Austauschprojekt

Europäische Perspektiven auf Flucht und Migration

Gerade in den letzten Jahren stellen sich Flucht und Migration als transnationale Herausforderung für ganz Europa dar. Fachkräfte der Sozialen Arbeit stehen vor der konkreten Aufgabe, Geflüchtete zu unterstützen. Was sind dabei ihre Möglichkeiten und wo liegen Grenzen? Studierende aus Dortmund und Brüssel erarbeiteten in einem Austauschprojekt gemeinsame Perspektiven.

Soziale Arbeit in der Nordstadt: Studierende gewinnen Einblicke in die Angebote für Kinder und Jugendliche in der Erlebniswelt Fredenbaumpark.
Soziale Arbeit in der Nordstadt: Studierende gewinnen Einblicke in die Angebote für Kinder und Jugendliche in der Erlebniswelt Fredenbaumpark.

Europapolitische Gremien, internationale Hilfsorganisationen und der Dialog von Expert*innen über das Vorgehen verschiedener Länder in Zeiten großer Flüchtlingswellen bildeten im Sommer am University College Odisee in Brüssel den Auftakt für das DAAD-geförderte Austauschprojekt „Refugee children and families in Europe: social work and counselling“. Der anschließende Autumn Course an der FH Dortmund stellte die Praxis der Sozialen Arbeit und die Rolle des „fremden Blicks“ in der ethnographischen Feldforschung in den Fokus. Feldstudien führten dabei quer durch die Stadt und das Ruhrgebiet. Das Leben von Geflüchteten und die Kluft zwischen Arm und Reich wurden anhand des „Sozialäquators A40“ und einer Führung durch die Nordstadt sichtbar.

Fremdheit lernen

Der zweiwöchige Autumn Course bot den Studierenden die Gelegenheit ihre eigene Haltung gegenüber Geflüchteten und anderen Klient*innen zu reflektieren. Vorträge, Workshops und der ständige Austausch mit Professor*innen und Expert*innen aus der Praxis schafften die Basis für erste Erfahrungen mit ethnographischer Forschung. Die bewusste Distanz zum Gegenstand und die Ausblendung von Theoriewissen sind wichtig für die wissenschaftliche Beobachtung von Alltagssituationen. Fremdheit ist dabei aber nicht einfach gegeben, sie muss kontinuierlich produziert werden. „Ethnographical research is a new methodology for our students“, betonte Miet Timmers vom University College Odisee. Besonders wertvoll sei es dabei auch gewesen, die Studierenden des dualen Studiengangs „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-)Migration“ zu ihren Arbeitgebern zu begleiten.

Transnationalen Dialog stärken

Die Kooperation zwischen der Fachhochschule und dem University College Odisee in Brüssel soll weiter ausgebaut werden. „We have to prepare our student to work with new populations“, erklärt Ellen van Housenhove. Dafür sei es wichtig, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Überraschend für die Brüsseler war etwa, dass gezielt Studierende – und spätere Fachkräfte – mit verschiedenen Sprachkenntnissen ausgebildet werden. „Wir schaffen mit dem Austauschprojekt die Gelegenheit eine europäische Perspektive zu entwickeln“, erläutert Professor Dr. Jochem Kotthaus, der das Projekt seitens der FH Dortmund leitet. Angestrebt ist ein Wachstum des Formats. „Wir möchten weitere Hochschulen an dem Projekt beteiligen“, erläutert Prof. Kotthaus die Pläne für 2019. „Eine transnationale Kooperation fest hier am Fachbereich zu verankern, das ist unser Ziel.“ Regelmäßig wären dann angehende Sozialarbeiter*innen aus ganz Europa zu Gast am Campus Nord.


gedruckt am: 19.11.2018  12:57