Deutscher Seniorentag

Selbstständigkeit und Partizipation im Alter

Fast 15.000 Besucher zählte der 12. Deutsche Seniorentag in den Westfalenhallen Dortmund. Dialog fördern – das war ein Kernanliegen vieler Angebote. Die Fachhochschule präsentierte das Verbundprojekt QuartiersNETZ – beim Vortrag und an Thementischen wurde über digitale Vernetzung und Partizipation im Alter diskutiert. Ebenfalls an einem Stand vertreten war das Projekt Smart Service Power, das unter anderem den RegioStars Award der Europäischen Union in der Kategorie „CityStars“ gewonnen hat.

Real und digital: Das Verbundprojekt „QuartiersNETZ“ der FH Dortmund ermöglicht Partizipation im Alter.
Real und digital: Das Verbundprojekt „QuartiersNETZ“ der FH Dortmund ermöglicht Partizipation im Alter.

Digitalisierung kann die Lebensqualität im Alter erhöhen und zwar auf ganz unterschiedliche – und teils überraschende – Art und Weise. Technische Assistenzsysteme müssen dabei nicht, wie manche Kritiker*innen befürchten, zur weiteren Schwächung der sozialen Einbindung führen. Vielmehr unterstützen sie dabei, dass Menschen noch bis ins hohe Alter mitten im Leben stehen und Gemeinschaften aktiv mitgestalten können. Außerdem verbessern digitale Angebote die Pflege, steigern die Lebensqualität und bieten Sicherheit. Das wurde deutlich beim Deutschen Seniorentag, den Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ende Mai 2018 mit einem Grußwort eröffnete.

Real und digital

„Brücken bauen“ war das Motto des Seniorentags. Und genau darum geht es der Fachhochschule Dortmund auch im Verbundprojekt QuartiersNETZ, welches Älteren die Chance bietet, sich als (Ko-)Produzenten von Quartiersnetzwerken im Ruhrgebiet einzusetzen – unter anderem über eine eigene soziale Plattform. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt wurde in vier Quartieren in Gelsenkirchen aufgebaut und soll anderen Kommunen als Vorbild dienen. Das interdisziplinäre Team stellte das Projekt am Messestand des Kooperationspartners Generationennetz Gelsenkirchen e.V. und in einem interaktiven Vortrag vor.

Nutzer*innnen im Fokus

QuartiersNETZ ermächtigt nicht nur Senior*innen zu einem souveränen Umgang mit neuer Technik und digitalen Angeboten, sondern passt diese auch den Bedürfnissen älterer Menschen an. „Entwickelt haben wir etwa eine Wunschbedienung – altersgerecht und den individuellen Bedürfnissen entsprechend“, erklärt Prof. Dr. Sabine Sachweh vom Institut für die Digitalisierung von Arbeits- und Lebenswelten. Zur Digitalisierung gehört auch – so wurde in der Diskussion deutlich – dass manches beim Alten bleiben kann. „Unterschiedliche Interfaces“, so Sachweh, erlauben es zum Beispiel, „dass Ältere die alten Drehknöpfe am Herd behalten, auch wenn dahinter aufwändige Software-Programme laufen.“

Smart Service Power (v.l.): Prof. Dr. Uwe Großmann (FH Dortmund), Dr. Bettina Hörster (VIVAI Software AG) und Enrico Löhrke (InHaus GmbH)
Smart Service Power (v.l.): Prof. Dr. Uwe Großmann (FH Dortmund), Dr. Bettina Hörster (VIVAI Software AG) und Enrico Löhrke (InHaus GmbH)

Länger zuhause leben

Wie die Digitalisierung das Leben älterer Menschen sicherer machen und Selbstständigkeit ermöglichen kann, zeigten Prof. Dr. Uwe Großmann und das Team des Verbundprojekts Smart Service Power am Messestand der Stadt Dortmund. Dank der intelligenten Analyse und Auswertung von Sensordaten können Senior*innen länger zuhause wohnen. Auch in Heimen und Pflegeeinrichtungen soll das System die Pflegequalität erhöhen. Denn Bedarfs- und Notfallsituationen lassen sich durch die smarte Ausstattung schnell erkennen. „Teil des Projektes ist es zudem, dass wir Geschäftsmodelle entwickeln, die fair, kooperativ und datenschutzkonform sind“, betont Professor Großmann. Denn nur so werde Smart Service Power die Pflege nachhaltig verbessern.

 


Weitere Informationen

Deutscher Seniorentag
Der Deutsche Seniorentag findet alle drei Jahre in einem anderen Bundesland statt. Trägerin ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso), eine Dachorganisation für 117 Verbände.

QuartiersNETZ
Das Verbundkonsortium „QuartiersNETZ“ entwickelt mit und für ältere Menschen reale und digitale Quartiersnetzwerke im Ruhrgebiet, damit Menschen in allen Phasen ihres Älterwerdens am öffentlichen Leben teilhaben können. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts „Gesundheits- und Dienstleistungsregionen von morgen“ (GeDiReMo) gefördert. Unter Federführung der Fachhochschule Dortmund will QuartiersNETZ gemeinsam mit den Projektpartnern Caritas Gelsenkirchen e. V., FoGera e. V., Generationennetz Gelsenkirchen e. V., Pallas GmbH, Quinscape GmbH und der Universität Vechta den Strukturwandel des Ruhrgebiets vorantreiben.

Smart Service Power
Smart Service Power ist ein mehrfach ausgezeichnetes Verbundprojekt von VIVAI AG, Fachhochschule Dortmund, Fraunhofer-Inhaus-Zentrum, DOGEWO21, Pflegedienst Hübenthal GmbH und weiteren Partnern. Das Projekt ist Teil der Allianz Smart City Dortmund. Ziel ist die Erforschung neuartiger Funktionen zum technikgestützten Wohnen im Alter. Smart Service Power verspricht einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung des demografischen Wandels zu liefern und erhielt internationale Preise, wie den RegioStars Award der EU und den "DC Information Society Prize 2017" des Diplomatic Councils. Ausgezeichnet wurde Smart Service Power auch als Ausgewählter Ort 2018 im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“.


gedruckt am: 24.09.2018  06:34