Wie geht es jungen Volljährigen, die aus der Jugendhilfe entlassen wurden, und wie kann ihnen ein guter Start ins selbstständige Leben ermöglicht werden? Bei einem Fachtag am 12. Februar an der FH Dortmund diskutierten rund 100 Expert*innen diese Fragen am Beispiel des Dortmunder Projekts „Meeting Port am Hafen“.
Drei Jahre lang haben Prof. Dr. Michael Boecker und Sina Levenig das Projekt wissenschaftlich begleitet. Haben untersucht, inwiefern es seinem Anspruch gerecht wird, jenen eine Unterstützung in allen Lebenslagen zu bieten, die keine Familie haben, die das für sie tun kann. Haben sie und die Mitarbeitenden und Fachkräfte interviewt, mit ihnen geworkshopt, mit ihnen gekocht und Freizeit verbracht, Vertrauen gewonnen, sie in die Untersuchungen mit einbezogen.
Vertrauen ist essenziell
Das Vertrauen der Care Leaver, wie die aus der Jugendhilfe Entlassenen wissenschaftlich bezeichnet werden, sei entscheidend, sagt Prof. Boecker. „Das mag sich trivial anhören, ist in der Realität aber teilweise sehr herausfordernd, wenn die Zeit knapp ist und strukturelle Barrieren bestehen.“ Notwendig seien des Weiteren die Vernetzung mit bestehenden Angeboten und die Aufklärung der jungen Menschen über ihre Rechte und Möglichkeiten.
Und: Nichts gehe ohne die konsequente Einbeziehung der Zielgruppen. Prof. Boecker: „Das ist in Dortmund besonders gut gelungen. Seit 2024 gibt es den Care Leaver Dortmund e.V., der von Care Leavern gegründet wurde und sich politisch im kommunalen aber auch überregionalen Diskurs für die Rechte von Care Leavern einsetzt.“
Menschen, die dran glauben
Auch beim Fachtag war der Verein vertreten, ebenso wie Monika Nienaber-Willaredt, Stadträtin der Stadt Dortmund für Schule, Jugend und Familie, und Dr. Annette Frenzke-Kulbach, Leiterin des Dortmunder Jugendamts. Der habe die Erkenntnis bestärkt, „dass es Menschen bedarf, die an Veränderungen glauben“, berichtet Prof. Boecker.
„Dazu gehören hier die Grünbau GmbH, die Stadt Dortmund und Akteur*innen der Fachhochschule Dortmund sowie die Stiftung Neue Zukunft und das Unternehmen Dr. Ausbüttel GmbH & Co KG. Gemeinsam haben wir erreicht, dass das Projekt Meeting Port am Hafen für die nächsten fünf Jahre von der Stadt Dortmund finanziert wird.“ Inwieweit die FH Dortmund künftig unterstützen kann, werde geprüft.