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veröffentlicht am:

  • 18.10.2019
Gesundheits-Apps

Anhörung im Bundestag mit Prof. Dr. Peter Haas

Prof. Dr. Haas
Prof. Dr. Peter Haas (Foto: FH Dortmund)

Ob Apps auf Rezept oder Online-Sprechstunden mit dem Hausarzt: Der Gesundheitsbereich in Deutschland soll schon bald digitaler werden. Bei einer Anhörung im Bundestag äußerten Expert*innen am 16. Oktober 2019 Kritik. Peter Haas, Professor für Medizinische Informatik an der Fachhochschule Dortmund, warnte davor, „mit der Gießkanne Apps über das Gesundheitswesen zu verteilen“.

Seit das Bundeskabinett Anfang Juli 2019 einen Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für neue digitale Angebote auf den Weg gebracht hat, wird zunehmend darüber spekuliert, worauf sich Patient*innen einstellen können – und müssen.


Medienbeitrag: Deutschlandfunk Nova (vom 17.10.2019)


Prof. Dr. Peter Haas beschäftigt sich bereits seit Jahren mit der Digitalisierung im Gesundheitsbereich, speziell auch mit Elektronischen Patientenaktensystemen sowie Personal Health Informatics & Personal Health Management. Sein Fazit: „Jeden Tag, das zeigen viele Studien und Gutachten, kommen Patienten aufgrund der suboptimalen Koordination und Kommunikation zwischen Versorgungseinrichtungen zu Schaden.“ Das habe enorme ökonomische und qualitative Auswirkungen, auch für die Lebensqualität und Zukunft von kranken Menschen. „Es ist eine ethische Verpflichtung der Gesellschaft, moderne Technologien für eine effektive und sichere und bessere Gesundheitsversorgung einzusetzen“, so Prof. Dr. Haas.

 


Kurzinterview

Prof. Dr. Peter Haas ordnet die Pläne der Bundesregierung ein

Herr Professor Dr. Haas, das sogenannte Digitale-Versorgung-Gesetz, kurz DVG, sieht erste Neuerungen ab dem Jahr 2020 vor. Wie gut ist das deutsche Gesundheitssystem auf die Digitalisierung vorbereitet?

Viele Institutionen sind heute zunehmend gut vorbereitet bzw. intern digital aufgestellt. So ist vielerorts schon heute die fast papierlose Arztpraxis Realität. Radiologische Institute, pathologische Institute und Labors, aber auch viele andere arbeiten nur noch papierlos auf Basis digitaler Verfahren bezüglich ihrer Dokumentation, Organisation und Kommunikation. Woran es aber krankt, ist die einrichtungsübergreifende Vernetzung, um die Zusammenarbeit und Koordination der Institutionen bei komplexen Behandlungen zu verbessern, etwa beim Austausch von Informationen zwischen Krankenhaus und Hausarzt. Der Patient erlebt das System immer noch als Anhäufung nur mäßig verbundener „Inseln“.

Wie bewerten Sie, dass der Gesetzentwurf noch keine konkreten Festlegungen zur elektronischen Patientenakte enthält, die für 2021 als freiwilliger Service geplant ist?

Der Grund ist nachvollziehbar: Es sollen erst noch Regelungen zum Datenschutz, aber gegebenenfalls auch noch andere Regelungen betrachtet und geschaffen werden. Schon in meiner Bertelsmann-Expertise aus 2017 habe ich differenziert Gründe und Stichpunkte aufgeführt, die eines Regelungsrahmens bedürfen. Es ist ja von Minister Spahn versprochen, nach der Sommerpause nachzuliefern. Zu fordern sind auf jeden Fall differenzierte und intelligente Berechtigungsmechanismen, auch mit kontextsensitiven Mechanismen und vordefinierten Zugriffs-Profilen.

Welche großen Fragen sind aus Ihrer Sicht noch ungeklärt, wenn es um digitale Angebote im Gesundheitsbereich geht?

Das hängt natürlich von bestimmten Angeboten selbst ab, aber es gibt zum Beispiel für Spin-offs bzw. Gründer schon gewisse Hürden, die nicht trivial sind, unter anderem den Marktzugang und die Finanzierung: Wer bezahlt? Oder die Zulassung der Anwendung für die professionelle Versorgung – hierzu gibt es im DVG ja die Idee, dass Apps „verschrieben“ werden können. Aber zu jeder App gehört eigentlich ein Hintergrundsystem. Je nach Anwendung sind weitere klärungsbedürftige Aspekte beispielsweise die Erfüllung der Anforderungen aus dem Medizinproduktegesetz, die Interoperabilität etwa von Apps mit Praxis- und Krankenhaussystemen, aber auch mit EPA-Systemen, außerdem natürlich der erforderliche Datenschutz und das Sicherheitsniveau.


 


Forschung zu mHealth-Apps

Welche Sicherheitsrisiken Applikationen für mobile Gesundheit, sogenannte mHealth-Apps, mit sich bringen können, haben Medizin-Informatiker der Fachhochschule Dortmund in einem studentischen Forschungsprojekt herausgefunden. Ihre Analyse-Ergebnisse sind 2019 im „Journal of Medical Internet Research“ (JMIR) erschienen.