„Ich möchte meine Zukunft so bauen, wie sie zu mir passt.“

Catalina möchte Architektin werden

In der Hoffnung auf Bildungschancen kam Catalina vor drei Jahren mit ihren Eltern und fünf Geschwistern aus Rumänien nach Deutschland. Sieben Monate musste die damals 15-Jährige warten, ehe sie einen Platz in der internationalen Förderklasse am Cuno-Berufskolleg I in Hagen sicher hatte. Sie, die zuvor im Gymnasium ihrer Heimat über Jahre die Klassenbeste gewesen war und kommunale Lyrikwettbewerbe gewonnen hatte, steuerte jetzt ihren Hauptschulabschluss an – als einziges Mädchen in ihrer Klasse. Catalina nahm die Herausforderung an, denn sie hat einen großen Traum: „Ich möchte eine berühmte Architektin werden und mein eigenes Haus entwerfen. So wie ich es will.“

Der Traum von der Architektur symbolisiert gleichsam das Bestreben der mittlerweile 18-Jährigen, ihre Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen: „Ich möchte meine Zukunft so bauen, wie sie zu mir passt.“ Von ihrem Vater, einem Maurer, hat Catalina den Blick für Gebäude und Räume mitgenommen. Konkrete Berufsziele überlassen die Eltern ihrer freien Entscheidung und damit auch ihrer Verantwortung. Antreiben muss sie ohnehin niemand mehr: „Früher hat meine Mutter gesagt, wir müssen zur Schule gehen. Heute sage ich: Ich möchte lernen.“ Die junge Frau hat sich auch am Cuno-Berufskolleg schnell zur Klassenbesten gemausert und agiert selbstbewusst gegenüber ihren männlichen Mitschülern. Sogar an ihren ersten Gedichten in deutscher Sprache versucht sie sich.

18. Geburtstag beim Vater im Krankenaus

Und doch liegen Unwägbarkeiten auf Catalinas Weg: Ausgerechnet in diesem Frühjahr, als die Qualifikation für die Berufsfachschule in die entscheidenden Monate ging, hatte ihr Vater einen schweren Arbeitsunfall und musste operiert werden. Zeitgleich erwartete ihre Mutter ein Kind. Vieles lastete in dieser Zeit auf Catalina: Sie nahm Termine bei Ärzten, Ämtern und Behörden wahr, sorgte sich um die schwangere Mutter. Ihren 18. Geburtstag verbrachte Catalina bei ihrem Vater im Krankenhaus. „Es gab Momente, in denen ich nicht mehr zur Schule gehen und nicht mehr studieren wollte. Ich habe mir gedacht: Ich mache eine Ausbildung und werde keine Architektin mehr“, blickt Catalina zurück.

Geholfen haben ihr in dieser schweren Phase wichtige Bezugspersonen, die ihr Mut zusprachen. Neben ihren Geschwistern zählen dazu auch Tareq Hakim, Beratungslehrer am Cuno-Berufskolleg, Anika Voigt, Lehrerin in der internationalen Klasse, und TalentScout Uschi van Holt. Catalina erinnert sich: „Wenn Herr Hakim mir gesagt hat: Freitag kommt Frau van Holt, war das für mich eine große Hilfe. Ich bin zu ihr gegangen und habe alles erzählt – von meinen Zweifeln und meinen Sorgen. Und sie hat mich gefragt: Wo ist dein Traum? Sie hat mich motiviert in den Momenten, in denen ich am Boden war.“ Catalina hat dann beschlossen, für ihren Traum zu kämpfen: „Ich habe mir gedacht: Alles, was ich bisher erreicht habe, wäre kaputt, wenn ich jetzt aufgebe. Und ich habe mir gesagt: Catalina, geh' weiter, obwohl es schwer ist, du schaffst das.“

Erfolgreiche Bewerbung bei den RuhrTalenten

Dass sie nicht aufgegeben hat, hat sich ausgezahlt: Als eine von nur sechs SchülerInnen der Förderklasse hat Catalina den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 geschafft und sich für die Berufsfachschule Metalltechnik/Elektrotechnik qualifiziert. Gleichzeitig hat sich die familiäre Situation entspannt. „Ich kann durchatmen und bin sehr motiviert fürs nächste Schuljahr“, sagt Catalina erleichtert.

Zusätzliche Motivation beschert ihr ab sofort der Status als RuhrTalent. Mit einer großen Energieleistung und unterstützt vom TalentScout bzw. von ihrer Lehrerin Frau Voigt, hatte Catalina sich in den bewegten Frühjahrsmonaten um das Schülerstipendium beworben. Dabei war bereits die Einladung zum Auswahlgespräch ein echtes Highlight: Die Gründerzeitvilla des NRW-Zentrums für Talentförderung und hier vor allem das Foyer mit seinen imposanten Treppenaufgängen und den raffinierten Deckenleuchten brachte Catalina ins Schwärmen. Jetzt freut sie sich auf die Möglichkeiten, gemeinsam mit den anderen RuhrTalenten Exkursionen zu unternehmen, etwa zum Haus der Geschichte nach Bonn oder im Oktober zu einer viertägigen Herbstschule. „Zu Hause ist es langweilig. Mit den RuhrTalenten kann ich viel erleben.“ Catalina freut sich zudem auf einen Laptop, der ihr als Sachleistung zur Verfügung gestellt wird – bisher muss sie die Hagener Stadtbücherei aufsuchen, wenn sie am PC arbeiten möchte und Internet hat sie hier nur für maximal eine Stunde.

Ziel Architekturstudium

Die nächsten Schritte auf dem Weg zum beruflichen Traum hat Catalina schon geplant: Zuerst die Fachoberschulreife mit Qualifikation und dann das Fachabitur sollen die Aufnahme eines Architekturstudiums ermöglichen. Catalina weiß um die bevorstehenden Herausforderungen – und ist bereit dafür: „Ich blicke nur noch nach vorne. Egal was kommt, ich werde es schaffen.“