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Fachtagung

Gewaltprävention in Behinderten-Werkstätten

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Prof. Dr. Michael Boecker vom Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften und Dr. Michael Weber, Geschäftsführer des Heilpädagogischen Zentrums Krefeld, begrüßen die mehr als 220 Gäste bei der Fachtagung „Gewaltprävention in Behinderten-Werkstätten“.

Wie können Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe wirksam vor Gewalt geschützt werden? Welche strukturellen Veränderungen sind nötig und möglich? Betroffene, Expert*innen und Aufsichtsbehörden haben sich diesem Thema beim Fachtag „Gewaltprävention und Gewaltschutz“ an der Fachhochschule Dortmund gestellt. 

Die Missstände, die ein Undercover-Reportage-Team in einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung aufzeichnete, sorgten 2017 bundesweit für Empörung. Schikane, Druck und körperliche Gewalt wurden dokumentiert. Die betroffene Einrichtung zog Konsequenzen und auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Erstmals in einem Bundesland wird es in NRW einen Kriterienkatalog geben, mit dem Heimaufsichten die Einrichtungen der Eingliederungshilfe regelmäßig prüfen. Reicht das aus, um Betroffene wirksam zu schützen?

Darüber diskutierten Betroffene, Leistungsträger, Kontrollbehörden und Expertin*innen beim Fachtag „Gewaltprävention und Gewaltschutz“. Mehr als 220 Gäste waren der Einladung von Prof. Dr. Michael Boecker vom Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften (Öffnet in einem neuen Tab)  und Dr. Michael Weber, Geschäftsführer des Heilpädagogischen Zentrums Krefeld, an die FH Dortmund gefolgt. „Es ist ein Thema, das sehr bewegt“, sagt Prof. Boecker mit Blick auf die vielen Anmeldungen. Die Fachtagung diente dem offenen Diskurs. Denn auch wenn Gewaltschutz in den Werkstätten in NRW eine hohe Priorität genieße und Schutzkonzepte sowie Fortbildungsmaßnahmen zur gelebten Praxis gehörten, stießen Werkstattverantwortliche in ihrer täglichen Arbeit immer wieder auf neue Herausforderungen. „Das hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Zeit und Raum“, so Michael Boecker.

Volles Haus im Hörsaal an der Emil-Figge-Straße.

Rückzugsräume sind nötig

Längst nicht alle Einrichtungen böten die nötigen Rückzugsräume, um auch in konfrontativen Situationen den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden. Zudem fehle es an Personal. „Der Druck auf die Beschäftigten ist groß“, sagt Michael Boecker. Denn gleichzeitig seien die Werkstätten auch Wirtschaftsbetriebe. Den Mitarbeitenden fehle Zeit für die Betroffenen, aber auch für Reflexion. „Ein Handbuch für Qualitätsmanagement im Regal wird diese Herausforderungen nicht lösen“, betont der Sozialwissenschaftler.  

Mit einer Fortsetzung des Dialogs möchten Prof. Boecker und Dr. Weber die sich wandelnden Anforderungen an die Einrichtungen der Eingliederungshilfe begleiten und gemeinsam Ansätze für strukturelle Anpassungen erarbeiten. Vertreter des Landes NRW lobten den direkten Austausch mit Betroffenen, Beschäftigten und Leistungsträgern an der FH Dortmund und wollen den konstruktiven Dialog fortsetzen.

 


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