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Aprilscherz

Facepalm ist gesündeste Geste der Welt

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Prof. Dr. Esther Fürther: “Ein ganz ursprünglicher Zugang zum Ich.”

Der Facepalm, das impulsive Verbergen der Augen mit der Hand, ist die gesündeste aller Gesten und kann sogar das Leben verlängern. Das hätte ein Team aus Forschenden der FH Dortmund in einer bahnbrechenden Studie fast herausgefunden - wenn es sich dabei nicht um einen Aprilscherz handeln würde.

Es ist eines der wichtigsten Zeichen der Popkultur: Der Facepalm. Seit seiner Einführung 2016 als Emoji durch das Unicode-Konsortium zählt die „Gesichtspalme“ zu den beliebtesten Sprachzeichen und ist aus den Kommentarspalten auf Social Media ebenso wenig wegzudenken wie aus Messenger-Chats. Sein vielfältiges Ausdrucksspektrum umfasst unter anderem Fassungslosigkeit, Scham, Verlegenheit und verschiedene Nuancen des Fremdschämens über die vermeintliche Dummheit oder das Unvermögen einer anderen Person.

Zum zehnjährigen Bestehen dieser zentralen Geste unserer modernen Kommunikation hat ihr nun eine interdisziplinäre Gruppe aus Forschenden der FH Dortmund um Prof. Dr. Esther Fürther eine Studie mit mehreren aufwendigen Testreihen gewidmet. Das überraschende Ergebnis: Die Geste hat trotz ihres grundsätzlich sarkastischen, despektierlichen Charakters eine ganze Reihe positiver, sogar gesundheitsfördernder Wirkungen. 

Die positiven Effekte

Die Forschenden unterscheiden dabei zwischen körperlichen und psychischen Effekten. Zu den körperlichen zählen Anregung der Durchblutung, das schonende Training von Bizeps- Schulter- und Nackenmuskulatur und eine intensive Förderung der Hand-Augen-Koordination.

Bei den psychischen Auswirkungen seien laut Prof. Fürther besonders die Steigerung der Gelassenheit und des Mitgefühls zu nennen sowie die Möglichkeit, den eigenen Kopf und damit buchstäblich sich selbst zu begreifen: „Das ist ein ganz ursprünglicher Zugang zum Ich, der durchaus therapeutisch wirken kann.“ 

Vier Hauptvarianten

Im Laufe seiner zehnjährigen Geschichte hat sich der Facepalm von der singulär definierten „Das kann nicht wahr sein!“-Geste zu einer kulturell komplexen Körpervokabel entwickelt. Aus der Vielfalt aktueller Verwendungen haben Prof. Fürther und ihr Team vier Grundtypen extrapoliert.

1. Der „Epic“

Variante 1.
Merkmale Eruptiv und dynamisch.
Anlass Absurdes Verhalten, rekordverdächtiger Blödsinn.
How-to Schwingen Sie die Hand kraftvoll Richtung Stirn. Öffnen Sie die Hand rechtzeitig vor dem Aufprall, der durchaus zu hören sein darf. Drehen Sie die Handfläche nach unten, so dass sie die Augen nicht verdeckt und Sie weiterhin fassungslos auf den Anlass der Geste starren können. 
Lassen Sie die Hand dabei ein paar Momente in dieser Position ruhen, um die Aussage zu verstärken. 
Rezeption Kommuniziert wortlos und trotzdem eindeutig Ihre Bewertung des Geschehens. Wirkt bodenständig, unverstellt, aufrichtig, transparent. Gemeinsam mit anderen ausgeführt, stärkt es freundschaftliche Beziehungen. 
Effekte Löst innere Spannungen, entlastet das Gemüt. 
Bekannt durch George Kennedy als Captain Ed Hocken und weitere im Film „Naked Gun: Final Insult“. Durch die Vielzahl an Akteur*innen gilt diese Szene als „Epic Facepalm“. 

2. Der “Jean-Luc”

Variante 2.
Merkmale  Kultiviert, elegant, unmissverständlich, wie ein Seufzer mit dem ganzen Körper. 
Anlass  Fremdscham.
How-to 

Halten Sie Ihre nicht-dominante Hand (bei Rechtshändern die linke und umgekehrt) locker geöffnet, als würden Sie sanft den Kopf eines Neugeborenen streicheln, und führen Sie sie gravitätisch vor die Augen. 
Gleichzeitig senken Sie Ihren Kopf der Hand entgegen. Bevorzugte Haltung: sitzend.
Die Bewegung endet mit dem Daumen neben dem Auge, direkt unterhalb der Schläfe, und den Fingerspitzen von Zeige- und Mittelfinger leicht oberhalb der Augenbraue des anderen Auges. 
Lassen Sie die Hand dort verweilen und atmen Sie ein-, zweimal langsam ein und aus. 

Rezeption  Richtig ausgeführt, stärkt sie den Führungsanspruch der facepalmenden Person. 
Effekte  Entspannung des Nackens, Beruhigung des Atems. 
Popkulturelles Statement. 
Bekannt durch Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) in Star Trek. 

3. Der „Reverse“

Variante 3.
Merkmale Bestürzt, resignativ. 
Anlass Eine krasse Fehleinschätzung. 
How-to Beginnt dort, wo der „Jean-Luc“ endet: Wenn die Hand die Augen bedeckt, ziehen Sie sie langsam nach außen und lassen Sie dabei die Fingerspitzen über die Stirn und Augenbrauen gleiten, als wollten Sie einen Kopfschmerz lindern.
Während dieser Bewegung sagen Sie einen Satz, der die zentrale Selbstverständlichkeit, die Ihrem Gegenüber offenbar entgangen ist, auf den Punkt bringt. Wählen Sie einfache Worte und betonen Sie jede Silbe.
Beenden Sie Ihren Satz mit einem tiefen Blick in die Augen Ihres Gegenübers. 
Rezeption Arrogant, herablassend, oberlehrerhaft. 
Effekte Selbstaufwertung durch Herabwürdigung des Gegenübers. Psychologisch und moralisch fragwürdig.  
Bekannt durch Sean Bean als Boromir in „Herr der Ringe“: „One does not simply walk into Mordor.“ 

4. Der „D’OH!“

Variante 4.
Merkmale Hart, impulsiv, aus dem Affekt. Selbstreferenziell, deswegen oft ohne sichtbaren Anlass. 
Anlass Die plötzliche Erkenntnis, dass eine eigene Handlung oder Entscheidung grob unintelligent war. 
How-to Wenn Sie bemerken, dass Ihnen ein vermeidbarer Fehler unterlaufen ist, geben Sie sich einfach dem sich einstellenden Gefühl hin. Die meisten Menschen handeln daraufhin intuitiv richtig. 
Hier die Anleitung: Kanalisieren Sie Ihren Ärger in Ihren Arm und schleudern Sie Ihre Hand gegen Ihre Augen- und Stirnpartie. Wenn Sie die Selbstkritik besonders deutlich herausarbeiten möchten, nehmen Sie bewusst keine Rücksicht auf Frisur oder eine evtl. Kopfbedeckung. 
Rezeption Ambivalent: Kann auf andere Personen sympathisch wirken – aber auch unbeherrscht und schamlos. 
Effekte Innere Katharsis, ein Mit-sich-ins-Reine-Kommen. 
Bekannt durch Homer Simpson in „Die Simpsons“. 

Doch auch beim Facepalm lauern Gefahren, warnen die Forschenden. So sei es während der intensiveren Testreihen in einigen Fällen zu Schwielenbildung an der schlagenden Hand gekommen, was Schrammen bzw. kleine Hämatome im Stirnbereich zur Folge hatte. Daher empfehlen die Forschenden bei intensivem Facepalming einen regelmäßigen Wechsel der Schlaghand sowie eine gute Handcreme.

Eine weitere Gefahrenquelle sei die Fingerhaltung: Ein ungünstig abgespreizter Daumen etwa könne schnell ins Auge gehen. Ungeübte sollten daher vor Trainingsbeginn zur Schutzbrille greifen. 

Ein Aua mit Power

Angesichts der vielen positiven Effekte sei der Facepalm ein „Supermove“ – analog zum „Superfood“ wie Edamame oder Blaubeeren, die besonders viele Nährstoffe enthalten. Eine Dortmunder Yoga-Schule hat die Geste bereits in ihr Repertoire aufgenommen als „Lalata-Hasta-Mudra“ („Stirn-Hand-Geste“, Haltung des gelassenen Bedauerns) und berichtet von vielversprechenden ersten Anwendungen.

Kann die Geste gar die Lebenserwartung erhöhen? „Die Indizien sind nicht von der Hand zu weisen – sofern Sie die Sicherheitshinweise beachten“, ordnet Prof. Fürther ein und empfiehlt: „Gönnen Sie sich täglich einen Facepalm. Anlässe gibt es im Leben ja zur Genüge.“