Mit klaren politischen und gesellschaftlichen Botschaften sowie lebensnahen, konkreten Erfahrungen und Gedanken war die 3D-Projektion zur diesjährigen Museumsnacht wohl eines der griffigsten und eindringlichsten, die das kiU bisher produziert hat.
Schon früher hat das storyLab kiU seine Projektionen („Mappings“) auf der Fassade des Dortmunder U mit politischen Botschaften versehen: für Europa und Klimaschutz, gegen Krieg und Spaltung, für Liebe und Verständigung. Mit "What Is Wisdom?" waren die Botschaften und Bilder des kiU an das Publikum der Museumsnacht 2026 noch unmissverständlicher.
Die Zweifel unserer Zeit
Das scheinbare Auflösen der Fassade zu Beginn der 13-minütigen Projektion ist aus früheren Mappings bekannt, hat aber nichts von seiner Schönheit eingebüßt: Die Steine der Mauern lösen sich voneinander, pulsieren vor und zurück und bilden schließlich ein Fragezeichen heraus. Eine Stimme („Ich bin das Dortmunder U“) rezitiert Sorgen und Zweifel unserer Zeit auf: „Habe ich morgen noch einen Job? Warum haben immer mehr wenige mehr und immer mehr weniger? Am wievielten Tag muss ich mich krankschreiben lassen?“
„Diese Fragen“, sagt das U, „gehen jeden Morgen mit euch aus dem Haus. Sie sitzen in euren Taschen zwischen Schlüsseln und Smartphones. Sie fahren mit euch in Aufzügen, stehen an Kassen an und schweigen mit euch in Wartezimmern. Sie sind nicht klein, nur weil sie täglich gestellt werden.“
„Ich wills nie wieder sehen“
Dann blickt das U auf die 100 Jahre seines eigenen Bestehens in Dortmund zurück, lässt den Bergbau Revue passieren ebenso wie „die dunklen Zeiten“ des Dritten Reichs. Und dessen Überwindung: „Ihr habt Sätze gebaut, die größer sind als Gebäude“ und auf der Fassade erscheint „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Das U wird konkret: „Wir wehren uns gegen Menschenverachtung, gegen Hass, gegen jede Rede, die aus Nachbarn Gegner macht, aus Verschiedenheit eine Gefahr. Ich habs gesehen. Ich wills nie wieder sehen.“
Die ernsten Gedanken kombiniert das kiU mit historischen Aufnahmen und Videoschnipseln von Demos für Gleichberechtigung und gegen Rechts. Popkulturelle Bezüge auf Jean-Luc Picard aus Star Trek, auf Pacman und Trash TV setzen satirische Akzente. Und dann schwimmt da ein gigantischer Wal durchs All um eine braune Erde herum und erinnert wieder daran, dass so ein Mapping darüber hinaus einfach ein optisch furioses Spektakel ist.
Nie wieder ist wann?
„Wenn ihr wollt, bin ich eure Zuflucht. Kommt mit euren Fragen“, bietet das U an und erinnert: „Demokratie ist nicht einfach da. Sie ist ein Raum, den man bewohnt, pflegt und verteidigt.“ Das U wird schwarz, in riesigen weißen Buchstaben erscheint mehrmals „Nie wieder ist jetzt.“ Und noch mal: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.
Das Dortmunder U: Ein Ort der Freiheit, des Miteinanders, der Kunst, des Spektakels, der Demokratie und der klaren Haltung. „Ich bin das, was ihr aus mir macht“, lassen kiU-Direktor Harald Opel und sein Team das U sagen und signieren ihr diesjähriges Werk mit „Siamo tutti antifascisti“.