paelz, Berkem Yenigün, Abdu Dagdela, Maroune Laaouichi, Ulkay Gökdemir.
- Team Fahrzeugelektronik (u.a. Dual Drive): Assem Ryan, Jakob Bothen, Moritz Bitschinski, Amir Zali, Yannick Schulte, Jessica Pilch.
- Team CO₂-Fußabdruck (u.a. Mittelkonsole): Lukas Grünewald, Daniel Morcinek, Christopher Berg, Marvin Köster, Sönke Bengtsson.