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Alvin - vom Azubi zum Studenten

Der Weg zum TalentScouting bescherte Alvin ein Schlüsselerlebnis.
Abiturient Alvin träumt von einem Medizin-Studium.

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg“ nennt sich das, was Alvin gerade macht. Heute ist er 25, geht aufs Westfalen-Kolleg in Dortmund und hat eine Durchschnittsnote von 1,0 (Aktueller Stand vom 6. Semester).

Noch vor wenigen Jahren konnte er von so einem Schnitt höchstens träumen. So waren der Schulwechsel vom Stadt- ans Phoenix-Gymnasium 2010 und das Wiederholen der zwölften Klasse zwar noch freiwillig, das Sitzenbleiben ein Jahr später aber nicht mehr. „Ich habe zu dieser Zeit viel gefeiert, meine Noten waren schlecht und meine Motivation gering bis nicht vorhanden“, sagt er selbst. Ergebnis: Schulabbruch.

Interessiert und engagiert – nur nicht an Schule

So eine richtige Erklärung oder einen Auslöser, wie es so weit kommen konnte, hat Alvin selbst nicht. Denn zumindest abseits des Unterrichts war er immer sehr engagiert: als Mitglied bei Amnesty International, Redakteur der Schülerzeitung und Schülersprecher. Zudem hat er 2009 für seine Schule die Teilnahme am Bildungsstreik organisiert. So hat er denn auch seine „Auszeit“ nach dem Schulabbruch sinnvoll genutzt, fünf Monate lang seine gesundheitlich angeschlagenen Großeltern auf den Philippinen unterstützt und dabei einiges über seinen kulturellen Wurzeln gelernt. Zurück in Deutschland, ist er beruflich schnell untergekommen. Zuerst hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Deutschen Roten Kreuz gemacht und dann eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an der LWL-Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe in Dortmund begonnen. Damit ist er in die Fußstapfen seiner Eltern getreten, die ebenfalls beide als Gesundheits- und Krankenpfleger/in gearbeitet haben.

In der Ausbildung kam die Motivation zurück

„Menschen zu helfen, macht mir Spaß“, sagt Alvin. Mit 16 hatte er bereits in der Abteilung für psychosomatische Medizin der LWL-Klinik Dortmund sein Schulpraktikum absolviert und während der Ausbildung schnell gemerkt, dass er beruflich am besten in der Psychiatrie aufgehoben ist. Nach seinem Abschluss mit Note 2,0 ist er von der LWL-Klinik Dortmund übernommen worden und hat als Gesundheits- und Krankenpfleger in der Allgemeinpsychiatrie weitergearbeitet. Allerdings hat er auch die Schattenseiten des Jobs kennengelernt: „Ich habe sowohl im FSJ als auch während der Berufsausbildung viele Ungerechtigkeiten gegenüber Azubis und dem Pflegepersonal erlebt und beobachten können.“ Für ihn ein Anlass, sich für die Arbeitnehmerrechte einzusetzen: als stellvertretender Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung, als Mitglied im Bezirksjugendvorstand der ver.di-Jugend und schließlich als Mitglied im Personalrat. Klingt nicht nur nach viel Arbeit, ist viel Arbeit.

Zurück in die Schule und bald an die Uni

2016, fünf Jahre nachdem er vom Gymnasium abgegangen ist, hat Alvin dann einen neuen Anlauf unternommen, das Abi zu machen. Dieses Mal am Westfalen-Kolleg, Bildungsgang: „abitur.online.nrw“. Nur freitags und samstags zur Schule gehen, klingt erstmal locker, allerdings nicht, wenn man wie Alvin nebenher 20 Stunden in der Woche als Gesundheits- und Krankenpfleger arbeitet. Außerdem müssen auch noch Hausaufgaben gemacht und Klausuren vorbereitet werden. Doch das Feuer war jetzt da und prompt lief es wie geschmiert. Im Sommer ist er fertig und wird dann ein Abi mit Eins-Komma haben. Und dann? „Ich würde gern Medizin studieren“, dessen ist er sich bewusst.

Das Gefühl, vollen Rückhalt zu genießen

TalentScout Julia musste Alvin also keinesfalls bei Null abholen, als er im Februar 2017 zu einem ersten Gespräch vorbeikam. Und doch änderte sich für ihn etwas Entscheidendes: „Es hat mir selbst sehr geholfen, meine Zukunftspläne und Wünsche mit einer Person zu teilen, die daran interessiert ist. Die engmaschige Betreuung durch Julia gab mir das Gefühl, dass man mit seinen Gedanken und Zielen nicht alleine steht und vollen Rückhalt genießt“, bringt Alvin die innere Weichenstellung auf den Punkt. Eine vom TalentScouting angeregte Schüler-Orientierungswoche am Medicampus der Uni Münster bestärkte ihn in seinem Studienziel und auch in der wichtigen Frage der Studienfinanzierung eröffnen sich neue Perspektiven: Unterstützt von Julia, feilt Alvin an seiner Bewerbung für ein Stipendium. Ohne das TalentScouting hätte er nie von den verschiedenen Programmen erfahren, sagt der 25-Jährige.


gedruckt am: 18.06.2018  13:40