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25-Frauen-Award

Zwei Preisträgerinnen von der Fachhochschule Dortmund

Professorin Dr. Maria Wersig bei der Preisverleihung in Berlin (Foto: Birgit: Kaulfuss)

Zwei von 25 Frauen, die vom Onlinemagazin Edition F, Zeit Online und Handelsblatt ausgezeichnet wurden, stammen von der Fachhochschule Dortmund: Professorin Dr. Maria Wersig und Fotografin Anna Spindelndreier.

Sie wurden gekürt zu zwei von „25 Frauen, die mit ihrer Stimme unsere Gesellschaft bewegen“. „Dieser Preis ist eine Motivation“, sagt Professorin Dr. Maria Wersig. Gerade jetzt, wenige Tage vor der Europawahl, zeichneten sich zunehmend rechtspopulistische Bestrebungen ab, die auch „in der Gleichstellungsfrage die Uhr zurückdrehen wollen. Es ist wichtig, dagegen und für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit einzustehen.“

Prof. Dr. Maria Wersig: Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes

Prof. Dr. Maria Wersig lehrt und forscht seit 2015 an der Fachhochschule Dortmund am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften. Ihre Professur ist den rechtlichen Grundlagen der Sozialen Arbeit gewidmet. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Sozialrecht und Antidiskriminierungsrecht. Sie ist Autorin des ersten Fallbuchs zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und war 2018 an einer Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Preisdifferenzierung nach Geschlecht beteiligt.

Als Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes arbeitet sie zu ihren wissenschaftlichen Themen auch rechtspolitisch und setzt sich an der Spitze eines der wichtigsten Frauenverbände in Deutschland für Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte ein. Sie ist gefragte Expertin in den Medien und in Ministerien und Parlamenten auf Bundes- und Landesebene.

„Großartige Frauen, die Außerordentliches leisten“

Insgesamt sei die Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Gesellschaft noch lange nicht erreicht. „Es ist zum Beispiel immer noch so, dass in den Medien hauptsächlich Männer als Experten gefragt werden.“ Nach wie vor gelte: „Männer erklären uns die Welt.“ In diesem Zusammenhang sei der Preis auch ein politisches Statement, indem er die Sichtbarkeit von Frauen erhöhe – von Frauen wie den 50 Nominierten. Denn diese, sagt Wersig, „sind ganz großartige Frauen, die Außerordentliches leisten.“

Auch bei der Repräsentation von Frauen bei politischen Entscheidungen sei noch Luft nach oben: „100 Jahre Frauenwahlrecht – und es gab noch nie ein paritätisch besetztes deutsches Parlament oder gar eines mit weiblicher Mehrheit. Das muss sich dringend ändern, aber ohne gesetzliche Maßnahmen wird das nicht gelingen.“

Anna Spindelndreier bei der Preisverleihung in Berlin. (Foto: Birgit: Kaulfuss)

Anna Spindelndreiers Motto: Offenheit

Bei der Preisverleihung wurde die Fotografin Anna Spindelndreier gefragt, was Menschen ohne Behinderungen tun können, um Menschen mit Behinderungen besser kennenzulernen. Spindelndreiers Antwort: „Offenheit.“ Es gebe noch zu viele Berührungsängste, die vermutlich einfach daraus entstehen, dass Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit häufig nicht sichtbar sind.

Deshalb haben Menschen mit und ohne Behinderungen kaum gemeinsame Berührungspunkte. Das liegt zum großen Teil an den Medien und wie sie die Welt darstellen: Als eine Welt der Nicht-Behinderten. Als Fotografin versucht Spindelndreier, bei Shootings möglichst oft Menschen mit Behinderung einzusetzen – und zwar gerade dann, wenn das Thema des Shootings nichts mit Behinderungen zu tun hat. Als Fotoredakteurin für mehrere überregionale Medien versucht sie Berichte über alle möglichen Themen auch mit behinderten Menschen zu bebildern.

„Je öfter man etwas zeigt, desto normaler wird es“

Oft hört sie dann jedoch: „Mit einem behinderten Menschen auf dem Foto denkt der Leser doch automatisch, dass es im Text um Behinderte geht!“ Diese Gewohnheit versucht Spindelndreier zu ändern: „Denn je öfter man etwas zeigt, desto normaler wird es für den Betrachter.“ Sich dabei durchzusetzen und durchzuhalten, kostet Kraft: „Leicht ist das nicht.“ Schon als Kind schaute Anna Spindelndreier ihrem Vater regelmäßig bei der Arbeit über die Schulter. Mit neun Jahren bekam sie dann ihre eigene Kamera geschenkt. Nach der Schule ließ sie sich zur Fotografin ausbilden, danach studierte sie Fotografie an der FH Dortmund.

Anna Spindelndreier ist selbst kleinwüchsig und weiß daher genau, mit welchen Vorurteilen Menschen mit Behinderung in der Medienlandschaft oft konfrontiert werden. Sie engagiert sich auch außerhalb ihrer künstlerischen Tätigkeit für eine inklusive Gesellschaft und arbeitet mit diversen Selbsthilfevereinen und sozialen Organisationen zusammen.