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veröffentlicht am:
  • 11.08.2020
Anime-Experiment

Corona-Zwangspause: Film-Student macht Hörspiel

Braucht eine Zeichentrickgeschichte wirklich Bilder? Oder reichen Stimmen und Geräusche, um die Bilder im Kopf entstehen zu lassen? Jan Theurich studiert an der Fachhochschule Dortmund Film und Sound und wagte ein Experiment – auch, weil Corona seinen ursprünglichen Plan durchkreuzte.

Ein leeres Tonstudio mit einem Aufnahmeplan im Hintergrund.
Hier in Jan Theurichs Heim-Tonstudio liefen die Fäden der Produktion zusammen. 1500 Audio-Dateien gab es für die erste Staffel. (Foto: privat)

Das von ihm und seinen Kommiliton*innen lange vorbereitete Filmprojekt wurde abgesagt. Mitte März. Drei Tage vor Drehbeginn. Corona. „Die vorlesungsfreie Zeit ist für uns meist Drehzeit“, sagt der 24-Jährige. „Jetzt war es das erste Mal, dass nichts anstand.“ Jan Theurich nutzte die Zeit für eine neue Idee.

Er hatte die alten Serien seiner Kindheit nochmals geschaut, inzwischen mit dem Blick eines angehenden Bachelor of Arts. Jan Theurich achtete auf Töne, auf Wörter, auf akustische Reize. Und fragte sich: Kann man im Stil der Animationsserien der 90er-Jahre ein Hörspiel produzieren? Können Stimme und Klänge die Macht der Bilder ersetzen?

Logo der Serie mit den vier Hauptcharakteren.
Kiku, Toshi, Akio und Kazumi sind die Hauptcharaktere des Hörspiels.

Hörspiel im Stil japanischer Animes

Entstanden ist „Trust me, I'm a Dungeoneer“, ein Hörspiel im Stil japanischer Animes gepaart mit Einflüssen klassischer Computer-Action-Rollenspiele. Die Geschichte spielt in Kakuri, der letzten Zufluchtsstätte der Menschen nach einem apokalyptischen Beben, das die umliegenden Städte verschluckte. Zurück blieben Dungeons, geheimnisvolle Höhlen mit Schätzen und Monstern. In fünf Folgen, jeweils circa 20 Minuten lang, begleitet das Hörspiel den frischgebackenen Abenteurern Toshi und Aiko in dieser Fantasiewelt.

Für die Produktion hat Jan Theurich mit seiner Mitstreiterin Melle Teich etwa 40 Sprecher*innen, Sounddesigner*innen, Cutter*innen und Musiker*innen zusammengetrommelt. Alles virtuell, versteht sich. Die fünf Folgen gibt es nun kostenfrei bei Spotify, Soundcloud und iTunes.

Jan Theurichs Interesse für Sprache und Regie hat die Fachhochschule maßgeblich mitgeprägt. Dreimal hat er sich um einen der begehrten Plätze im Studiengang Film und Sound beworben. „Ich kam mit der festen Überzeugung an die FH, dass ich Kameramann werden will“, sagt er. Doch das Studium hat ihn auf neue Wege geführt. „Ich kann besser mit Menschen als mit Technik“, scherzt er. In den Bereichen Regie, Dramaturgie und Storytelling habe ihm die FH Dortmund sehr viel geboten. Etwa das Seminar Schauspielführung, das sich mit der Kommunikation zwischen Regie und Schauspielenden befasst.

Porträtfoto
FH-Student Jan Theurich (Foto: privat)

Vom Kameramann zum Synchronregisseur

Durch die FH weiß ich heute, was ich wirklich machen möchte“, sagt Jan Theurich. Seine Berufung ist die Synchronregie. Sie verantwortet die Qualität der deutschen Fassung eines Filmwerks – von der Übersetzung bis zur Aufnahme. Dafür brennt Jan Theurich und seine Begeisterung ist ansteckend, wenn er erzählt, wie sich Lippenbilder und Laute auseinanderpflücken lassen, um daraus einen werktreuen Dialog zu formen. „Da muss man manchmal viel tricksen“, sagt er.

Mit diesem Thema befasst sich auch seine Bachelor-Arbeit, die er im Anschluss an die Hörspiel-Produktion im Sommersemester geschrieben hat: Transferprozesse bei der Filmsynchronisation. „Wir haben in Deutschland eine sehr starke Synchron-Branche“, berichtet der FH-Student. Es fehle aber an grundlegender Literatur. In seiner Abschlussarbeit zeigt er Herausforderungen der Synchronisation auf und trägt Lösungsansätze unter dem Fokus zusammen, welchen Beitrag die Synchronregie dazu leisten kann. Mit dem Bachelor in der Tasche will er sich auf Jobsuche begeben. Sich in der Branche einen Namen als Synchronregisseur machen und viele Projekte begleiten.

Ob es eine Fortsetzung von „Trust me, I’m a Dungeoneer“ geben wird? „Geschichten der jungen Abenteurer haben wir noch genug“, sagt Jan Theurich. Jetzt müsse das Team nur wieder Zeit für die Umsetzung finden.

 


Hintergrund

  • S01E01: „Was ist besser als eine Trinkschokolade?“
    Willkommen in Kakuri, wo Agenturen junge Menschen in die umliegenden Dungeons entsenden, um Ruhm und Ehre zu erlangen. Toshi, ein frischgebackener Abenteurer, und Aiko, eine Quereinsteiger-Commander, hatten dabei bisher wenig Glück. Können sie gemeinsam ihre Träume erfüllen?
     
  • S01E02: „Wir haben Asbest“
    Ein Fischladen als Agentur - das hatte Toshi sich anders vorgestellt. Um sich zu bewähren, navigiert Aiko den jungen Abenteurer durch seinen ersten Dungeon. Leichter gesagt, als getan – die einfache Mission stellt sich als gefährliches Unterfangen heraus!
     
  • S01E03: „Das steht für Liebe“
    Ein gefeierter Pionier - und ein selbstsüchtiger Betrüger? Um ein Monument im Zentrum der Stadt entstehen erbitterte Aufstände. Im Auftrag der von Toshi angehimmelten Kazumi forschen er und Aiko in der Vergangenheit des Hofschmieds Hideki Oshiro nach.
     
  • S01E04: „Ich geh ihr auch helfen“
    Erinnerungen kommen hoch, als Toshis Kindheitsfreundin Kiku die Waffe ihres verstorben geglaubten Vaters entdeckt. Gemeinsam wollen sie losziehen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei müssen sie sich nicht nur auf dem Schwarzmarkt beweisen, sondern auch die Garde austricksen.
     
  • S01E05: „Dungeons sind kein Kinderspielplatz“
    Kikus größter Wunsch scheint in Erfüllung gegangen zu sein. Doch Toshi und Aiko sind misstrauisch: das ganze scheint einfach zu schön, um wahr zu sein. Schon bald befinden sich die beiden Freunde plötzlich in tödlicher Gefahr und Kiku muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.