„Best Practice Tag“

Gute Führung ist Vertrauenssache

Vertrauen und Wertschätzung bilden das Fundament guter Personalführung. Ihre Bedeutung als Basis progressiven Mitarbeitermanagements habe sich gerade beim coronabedingten Führen auf Distanz gezeigt, so ein Ergebnis des „Best Practice Tags“ der Fachhochschule Dortmund am 3. September 2020 unter dem Motto „Führen heute“.

Podiumsdiskussion im Fußballmuseum
Diskutierten beim „Best Practice Tag“ der FH Dortmund über gute Führung (v.r.): Astrid Herbers, Leiterin Controlling Aurubis AG, Bastian Schierbaum, Senior Team Leader bei Vanderlande Industries GmbH, Dr. Bettina Horster, Gründerin VIVAI Software AG und digital zugeschaltet IDiAL-Leiterin Prof. Dr. Sabine Sachweh. Moderation (l.): Britt Lorenzen. (Foto: FH Dortmund / Roland Baege)

In Zeiten von Homeoffice seien transparente Arbeitsprozesse eine Herausforderung. Vertrauensaufbau müsse daher verstärkt Thema in Teamsitzungen werden, erklärte Prof. Dr. Sabine Remdisch von der Leuphana Universität den mehr als 100 Gästen – in kleiner Zahl live vor Ort im Dortmunder Fußballmuseum, großteils digital zugeschaltet. Der „Best Practice Tag“ von Perspektivmanagement und Promotionskolleg der FH Dortmund in Kooperation mit dem Institut für die Digitalisierung von Arbeits- und Lebenswelten (IDiAL) fand erstmals als Hybrid-Veranstaltung statt und wurde so für einen erweiterten Teilnehmerkreis geöffnet.

Um Engagement und Kreativität der Mitarbeiter*innen zu fördern und Kompetenzen zu stärken, brauche gute Führung Flexibilität und Adaptionsfähigkeit, analysierte IDiAL-Leiterin Prof. Dr. Sabine Sachweh. „Es gilt die Arbeitswelt mit der Lebenswelt zu matchen.“

Neue Werte im Berufsleben

Dass es dafür keine Blaupause gibt, wurde in der Podiumsdiskussion mit Führungskräften ortsansässiger Unternehmen deutlich. „Früher waren das Eckbüro und der Parkplatz nahe des Eingangs noch relevant“, sagte Dr. Bettina Horster, Gründerin der VIVAI Software AG. Heute stünden die Sinnhaftigkeit der Arbeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Vordergrund. Sie wolle Lebensträume ihrer Beschäftigten ermöglichen, auch wenn das deutschen Arbeitsrecht abseits von Eltern- und Pflegezeit für individuelle Wünsche oft noch zu starr sei.

Astrid Herbers ist Leiterin im Controlling der Aurubis AG in Lünen und arbeitet auf eigenen Wunsch in Teilzeit. Halbtags führen – das funktioniert; auch, indem man vertrauensvoll Aufgaben abgebe. „Führung verändert sich mit den Menschen, die geführt werden wollen“, betonte die ehemalige Werksleiterin. Die Mitarbeiter*innen zu unterschätzen, sie nicht zu fördern und im positivsten Sinne zu fordern, sei der schlimmste Fehler, den Management machen könne. Gute Führung stelle sich dabei auch immer schützend vor die Beschäftigten, ergänzte Bastian Schierbaum. Der 33-Jährige ist Absolvent der FH Dortmund und inzwischen Teamleiter bei der Vanderlande Industries GmbH.

Entscheidungsfreudig sein, situativ handeln und die individuellen Lebenswelten der Mitarbeiter*innen berücksichtigen: Die Anforderungen an moderne Führung sind groß. Die verstärkt digitale Arbeitswelt bietet dabei neue Möglichkeiten. Das Arbeiten auf Distanz macht Führung aber nicht einfacher.