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Architektur-Dozent

Auszeichnung für wandelbares Seniorenheim

Verändert Corona die Art, wie wir bauen? Welche Ideen haben Architekten für eine Post-Virus-Umgebung? Das renommierte World Architecture Festival hat sich dieser Frage mit einem Ideen-Wettbewerb gewidmet. Die kreative Vision eines Modul-Seniorenheims von Deny Jones, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Dortmund, und dem Bochumer Ingenieur Peter Amat Kreft hat die Jury um Star-Architekt Norman Foster überzeugt.

Die Entwurf-Skizze zeigt ein u-förmiges Gebäude an denen einzelne Module angebaut sind.
Wie Boote an Stegen sind die Wohneinheiten für Senior*innen am Pflegeheim angedockt. (Zeichnung: Jones/Kreft)

Architekt Deny Jones und der auf barrierefreie Modulhäuser spezialisierte Gründer Peter Amat Kreft haben sich in ihrem Projekt „Isolation Transformed“ der besonders durch COVID19-Todesfälle getroffenen Gruppe der Senior*innen gewidmet. „Wir wollen Kontaktaufnahme und Distanzierung auf der Ebene der Architektur ermöglichen – durch bewegliche Wohneinheiten in Holzbauweise, die wie Boote an Stegen festmachen“, beschreibt FH-Dozent Deny Jones die Idee. In ihrem Entwurf bilden die Verbindungsflure, Gemeinschaftsräume und Versorgungseinrichtungen der Altenheime den Steg, an dem die autarken Wohneinheiten ab- bzw. abdocken.

Das Gebäude kann so der Gefährdungslage angepasst werden, indem gezielt Wohneinheiten zu Quarantäne-Komplexen verlegt werden, – ohne, dass die Bewohner*innen ihr vertrautes Zuhause verlieren. Denkbar sei auch ein Lkw-Transport der Wohneinheiten in weniger pandemisch gefährdete Gebiete.

Für die Zukunft gewappnet sein

„Architektur und Design können die aktuelle Pandemie nicht verändern. Aber wir können jetzt versuchen, Gebäude zu entwerfen, die auf künftige Pandemien reagieren können“, sagt Deny Jones. Peter Amat Kreft ergänzt: „Dabei geht es um neue Ansätze im urbanen und nachbarschaftlichen Umfeld.“ Der Einsatz modularer Bauten könne dabei ein Schlüssel sein. „Fortschrittliche Vorfertigung zeichnet sich heute nicht mehr durch Standardisierung aus, sondern erlaubt ein Höchstmaß an Individualisierung“, betont Deny Jones.

Die Entwurf-Skizze zeigt das Innere einer Wohnheinheit mit Schlafzimmer, Wohn-Ess-Bereich, Bad und Balkon.
Die Wohneinheiten sind autark. Das gewohnte Zuhause bleibt gleich – unabhängig, wo die Einheit steht. (Zeichnung: Jones/Kreft)

So begründet die Jury den Sieg

Die Steg-Idee samt modularer Bauweise von Deny Jones und Peter Amat Kreft überzeugte beim internationalen Wettbewerb. Sie schaffe einen wunderbaren Platz zum Leben, lobt die Jury, zu der auch Architekt Sir Norman Foster (The Gherkin, London; Reichstagskuppel, Berlin) zählte. Das Projekt begegne den aktuellen Anforderungen an Architektur ganzheitlich, so das Juryurteil. Jones und Kreft erzeugten lebenswerten Wohnraum für Zeiten mit und ohne Bedrohungen einer Pandemie. Die Jury kürte den Dortmunder Entwurf aus fast 250 Einreichungen zum Sieger.

Bei der digitalen Preisverleihung machte sich Deny Jones auch dafür stark, den Wohnraum älterer Menschen mehr wertzuschätzen. „Wir räumen Altenheimen architektonisch nicht den gleichen Status ein wie etwa Sportstadien, Kunstgalerien oder Banken“, so der FH-Dozent. Die Gebäude dienten eher einem Verwahren. „Mit unserer Idee wollen wir einen Betrag leisten, um das Spannungsfeld zwischen optimaler Flächen- und Raumnutzung und dem individuellen Wohnen aufzubrechen“, sagt Peter Amat Kreft.

Deny Jones lehrt seit mehreren Jahren am Fachbereich Architektur der FH Dortmund zum Thema Urbanisierung. Die Inspiration zum Entwurf „Isolation Transformed“ kam bei einem Spaziergang am Rhein und den Blick auf die Boote an den Anlegestegen.