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veröffentlicht am:
  • 24.08.2020
Mahnmal am Phoenix-See

Stählerne Paletten erinnern an Zwangsarbeit in Dortmund

Sieben Jahre hat Pia Laureen Emde gewartet, fast schon nicht mehr an eine Realisierung geglaubt. Doch 2020 ist die Absolventin der Fachhochschule Dortmund dabei, als am Dortmunder Phoenix-See das Zwangsarbeiter*innen-Mahnmal enthüllt wird. Die 4,5 Meter hohe, begehbare Skulptur ist die Umsetzung ihrer Vision für einen Ort der Erinnerungskultur.

Totale des Mahnmals am Ufer des Sees.
Das Mahnmal steht auf der Kulturinsel am Dortmunder Phoenix-See. (Foto: FH Dortmund / Benjamin Gottstein)

Glücklich und stolz beschreibt Pia Laureen Emde ihre Emotionen am Tag der Eröffnung am 10. August 2020. „Ich weiß es sehr zu schätzen, für das wichtige Thema Zwangsarbeit einen Betrag leisten zu können“, sagt sie. Die positive Resonanz der ersten Besucher*innen des Mahnmals freue sie besonders. Bis zu 80.000 ausländische Zwangsarbeiter*innen wurden während des Zweiten Weltkriegs in der Industriestadt Dortmund ausgebeutet, fast ein Viertel beim „Dortmund Hörder Hüttenverein“ (DHHV), dessen Werk „Phoenix“ dort stand, wo heute der gleichnamige See liegt.

In der Öffnung des Kubus stehen zwei Menschen.
FH-Absolventin Pia Laureen Emde und der Lehrbeauftragte der FH Dortmund, Marc Horstmeier, bei der Eröffnung des Mahnmals. (Foto FH Dortmund / Gabriele Marl)

Mahnmal als Semesteraufgabe

Die wie ein Riesenstapel stählerner Paletten aussehende Skulptur mit beleuchteten Info-Tafeln im Inneren hat Pia Laureen Emde 2013 an der Fachhochschule Dortmund entworfen. „Licht und Schatten“, heißt ihr Werk, das im Konstruieren-Kurs von Marc Horstmeier entstanden ist. Der Lehrbeauftragte am Fachbereich Architektur hatte nach Gesprächen mit Dr. Stefan Mühlhofer, Direktor des Dortmunder Stadtarchives, die Idee, den Entwurf eines Mahnmals zur Semesteraufgabe an der FH Dortmund zu machen.


Video-Dokumentation: Verschleppt nach Dortmund“


„Spannend war, dass es sich nicht um eine typische Bauaufgabe handelt, sondern sich im Randbereich der Architektur bewegt“, sagt Marc Horstmeier. Jeder Entwurf habe sowohl konstruktiv als auch wirtschaftlich realisierbar sein müssen. Geschichtliche Verantwortung, Funktionalität und der historische Ort auf dem Phoenix-Gelände galt es zu beachten.

Die Jury entschied sich letztlich für den Entwurf von Pia Laureen Emde. 2014 stimmte der Stadtrat der Realisierung am Phoenix-See zu. „Mein Bachelorabschluss war die Überarbeitung des Entwurfs und die Ausführungsplanung für die Gedenkstätte“, sagt die FH-Absolventin.

Blick in das Mahnmal. Im Hintergrund schimmert der Phoenix-See.
Infotafeln im Mahnmal erzählen die Geschichte der Zwangsarbeit. (Foto: Stadt Dortmund / gsk)

Auf der Kulturinsel gut sichtbar

Doch während Pia Laureen Emde anschließend noch einen Master in Design machte und später einen Job in Düsseldorf aufnahm, passierte in Dortmund beim Thema Mahnmal wenig. Immer wieder wurde um den konkreten Standort am Phoenix-See gerungen. Erst Anfang 2019 gab es eine Einigung. „Ich denke, dass auf der Kulturinsel nun tatsächlich der bestmögliche Ort gefunden wurde“, sagt Marc Horstmeier. Die Lage ist zentral und das Mahnmal von den verschiedenen Uferseiten des Sees gut zu sehen. An der finalen Umsetzung war er als Architekt vom Dortmunder Büro SHA Scheffler Helbich Architekten maßgeblich beteiligt.

„Besonders gelungen an dem Entwurf von Pia Laureen Emden finde ich die Begehbarkeit der Skulptur und die Anordnung der Exponate und Informationen im Inneren“, sagt Marc Horstmeier. Dadurch werde die Umgebung ausgeblendet und die Auseinandersetzung mit dem Thema zu einer bewussten Entscheidung. „Bei dieser Gedenkstätte ist der Ort schon Teil der Geschichte“, ergänzt die FH-Absolventin. 

 


Hintergrund

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich auf dem Werksgelände am ehemaligen Emschertor an der Hermannstraße auch ein Lager der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) – auf Wunsch der Konzernleitung. Zunächst diente dieses sogenannte Auffanglager für etwa 80 bis 100 Zwangsarbeiter*innen aus der Sowjetunion dazu, diejenigen zu „disziplinieren“, die die menschenverachtenden Ausländergesetze der Nationalsozialisten übertreten hatten, und sie gleichzeitig zu immer unmenschlicheren Arbeitsleistungen für den DHHV zu zwingen.

Im März 1945 wurden in diesem Lager unterschiedliche Gruppen von Gestapo-Häftlingen untergebracht, von denen viele in den Rombergpark gebracht und dort kurz vor Kriegsende ermordet wurden. Auch diesen Ereignissen wird im neuen Gedenkort gedacht.