"Ich möchte Einblicke in die gesellschaftlichen Probleme anderer Länder bekommen."

Canan bewirbt sich für einen Auslandsfreiwilligendienst

Talent Canan besucht das Lippe-Berufskolleg Lünen, im nächsten Jahr wird sie ihr Abitur machen. Wie viele andere junge Leute auch, startet sie danach nicht direkt mit Studium oder Ausbildung, sondern schaltet ein Gap Year zwischen.

Bewusst hat sie sich für das Format „Auslands-Freiwilligendienst“ entschieden. „Ich möchte fremde Kulturen kennenlernen und Einblicke in die gesellschaftlichen Probleme anderer Länder bekommen. Der Freiwilligendienst ermöglicht mir zugleich, den Menschen vor Ort zu helfen“, bringt Canan ihre Motivation auf den Punkt. Die 20-Jährige hat eine Vorliebe für Asien, speziell für Südkorea; sie hat das Land bereist und Freundschaften geknüpft, jetzt möchte sie für ein komplettes Jahr in den Alltag eintauchen.

Unterstützt von TalentScout Charlotte, arbeitet sie seit Mai an den Bewerbungen für geförderte Freiwilligendienste. Charlotte kennt deren Vorzüge: „Natürlich kann man das Jahr selbst organisieren, aber dann muss man mit Kosten von weit mehr als 2.000 Euro rechnen.“ Programme wie Weltwärts oder der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD) tragen einen Teil der Kosten.

Canan: „Ein Jahr Vorlaufzeit ist fast schon zu knapp“

Die Bewerbungsverfahren sind aufwändig, neben Erläuterungen etwa der eigenen Motivation und gesellschaftlicher Ansichten sind teils zwischen ein und drei Referenzschreiben erforderlich. „Das alles braucht Zeit und Organisation. Ein Jahr vor dem angepeilten Ausreisetermin zu beginnen, finde ich fast etwas knapp“, sagt Canan. Um die Erfolgsaussichten zu steigern, haben Canan und Charlotte eine klare Strategie: „Die Masse macht‘s! Wir bewerben uns bei vielen Programmen, damit am Ende eine Zusage steht.“

Das setzt Offenheit beim Einsatzort und der Art des Dienstes voraus – Canan bringt sie mit: „Wenn es mit Asien nicht klappt, wäre ich auch mit den USA oder Europa glücklich. Inhaltlich geht es etwa um die Arbeit mit körperlich und geistig behinderten Menschen oder um Englischunterricht für Kinder.“

Soziales Engagement ein Muss

Pluspunkte für den Auslands-Freiwilligendienst sammelt Canan als begeisterte Ehrenamtlerin. Aktuell geht sie zu Klimaschutz-Demos und besucht alte Leute im Pflegeheim. „Viele Organisationen verlangen Engagement, mir liegt es ohnehin am Herzen“, sagt Canan, die mit 13 lokale Aufmerksamkeit erlangte, als sie gemeinsam mit ihrer Mutter eine Demonstration für eine im Ausland inhaftierte politisch Gefangene initiierte. Ob ihr Traum tatsächlich wahr wird, erfährt sie frühestens im Verlauf des Herbstes. „Bis dahin muss ich mich gedulden, was nicht gerade meine Stärke ist“, blickt Canan nach vorne.