Homeoffice-Studie

Coronabedingtes Großexperiment war erfolgreich

Fast 90 Prozent der Beschäftigten in der Versicherungsbranche können sich auch künftig temporäres Arbeiten von zuhause aus vorstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Fachhochschule Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Beenken im Auftrag der Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG).

Porträtbild
Prof. Dr. Matthias Beenken (Foto: FH Dortmund)

Als im März 2020 dazu aufgerufen wurde, die Sozialkontakte auf ein Minimum zu reduzieren und die Bundesländer sich mit einer Reihe von als Lockdown oder Shutdown bezeichneten Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie stemmten, haben auch Versicherungsunternehmen ihre Mitarbeiter*innen flächendeckend oder überwiegend aufgefordert, nicht mehr in die Büros zur Arbeit zu kommen, sondern dieser soweit möglich von zuhause – im „Homeoffice“ – nachzugehen.

Im Mai 2020 entschied die Gewerkschaft für Versicherungsangestellte NAG, die Erfahrungen mit dem coronabedingten Großexperiment Homeoffice aufzuarbeiten und der Frage nachzugehen, ob sich die Einstellung der Beschäftigten zum Thema Homeoffice verändert hat. Mit der Fachhochschule Dortmund hat die Gewerkschaft einen Partner für die praxisorientierte, schnelle und zielgerichtete Evaluierung gefunden. Prof. Dr. Matthias Beenken vom Fachbereich Wirtschaft begleitete die Befragung der NAG wissenschaftlich und erarbeitete zusammen mit Jessica Michalczyk und Prof. Dr. Michael Radke eine Studie. Eingeflossen sind die Erfahrungen von rund 1.300 Beschäftigten der Versicherungswirtschaft. Die Ergebnisse dieser Studie liegen nun vor.


Download: Homeoffice-Studie (PDF, 816 KB)


Die Studie zeigt deutlich, dass das Experiment Homeoffice in der Versicherungswirtschaft ein Erfolg war. Die Beschäftigten haben es überwiegend als positiv erlebt. Die Produktivität hat nicht gelitten und die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen, Kund*innen und Vertriebspartner*innen konnte auch von zuhause aus fortgesetzt werden. Teils erhebliche Fahrzeiten entfielen, was zu einem beachtlichen ökologischen Nutzen führt.

Die häuslichen Arbeitsbedingungen waren bis auf abstellbare Mängel beispielsweise beim Mobiliar in der Regel erträglich, die Unterstützung von Partner und Familie vorhanden. Viele Befragte erlebten einen erheblichen Zeitgewinn durch den Fortfall von Fahrzeiten zum Arbeitsplatz.

Daher ist es gut zu verstehen, dass die Beschäftigten sich keine hundertprozentige Rückkehr zu den Arbeitsbedingungen vor Corona wünschen: 88 Prozent der Befragten können sich auch künftig ein Arbeiten von zuhause aus vorstellen – allerdings nicht als Zwang, sondern als freiwillige Alternative zum Büroarbeitsplatz.

Die anonymisierten Daten der Homeoffice-Studie dürfen von der Fachhochschule Dortmund zu Studien- und Forschungszwecken genutzt werden. Studierende können so aktuelle empirische Einblicke in die Pandemiefolgen für die Wirtschaft und die Beschäftigten erhalten.