Hayrunnisa - von der Orientierungslosigkeit zum Jura-Studium

Hayrunnisa studiert jetzt Jura in Heidelberg.

„Ich unterstütze dich, ganz egal, wofür du dich entscheidest!“ Ein Satz, der schön ist, aber nicht unbedingt weiterhilft.

Als ihre Mutter ihn sagte, war Hayrunnisa deshalb auch frustriert, denn sie brauchte zu dieser Zeit keine Person, die sie bei ihrer Entscheidung unterstützt, sondern erstmal eine Entscheidung. Ihre Eltern, beide Nicht-Akademiker, konnten ihr bei der Studienorientierung aber nicht helfen.

Viele Ideen, aber keinen Plan

Wie soll es nach dem Abi weitergehen? Hayrunnisa wusste es nicht. „Ich habe bis zu zehn Mal meinen Berufswunsch geändert.“ Die Bandbreite ihrer Überlegungen war groß: Medizin, Architektur, Lehramt, Kunst. Sie hat vieles in Betracht gezogen. Selbstkritisch gesteht sie: „Ich hatte eigentlich keine Ahnung, was mich in welchem Studiengang erwartet.“ Hinzu kam, dass sie sich oft die Frage anhören musste, ob diverse Berufe mit Kopftuch überhaupt möglich wären, was ihre Orientierungslosigkeit und Unsicherheit noch verstärkte.

Und dann kam Serah

Das Angebot ihrer Lehrer am Dortmunder Leibniz-Gymnasium, sie solle mal zu TalentScout Serah Dubidad gehen, kam Hayrunnisa gerade recht. „Ich habe dieses Gespräch, das ich so lange zu Hause gesucht habe, bei Serah gefunden“, sagt sie. Im März 2017, also kurz bevor der Abi-Stress losging, haben sie sich zum ersten Mal getroffen – und von da an zwei bis drei Mal im Monat. „Neben der Studienorientierung ging es in den Gesprächen auch um ein etwaiges Stipendium“, berichtet Serah. Doch trotz guter Noten, ehrenamtlichem Engagement, dem internationalen Abitur (IB Diploma) und einer Empfehlung ihres Lehrers Herr Philippsen wurde ihre Bewerbung um ein Stipendium, bei der Serah sie unterstützt hat, abgelehnt.

Wenn nichts mehr geht, geht’s weiter

Die Zeit nach dem Abitur war schwierig für Hayrunnisa. Am anvisierten Einserschnitt ist sie knapp vorbeigeschrammt und damit sanken auch ihre Chancen auf einen Studienplatz in Medizin. Also lieber eine Ausbildung im Gesundheitswesen? „Ich war an einem Punkt, wo ich dachte, ich mach jetzt einfach gar nichts mehr“, sagt sie. Zum TalentScouting ging Hayrunnisa aber weiterhin und das tat ihr gut: „Ich hatte gar keinen Antrieb mehr, aber diese einfachen Gespräche haben gereicht, um mich zu motivieren und zusammenzureißen.“ TalentScout Serah hat ihr dabei auch empfohlen, mal den Studifinder-Test zu machen (mittlerweile umbenannt in Selbsterkundungstool). „Wenige Tage später kam sie dann schon mit den Ergebnissen“, so Serah, „und dabei zeigte sich eine große Übereinstimmung ihrer Interessen mit Jura.“ Dieser Gedanke hat sich dann recht schnell verfestigt.

Gibt es bald ein Recht auf TalentScouting?

Hayrunnisa hat sich folgerichtig an der Uni Heidelberg beworben und direkt eine Zusage bekommen. Seit dem Wintersemester 17/18 studiert sie dort Jura – glücklich. Was für eine wichtige Rolle die persönliche Bindung bei der Berufs- und Studienorientierung spielt, wird deutlich, wenn Hayrunnisa von ihrem TalentScout erzählt: „Wahrscheinlich weiß Serah das nicht, aber für eine Weile war sie die einzige Person, die für mich in Betracht kam, bei der Frage ‚Was nun?‘.”  Über das TalentScouting ist sie denn auch voll des Lobes: „Ich habe unterschätzt, wie viel das einem bringen kann und hoffe, dass es sich fest in unserem Schulsystem etabliert.“ Als Fingerübung könnte sie ja mal ein Gesetz ausarbeiten. J