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veröffentlicht am:

  • 05.11.2019
Fotofestival f²

So ticken die besten Fotograf*innen der Welt

Gleichförmige Häuser in abwechselnden Farben säumen eine leere Straße.
Aufnahme von Alejandro Cartagena: Der Fotograf spricht am Fachbereich Design. (Foto: Alejandro Cartagena)

Am Fotofestival f² zum Thema Gerechtigkeit beteiligt sich der Fachbereich Design unserer Fachhochschule mit einer Ausstellung, einem Symposium und Vorträgen. Die Fotograf*innen, die hier zu erleben sind, gehören zu den besten der Welt.

Gerechtigkeit. Ein riesiges Wort. Die Veranstalter des Fotofestivals f² (7.-21.11.2019) haben es zum Thema der diesjährigen Ausgabe erkoren – und zeigen damit, dass sie nicht an halben Sachen interessiert sind. Es geht ums Ganze.

Die Fachhochschule Dortmund zeigt dazu eine Ausstellung von Studierenden der Studiengänge Fotografie. Außerdem hat der Fachbereich Gäste eingeladen, deren Leistungen und Erfolge, Erfahrung und Kreativität einem Thema dieser Größenordnung gerecht werden – unter ihnen zwei Preisträger des World Press Photo Awards.

Das Symposium

Anlässlich des Festivals veranstaltet der Fachbereich Design das Symposium Editorial Lab #6 am 8. November ab 10 Uhr am Max-Ophüls-Platz 2. Die Ausgangsfragen lauten:

  • Was ist Gerechtigkeit?
  • Was bedeutet Gerechtigkeit und von welchen Bedingungen und Sichtweisen ist sie abhängig?
  • Ist die Gerechtigkeit des einen die Ungerechtigkeit des anderen?
  • Kann Gerechtigkeit objektiv definiert werden oder ist sie immer subjektiv konnotiert?
  • Ist Recht gerecht?

Die Vortragenden Sanne de Wilde (NOOR), Melisa C. Karakuş (renk.Magazin) und Sebastian Liste (NOOR) stellen persönliche Arbeiten vor, die stark mit den gesellschaftlichen Bedingungen für Gerechtigkeit verbunden sind.

Sie nähern sich dem Begriff der Gerechtigkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen fotografischen, gestalterischen Herangehensweisen. Es stellt sich jedoch die Frage, in welcher Form gestalterisch dazu beigetragen werden kann Gerechtigkeit zu schaffen. Kann Gerechtigkeit entstehen ohne die Existenz des Ungerechten?

 


Programm des Symposiums am Freitag, 8. November 2019, am Max-Ophüls-Platz 2

Die Vorträge sind zum Teil auf Englisch, die Teilnahme ist kostenlos.

10 Uhr: Sanne de Wilde

Die Belgierin Sanne de Wilde untersucht in ihren international ausgezeichneten Arbeiten den Einfluss genetischer Unregelmäßigkeiten auf das Leben von Menschen und Gemeinschaften.

Sie thematisiert das zufällige, genetisch bedingte Anderssein als verletzlich machende conditio humana. Ein Anderssein, das ihre Protagonist*innen der Willkür und Ungerechtigkeit von Gesellschaften aussetzt.

Wilde hat einen Master in Fine Arts der KASK in Gent mit Auszeichnung abgeschlossen. Ihre Werkgruppen „The Dwarf Empire“ und „The Island of the Colorblind“ wurden unter anderem mit dem „Photo Academy Award 2012“ und der Zilveren Camera 2018“ ausgezeichnet.

2019 erhielt sie für die Arbeit "Land of Ibeji", welche sie in Zusammenarbeit mit Benedicte Kurzen (NOOR) erstellt hat, den World Press Photo Award in der Kategorie Portrait. Seit 2017 ist sie Mitglied der Agentur NOOR.


11 Uhr: Sebastián Liste
Kühe auf einer Weide unter dunklem Himmel mit einzelnen Feuern im Hintergrund
Sebastián Liste ist fotografischer Soziologe. (Foto: Sebastián Liste)

Sebastián Liste, geboren in Spanien, ist fotografischer Soziologe und Dokumentarfotograf. Seine Arbeiten konzentrieren sich auf die umwälzenden gesellschaftlichen Veränderungen in Lateinamerika und den Mittelmeerraum. Regionen, in denen er aufwuchs und die er gut kennt.

Seine Reportagen und Dokumentationen sollen einen Dialog zwischen der Zivilgesellschaft und den politischen Entscheidungsträgern generieren, um eine reflektive Analyse zu sozio-ökonomischen Problemstellungen auszulösen.

Bereits während seines Master-Studiums an der Autonomen Universität in Barcelona erhielt er das Ian-Parry-Stipendium für seine Arbeit „Urban Quilombo“. 2014 erhielt er den Alexia-Foundation-Award um das Verhältnis zwischen Gewalt, Bestrafung und Sicherheit in Lateinamerika zu dokumentieren. Den dritten Platz beim World Press Award 2016 erhielt er für seine Reportage über Bürgerjournalismus in den Slums Brasiliens.


14 Uhr: Melisa C. Karakus

Melisa C. Karakuş ist Grafikdesignerin und Projektmanagerin ihres Grafikbüros büro farbe in Berlin. Vor allem ist sie aber die Herausgeberin und Gründerin des renk.Magazins, des einzigen deutsch-türkischen Online-Magazins, das sich mit Kunst und Kultur beschäftigt.

Melisa beobachtet, dass die Gesellschaft ihr vorschreiben wollte, dass sie sich entscheiden muss: Bin ich Deutsche oder Türkin? Denn obwohl viele Türken schon vor über 50 Jahren als sogenannte 'Gastarbeiter' hierherkamen oder in Deutschland geboren wurden, besteht die Zuordnung zu „typisch türkisch“ und „typisch deutsch“ noch immer.

Melisa C. Karakuş will sich zu recht nicht entscheiden und hat aus den beiden Stühlen, wie sie sagt, „eine Bank gemacht“. Für ihre Arbeit hat sie bereits viele Auszeichnungen erhalten, zum Beispiel den Kurt-Wolff-Förderpreis und den 2. Platz des KAUSA Medienpreises 2015.


Die Ausstellung „Incondition“

Plakatmotiv: Zwei nackte Männer umarmen einander
Eines der Plakatmotive zur Ausstellung „Incondition“ des Fachbereichs Design (Grafik: FH Dortmund / FB Design)

In Zeiten stetig wachsender sozialer und politischer Umbrüche versuchen die Studierenden des Masterstudiengangs Fotografie / Photographic Studies die Fragen um die Bedingungen von Gerechtigkeit mit zehn ausgewählten Foto- und Videoarbeiten von Studierenden der FH Dortmund exemplarisch zu erarbeiten. Sie nähern sich dem Begriff der Gerechtigkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen fotografischen Herangehensweisen.

Es stellt sich jedoch die Frage: Wie kann gestalterisch dazu beigetragen werden Gerechtigkeit zu schaffen? Kann Gerechtigkeit entstehen ohne die Existenz des Ungerechten?

An diesem Punkt vereinen sich die Intentionen der Studierenden in ihren Auseinandersetzungen. Sei es das Aufzeigen von Missständen, Minderheiten eine Stimme zu verleihen oder Machtgefüge anzuprangern.

Es wäre anmaßend zu glauben, schreiben die Organisatoren, gestalterisch eine allgemeingültige Antwort auf die Frage der universellen Gerechtigkeit zu finden, geschweige denn die Gesellschaft von jeglicher Ungerechtigkeit befreien zu können. Dennoch sollen die Arbeiten Teil des Diskurses werden und einen Anstoß für die Reflektion des Einzelnen bieten.

Ausstellende Künstler*innen sind Lea Franke, Lennart Gruensel, Shannon Kolios, Maximillian Mann, Ingmar Björn Nolting, Celine Rolle, Leonie Scheufler, Thomas Morsch & Magnus Terhorst, Jule Wilde und Lucas Zander.

Kurator*innen sind Lennart Gruensel, Ana Maria Sales Prado, Marie Monecke, Lea Franke, Leonie Scheufler, Aliona Kardash, Lukas Zander, Hakan Poyraz, Ricarda Funnemann, Debora Brune und Katharina Kemme.

Zu sehen im Ladenlokal an der Brückstraße 64 vom 9. bis 21. November 2019.

Die Vernissage ist am 8. November (Freitag) um 18 Uhr.

Zwei weitere Vorträge

Im weiteren Verlauf des Festivals lädt der Fachbereich zu zwei weiteren Vorträgen, an denen Fotografen über ihre Arbeit und ihre Sicht auf die Welt berichten.

13.11., 18 Uhr: Alejandro Cartagena, Mexiko
Blick von oben auf eine LKW-Ladefläche, auf der zwei Männer schlafen
"Carpoolers" heißt das mehrfach prämierte Buch von Alejandro Cartagena. (Foto: Alejandro Cartagena)

Der mexikanische Fotograf Alejandro Cartagena wurde einem größeren Publikum durch sein mehrfach prämiertes Buch "Carpoolers" bekannt. Er ist Künstler, Lehrer und Förderer der Fotografie.
Seine Projekte sind in erster Linie dokumentarisch und setzen Landschaft und Porträt als Mittel ein, um soziale, städtische und ökologische Probleme in Lateinamerika zu untersuchen. Seine Arbeit beschäftigt sich auf einer Metaebene auch mit der Geschichte der Fotografie, indem er die Art und Weise neu interpretiert, in der wichtige Themen in der Vergangenheit angesprochen oder dargestellt wurden. Dies hat seinen ästhetischen und konzeptuellen Ansatz erweitert und seinen komplexen Interpretationen unserer Gesellschaft Bedeutungsebenen hinzugefügt.
In den letzten 13 Jahren hat Cartagena Werke geschaffen, die unterschiedliche Denkweisen über die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Landschaft angesichts der Urbanisierung aufzeigen. Während seines Vortrags wird er verschiedene Projekte und Bücher zeigen, die sich mit diesen Themen befassen.
Als begeisterter Buchmacher wird er die Möglichkeiten in seinem Vortrag auch die Möglichkeiten zeigen die ihm das Fotobuch eröffnet hat, um seinen künstlerischen Ausdruck zu schärfen.


20.11., 18 Uhr: Felix Koltermann

Der Titel des Vortrags lautet: „Fotojournalismus im Zeitalter der Post-Faktizität“: In einer sich rasant verändernden Medienlandschaft spielt die Frage, welche Informationen relevant und welche glaubhaft sind, sowie von wem diese verbreitet werden, eine immer größere Rolle. Dies gilt auch für den klassischen Print- und Online-Journalismus sowie die dortige fotografische Berichterstattung.

Öffentliche, von populistischen Gruppen und Regierungen angeführte Debatten kreisen um Begriffe wie Fake News und Alternative Facts. Einige Wissenschaftler*innen und Kommentator*innen gehen soweit, von einem Zeitalter der Post-Faktizität zu sprechen. Der Journalismus ist in diesem Zusammenhang gefragt, wie er darauf reagiert.

Dazu kommen im Fotojournalismus Debatten darüber, was im 21. Jahrhundert die Rolle der fotografischen Berichterstattung ist und was adäquate Formen der Darstellung und der Berichterstattung sein können.

Dieser Frage will der Vortrag nachgehen und einige Thesen zur Verantwortung des Mediums gegenüber rechtspopulistischen Strömungen und deren Weltbildern aufstellen.

Der Vortrag dauert rund 45 Minuten, anschließend sind 45 Minuten Diskussion geplant.


 


Hinweis zu allen Terminen

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig.