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veröffentlicht am:
  • 08.01.2021
Fernsehkritik

FH-Expertin zu RTL-Doku zur „Hund-Kind-Methode“: Wo bleibt die Kinder- und Jugendhilfe?

Sozialpädagogin Prof. Dr. Katja Nowacki kritisiert Dokumentation „Train Your Baby Like a Dog“ als problematische Vereinfachung.

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Prof. Dr. Katja Nowacki ist Dekanin des Fachbereichs Angewandte Sozialwissenschaften an der FH Dortmund mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie und Sozialpsychologie. (Foto: FH Dortmund)

Die vom Privatsender RTL als Dokumentation ausgestrahlte Sendung „Train Your Baby Like a Dog – Die Hund-Kind-Methode“ stößt auf weitreichende Kritik. Mehr als 100 Beschwerden sind nach der Ausstrahlung bei der zuständigen Landesmedienanstalt eingegangen.

Für Prof. Dr. Katja Nowacki, Dekanin des Fachbereichs Angewandte Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund, setzt die Sendung auf eine problematische Vereinfachung menschlicher Interaktion. Zwar sei die Methode der positiven Verstärkung auch ein klassisches Mittel in der Erziehung von Kindern, die Bedeutung von Bindung und Beziehung sowie das Erlernen selbstständigen Entscheidens und Verhaltens komme in der reißerischen Aufmachung der Dokumentation jedoch zu kurz.

Für die 70-minütige Sendung hatte der Privatsender eine Hundetrainerin zu zwei Familien geschickt, die mit ihren Kindern vor Problemen stehen. Mit ihrer tiergestützten Methode wolle sie Wege aus der Negativ-Spirale aufzeigen, so der Sender. Dabei wird auf das Klickertraining zurückgegriffen, mit dem eigentlich Hunde über akustische Signale für ihr Verhalten belohnt werden.

Einseitiger Lösungsansatz

„Die Reduzierung auf das Training und die damit implizierte Vereinfachung menschlicher Interaktionen auf die reine Verhaltensebene ist zu einseitig“, kritisiert die Psychologin und Sozialpädagogin Katja Nowacki. Dabei würden viele Lernstränge in der Entwicklung der Kinder außer Acht gelassen. „Die Eltern in der Sendung wirkten verzweifelt und hatten das Gefühl, aus eigener Kraft die Situation nicht mehr verändern zu können, weshalb jede Hilfe willkommen sein dürfte“, so Katja Nowacki.

„Grundsätzlich weiß man aus allen Interventionen, dass die Implikation von Hoffnung hilft, ebenso ein koordiniertes, zugewandtes und fachlich kompetent wirkendes Vorgehen“, erklärt die Sozialwissenschaftlerin. Entsprechend würden andere Interventionen als das Klickertraining hier sicherlich ebenfalls hilfreich und vermutlich sogar besser funktionieren. Aber dies habe man in der Sendung gar nicht ausprobiert. 

Grundsätzlich stelle sich die Frage, ob die eher reißerische und sensationsorientierte Aufmachung der Sendung geeignet sei, um Erziehungsmethoden zu diskutieren. „Ich habe mir da eher die Frage gestellt: Wo sind hier Sozialarbeiter*innen von öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfeträgern? Vielleicht sollten die Fachkräfte den Vortritt bekommen“, resümiert Katja Nowacki.