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Studierende

Kamera aus 6000 Kilometern Entfernung ausgelöst

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Nach vorherigem Location-Scouting per Google Street View (rechts) lässt sich Sarah Köster von ihrem Cousin Andreas Copes mit der Smartphone App FaceTime zur Location führen. Die Aufnahmen entstehen über 6000 Kilometer Distanz.

Mit einem ungewöhnlichen Mode-Shooting hat Sarah Köster, Masterstudentin in Photographic Studies  an der Fachhochschule Dortmund, für Aufsehen gesorgt. Während sie im heimischen Witten vor dem Laptop sitzt und per Tastendruck die Kamera auslöst, steht ihr Model gut 6000 Kilometer entfernt in der ehemaligen US-Hauptstadt Philadelphia. Sarah Kösters Bilder sind jetzt im Wirtschaftsmagazin Business Punk erschienen.  
 
Ein Lockdown kann kreative Grenzen sprengen. Da Sarah Köster ihren Cousin Andreas Copes nicht in den USA besuchen kann, startet die Fotografie-Studentin an der FH Dortmund während des Lockdowns ein ungewöhnliches Projekt: Fotografie aus großer Distanz. Normalerweise steht sie mit der Kamera direkt vor ihren Models. Jetzt liegen Tausende Kilometer dazwischen. „Ich habe zuvor die Umgebung mit Google Street View erkundet, habe Screenshots gemacht, besondere Ecken gesucht“, erzählt die Studentin. 

Durch die FaceTime-Fotografie ergeben sich spannende Perspektiven.

Fernzugriff aufs Telefon

Im Seminar bei Julian Faulhaber an der FH Dortmund entwickelt sie das Konzept weiter. Sie lässt sich von Cousin Andreas per Videotelefonie-App FaceTime durch dessen neue Heimat Philadelphia (USA) führen. „Sein Handy zeigt mir, was er sieht“, berichtet Sarah Köster. An den zuvor per Street View erkundeten Orten dreht er sich für den perfekten 360-Grad-Blick.

Die eigentlichen Aufnahmen entstehen per Fernsteuerung. Das Smartphone lehnt an einer Laterne oder einer Bank, per Kopfhörer bekommt Andreas Anweisungen aus Deutschland. Ein Stück nach links. Nach vorn. So bleiben. Klick. Den Auslöser betätigt Sarah Köster. „Dafür brauche ich natürlich Zugriff auf Andys Telefon“, sagt die Studentin. Das Ergebnis sind kunstvolle Bilder mit besonderen Perspektiven. Momentaufnahmen, die Nähe statt Distanz zeigen. Verknüpft mit den Screenshots erzählt Fotografin Sarah Köster so die Geschichte ihres Cousins in Philadelphia – ohne die Stadt je besucht zu haben. 

Sarah Köster

Auftrag vom „Business Punk“

Das Wirtschaftsmagazin Business Punk (Öffnet in einem neuen Tab)  wird auf die Fotos der Studentin aufmerksam und plant gemeinsam mit ihr ein Mode-Shooting – wieder auf Distanz: Sarah Köster in Witten, ihr Cousin in Philadelphia. Die ausgewählten Kleidungsstücke kommen per Post in die USA. Gemeinsam mit dem Magazin entwickeln sie die Looks für das Shooting. „Es ist schön, dass ich diese Aufnahmen mit dem Hintergrund meiner persönlichen Geschichte umsetzen konnte“, sagt Sarah Köster.  

Ist das nun die Zukunft der Fotografie? Es sei eine Ergänzung, sagt die Studentin. Denn unabhängig von einer Pandemie könne es Situationen geben, in denen Fotograf*in und Model nicht persönlich zusammenkommen können. „Die Arbeit auf Distanz hat jedenfalls erstaunlich gut funktioniert“, so Sarah Köster.  

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