Über das Projekt
In EMULATE werden Konzepte und Lösungen zur Messung, Analyse und Optimierung der Leistungsfähigkeit von Edge Services im Europäischen Cloud-Edge Kontinuum entwickelt.
Der zunehmende industrielle Einsatz von Anwendungen mit Echtzeitverarbeitungseigenschaften wie autonomes Fahren, Augmented Reality, verteiltes Management intelligenter Stromnetze oder die Steuerung unbemannter Flugzeuge wird die Verarbeitungsleistung am Rande der bestehenden Kommunikationsnetze intensiv nutzen. Mit anderen Worten: Die Daten werden in der Nähe ihres Ursprungs verarbeitet und nicht in weit entfernten Cloud-Rechenzentren.
Edge Computing hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem weithin akzeptierten Konzept entwickelt, das sowohl öffentliche kommerzielle Lösungen als auch private, maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Anforderungen umfasst. Potenziellen Nutzern von Anwendungen mit Echtzeitanforderungen an die Dienstqualität fehlt es jedoch häufig an geeigneten Werkzeugen, um entweder die Eignung öffentlicher Edge-Service-Angebote zu bewerten oder ihre eigene maßgeschneiderte Edge-Computing-Lösung zu planen, zu entwerfen und aufzubauen.
EMULATE zielt darauf ab, zwei Plattformen bereitzustellen, die integraler Bestandteil eines solchen Instrumentenkastens sein sollen:
- Eine Emulationsplattform, die es ermöglicht, die virtuelle Kopie einer bestehenden physischen Umgebung zu erzeugen, zum Beispiel von Infrastrukturen, Applikationen und Ereignissen. Innerhalb dieser emulierten Umgebung können verschiedene Einsatzszenarien für die jeweilige Echtzeitanwendung getestet werden.
- Eine Diagnoseplattform, die bestehende physische und emulierte Infrastrukturen analysiert und aussagekräftige Leistungskennzahlen liefert, um ihre Eignung für definierte Anwendungsanforderungen zu bewerten. Sie dient zur Messung und Analyse von Quality of Service für zeitkritische Edge Applikationen.
Das Projekt EMULATE ist Teil des IPCEI-CIS (stehend für Important Project of Common European Interest - Next Generation Cloud Infrastructure).
Das Ziel ist, ein echtes Multi-Provider Cloud-Edge Kontinuum zu schaffen, welches eine nahtlose Nutzung von Cloud- und Edge-Diensten garantieren soll. Dieses Kontinuum wird unter dem Markennamen 8ra positioniert ("ORA" = Kontinuum).
Kollaboration mit Industriepartnern
Beide beigesteuerten Plattformen werden gemeinsam mit Partnern aus verschiedenen Industriesegmenten wie Telekommunikation, Automobil und eingebettete Elektroniksysteme ausgiebig getestet.
Die Umsetzung und Erprobung dieser Werkzeuge für die effektive und effiziente Verwaltung eines Edge-Dienstes umfasst Spitzenforschung in einer Vielzahl von Themenbereichen:
- Modellierung von virtuellen Computersystemen und Hypervisoren einschließlich Grafikverarbeitungseinheiten, um deren Leistung in emulierten Umgebungen genau nachzubilden
- Analyse verschiedener Netzwerklösungen für unterschiedliche Umgebungen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Ende-zu-Ende Leistung von Edge-Diensten
- Definition neuer Messansätze für Leistungsdiagnosen in Black-Box-Systemen
- Anwendung von künstlicher Intelligenz bei der Erkennung von Leistungsmustern zur Identifizierung von Engpässen in Ende-zu-Ende Systemen
- Identifizierung optimierter Ansätze für die Ressourcenzuweisung für industrielle und nicht-industrielle Anwendungen
Von der Forschung in die Anwendung: Spin-off Initiativen
Das Projekt EMULATE erforscht die theoretischen Grenzen des Cloud-Edge-Kontinuums. Um diese Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen, haben wir zwei Technologie-Stacks entwickelt, die gezielt die Engpässe moderner IT-Infrastrukturen adressieren: Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.
1. Powersave AI: Energieeffiziente Autonomie
Fokus: Mobile Roboter, Drohnen und Edge-Devices
Autonome Systeme entwickeln sich zu mobilen Supercomputern. Das Ausführen komplexer KI-Modelle direkt auf dem Gerät („On-Device“) belastet jedoch die Batterie und führt zu hoher Wärmeentwicklung. Oft wird die Hardware dabei voll ausgelastet, was die Einhaltung von Dienstgütevereinbarungen (SLOs) gefährdet.
Powersave AI ist eine dynamische Offloading-Engine, die intelligente Datenverarbeitung vom Energieverbrauch entkoppelt.
- DNN-Partitionierung: Unser Ansatz geht über einfaches Daten-Offloading hinaus. Wir teilen neuronale Netze (DNNs) intelligent auf: Latenzkritische Schichten laufen auf dem Roboter, rechenintensive Schichten werden an die „Near Edge“ ausgelagert.
- SLO-Sicherung: Das System überwacht die CPU/GPU-Sättigung in Echtzeit. Droht eine Überlastung der Bord-Hardware, wird die Rechenlast nahtlos in das Netz verschoben.
- Das Ergebnis: Signifikante Energieeinsparungen auf dem Gerät, erhöhte Batterielaufzeit und geringere thermische Belastung bei gleichbleibender Performance.
2. GreenShift: Deep-Tech für die nachhaltige digitale Transformation
Fokus: Smart Cities, Rechenzentren und Sustainable IT
Wir schließen die Transparenzlücke im Rechenzentrum. Mit hochspezialisierter KI und Netzwerk-Expertise machen wir Nachhaltigkeit messbar, steuerbar und profitabel.
Die Herausforderung: Das „Black-Box“-Problem
Rechenzentren sind das Rückgrat der Digitalisierung, stehen aber vor einer historischen regulatorischen Wende. Durch das neue Energieeffizienzgesetz (EnEfG) und die CSRD-Berichtspflichten rückt die ökologische Bilanz der IT-Infrastruktur in den Fokus. Das Problem: Bisher endete die Transparenz oft an der „Steckdose“. Mieter und Betreiber wissen selten exakt, wie viel CO2 ein einzelner Workload oder ein spezifisches Rack verursacht.
Unsere Mission: GreenShift
GreenShift ist ein Leuchtturmprojekt am SmartEdgeLab der FH Dortmund. Wir entwickeln eine Software-Lösung, die Rechenzentren von passiven Infrastrukturgebern zu aktiven Partnern der Nachhaltigkeitstransformation macht.
Wir kombinieren akademische Forschung mit marktorientierter Softwareentwicklung, um die Dekarbonisierung der IT-Branche voranzutreiben.
Was wir tun – Unsere technologischen Schwerpunkte
- KI-gestützte Telemetrie: Unsere Experten entwickeln Modelle der „Explainable AI“ (XAI), die den Energieverbrauch und die CO2-Intensität bis auf die Workload-Ebene aufschlüsseln – ohne Eingriff in die Hardware oder die Privatsphäre der Nutzer.
- Compliance-as-a-Service: Wir transformieren komplexe regulatorische Anforderungen (PUE, ERF, Scope-3) in automatisierte, revisionssichere Dashboards und APIs.
- Hintergrund-Infrastruktur: Durch tiefgreifende Netzwerk-Expertise stellen wir sicher, dass unsere Lösungen hochperformant, sicher und nahtlos in bestehende Enterprise-Umgebungen integrierbar sind.
Gemeinsam die Grüne Wende gestalten
GreenShift ist mehr als ein Forschungsprojekt – es ist die technologische Antwort auf die drängendsten Fragen der digitalen Nachhaltigkeit. Wir arbeiten eng mit Industriepartnern, Rechenzentrumsbetreibern und politischen Stakeholdern zusammen, um den Standard für das „Grüne Rechenzentrum der Zukunft“ zu definieren.
Projektdetails
Das Projekt wird in sechs Arbeitspakete unterteilt, die bis Ende 2026 erbracht werden:
Arbeitspaket 1: Edge-Emulationsplattform
Arbeitspaket 2: Edge-Diagnose-Plattform
Arbeitspaket 3: Edge QoS Management und Algorithmen
Arbeitspaket 4: Konzeptvalidierung auf Infrastrukturebene
Arbeitspaket 5: Konzeptvalidierung auf der Anwendungsebene
Arbeitspaket 6: Verbreitung
Projektergebnisse
Publikationen
Kontakt & Team
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Sie können uns auch gerne direkt über emulatefh-dortmundde kontaktieren.