Überblick

Video in der Lehre

Videos sind aus unserem Medienalltag nicht mehr wegzudenken. In der Lehre können Tutorials, Erklärvideos oder Video-Interviews Lehrenden und Lernenden das Hochschulleben erleichtern.

Hier finden Sie mögliche Formate, technische Beratung und hilfreiche Tipps!

CC BY Ekaterina Bolovtsova, Pexels

Vorteile des Videos als Wissensvermittler


Lernen mit Videos? Machen doch sowieso schon alle!

Sie lernen mit Videos, wie der Pizzateig gelingt, wie neue Softwaretools funktionieren oder welche Gartenschere die beste ist.

Und nicht nur diese Beispiele aus den alltäglichen Lern-Routine sprechen für die Verwendung von Videos in der Hochschullehre.

Wir zeigen Ihnen die Vorteile:

Für Lehrende gibt es gleich mehrere durchaus offensichtliche Argumente, warum die eigene Lehre mit Videos unterstützt werden sollte. Da wären zunächst die darstellerischen Stärken des Mediums bei der Veranschaulichung von Prozessen: Ein Video vermag genaue Handlungsanleitungen visualisieren oder z.B. die Bewegungen einer Maschine exakt wiedergeben.

Darüber hinaus gibt es noch etwas weniger offensichtliche, dafür aber organisatorisch sehr hilfreiche Vorteile für Dozierende: Ein Video kann die Anleitung für einen Versuchsaufbau ersetzen, die aufwendige Exkursion überflüssig machen oder die Experten mit engem Terminkalender in die Vorlesung holen.

Das audiovisuelle Medium bringt so also auch Anschauungsmaterial und Expertenwissen in die Vorlesung, wo zuvor aus organisatorischen Gründen Abstriche gemacht werden mussten.

Die Liste der Vorteile für Studierende deckt sich weitestgehend mit den bereits angeführten Stärken des Videos – schließlich sollte eine gute Lehre ja auch für die Lernenden von Vorteil sein.

So ist beispielsweise die zeitliche Flexibilität des asynchronen Mediums ein Vorteil für die Lehre insgesamt. Dieser Vorteil drückt sich für Lernende zum Beispiel dadurch aus, dass sie das Tempo der Rezeption und damit das Lerntempo individuell bestimmen können. Ein Video lässt sich jederzeit anhalten und erneut abspielen.

Genauso verhält es sich auch mit der räumlichen Unabhängigkeit des digitalen Lehr-Videos. Mit einem Laptop oder einem Smartphone können heruntergeladene Videos überall abgespielt oder -mit einer Internetverbindung- auch als Stream angeschaut werden. Ob beim Lernen für eine Klausur im Park, als Vorbereitung für die Präsenzveranstaltung im Zug oder für die punktuelle Problemlösung im Café: Die Inhalte sind stets verfügbar.

Das unterscheidet Lehrvideos zwar noch nicht von (digitalen) Texten, aber sie erreichen in Sachen Vermittlungsleistung ein höheres Level: Die Inhalte werden nicht nur visuell wahrgenommen, sondern mehrkanalig (auditiv und visuell) rezipiert. Wichtig ist dabei aber, dass Studierende die Videos als Wissensvermittler anerkennen. Lassen sich die Rezipienten von den Inhalten einfach nur „berieseln“, ist die Vermittlungsleistung wesentlich geringer einzuschätzen.

Und dann gibt es da noch ein hartnäckiges Vorurteil, das tatsächlich eher ein Vorteil ist: Der Aufwand. Ja, ein Video zu produzieren ist aufwendig. Aber es lässt sich in vielen Veranstaltungen und Lehrsituationen einsetzen und kann beliebig oft angeschaut werden; langfristig spart es also Zeit. Auch in der Präsenzzeit: Die Wissensvermittlung via Video ermöglicht damit sogar neue Lehrmodelle wie den Inverted Classroom (oder Flipped Classroom).

Selbst die Aktualisierung des Materials ist kein Problem. Durch einen modularen Aufbau der Videos können punktuelle Veränderungen ohne großen Mehraufwand vorgenommen werden. Einmal konzipiert und produziert ist ein Video auf Jahre eine pflegeleichte Variante der Wissensvermittlung.

E-Learning Koordinierungsstelle (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

Video-Formate für die Lehre


Sie möchten ein Video für Ihre Vorlesung, Ihr Seminar oder sogar Webinar drehen? Dann gibt es hier die passenden Infos:

Die verschiedenen Formate von Lehr-Videos unterscheiden sich bezüglich der erforderlichen Ressourcen zum Teil stark. Daher beinhaltet die folgende Vorstellung der Formate auch ein Ranking in den Kategorien Aufwand (Zeit, Personal), Know-How (Video-Kompetenz) und Technik (benötigtes Equipment).

Das Ranking soll die Einschätzung notwendiger Ressourcen erleichtern, sodass Sie ein erstes Gefühl dafür bekommen, was die angestrebte Produktion von Ihnen verlangt. Wir werden Sie (auch bei ganz anderen eigenen Formatideen) beraten und unterstützen. Wir erleichtern die Video-Produktion, vollumfänglich übernehmen können wir sie nicht.

Die Varianten der Video-Präsentation reichen von der Aufzeichnung eines Vortrags mit Tafel oder Flipchart bis zur Greenscreen-Produktion mit der Möglichkeit, vorproduziertes Material (Video, Audio, Bilder, Präsentationsfolien) in das Video einzubinden.

Das Format eignet sich unter anderem für das Inverted-Classroom-Modell, bei dem die Inhalte via Video vermittelt werden, sodass in der Präsenzveranstaltung mehr Zeit für Übungen oder Verständnisfragen bleibt.

Ein weiteres Einsatzszenario wäre der Video-Reader. Mit verdichteten Video-Präsentationen des Vorlesungsstoffes muss beispielsweise die Präsenzveranstaltung vor der Klausur nicht für Wiederholungen aufgewendet werden und kann ausschließlich für offene Fragen genutzt werden.

Das Medium Video ist prädestiniert für die Darstellung von Bewegungsabfolgen. Aber auch über die einfache Abbildung von beispielsweise maschinellen Abläufen hinaus kann das Format Video-Demonstration eingesetzt werden: Abstrakte Prozesse oder Dynamiken können mit Lege- oder Stop-Motion-Technik visualisiert werden.

Darüber hinaus eignet sich die Video-Demonstration auch für die Vorstellung von Lern- und Forschungsmöglichkeiten; es können beispielsweise vorab Einblicke in ein Versuchslabor oder eine Lehrveranstaltung gewährt werden.

Der Name dieser Kategorie nimmt es bereits vorweg: Hier geht es um Videos, für die wir Sie mit der Kamera begleiten oder Sie sich selbst filmen. Das kann zu zwei recht unterschiedlichen Ergebnissen führen:

Zum einen können Lehrprojekte, Versuche oder Gastvorträge für die spätere (öffentliche) Präsentation gefilmt und geschnitten werden. Zum anderen ist auch die einfache (nicht öffentliche) Reflektion mit Videos möglich.

Das Experten-Interview kennen viele bereits aus der Präsenzveranstaltung. Eine fachspezifische Expertin wird eingeladen und vom Lehrenden oder dem Kurs befragt. Allerdings ist dies meistens mit der Schwierigkeit verbunden, einen gemeinsamen Termin zu finden. Expert*innen haben zumeist wenig Zeit.

Mit einer Video-Kamera oder sogar einem Greenscreen-Studio stellt das kein Problem mehr dar. Ob zu Besuch bei Experten oder als Interview-Aufzeichnung im Studio: Ein aufgezeichneter Interview-Gast hat keine Termin-Engpässe!

E-Learning Koordinierungsstelle (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

Tipps für ein gutes Lehrvideo


Neben den Merkmalen der inhaltlichen Qualität wie Richtigkeit, Relevanz und Aktualität hängt der erfolgreiche Einsatz von Videos in der Lehre immer auch von der Qualität der Vermittlung ab. Ein sehr einleuchtendes Beispiel dafür ist die Verständlichkeit des gesprochenen Wortes: Verstehen die Lernenden die Sprache des Videos nicht, kann der Inhalt noch so gut sein – der Lerneffekt ist null.

Eine verständliche Sprache zu nutzen, kann als offensichtlich bezeichnet werden. Andere Grundsätze für ein vermittlungstechnisch hochwertiges Lehr-Video liegen nicht ganz so auf der Hand. Die angeführten Tipps sind dabei keineswegs dogmatisch oder haben den Anspruch einer umfassenden Anleitung; sie sollen helfen, gängige Fehler zu vermeiden.

Bei einem Video kann mit der Sprechgeschwindigkeit das Tempo der Rezeption beeinflusst oder sogar vorgegeben werden. Auch wenn die technischen Möglichkeiten (Abspieltempo anpassen, Pausen etc.) ein individuelles Lern-Tempo zulassen, sollte zumindest die Mehrheit der Originalgeschwindigkeit folgen können.

So ist ein verhältnismäßig langsames Erzähltempo entscheidend für ein gutes Lehrvideo. Denn ist es zwar vergleichbar mit einer klassischen Vorlesung, allerdings sind beispielsweise Zwischenfragen nicht möglich. Das Verstehen nach einmaligem Hören sollte das Ziel sein.

Die Flüchtigkeit des Mediums Video und auch die „verringerte Elaborationstiefe“ (Merkt/Schwan 2016, S. 95) bei der Inhaltsverarbeitung können bei der Rezeption zum Problem werden. Daher: Kurze und einfache Sätze. Eine Information pro Satz sollte reichen. Denn: Je komplizierter die Struktur des Sprechertextes, desto wichtiger werden Betonung, Pausen und Sprechtempo.

Die Struktur des Sprechertextes ist nicht nur für das fertige Lehr-Video wichtig, auch die Planung und Aufnahme eines Videos profitiert von einer klaren Struktur. Kurze Sinneinheiten helfen nicht nur Reziptienten beim Verstehen, sondern auch dem Cutter im Schnitt und dem Lehrenden bei der punktuellen Aktualisierung!

Als Ton-Bild-Schere wird die irritierende bis widersprüchliche Diskrepanz zwischen Bild- und Ton-Informationen eines Videos bezeichnet. So sollte bei einer Video-Produktion immer darauf geachtet werden, dass die Informationen, die der/die Lehrende im Ton vermitteln möchte, in den Bildern des Videos unterstützt werden.

Dies gilt zwar generell für Videos, allerdings ist es vor allem bei Lehrvideos enorm wichtig. Schließlich zählt das multisensorische Lernen zu den Vorteilen des Mediums und würde durch eine Ton-Bild-Schere nicht nur neutralisiert, sonder zu einem Nachteil.

Erklären Sie z.B. bei Screencasts jeden einzelnen Schritt so, dass man ihn auch durchs reine Zuhören, also ohne Videobetrachtung versteht.

Lesen Sie Texteinblendungen im Video oder den Inhalt von Präsentationsfolien vor bzw. achten Sie bei Ihren Erklärungen darauf, dass Sie die dargestellten visuellen Inhalte vollständig beschreiben.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, erstellen Sie eine Untertiteldatei, deren Text Studierende bei Bedarf hinzuschalten können.


Mehr von uns:

Auf unserem Blog finden Sie weitere Informationen zum Thema Video in der Lehre. Darüber hinaus greifen wir hier weitere Themen aus der Welt des E-Learnings auf und geben Einblicke in digitale Lehrprojekte und Lehrvideo-Szenarien.

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