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Barrierefreiheit

Studieren mit Sehbehinderung: Kleine Dinge erleichtern Alltag

Barrieren an unseren Hochschulen sind für viele unsichtbar. Für Studierende mit Behinderungen werden sie aber zu großen Hürden. Die Fachhochschule Dortmund verbessert daher die Studienbedingungen für blinde und sehbehinderte Studierende. Derzeit werden alle Räume am FH-Campus Emil-Figge-Straße in Blindenschrift gekennzeichnet.

Orientierung am Campus: FH-Inklusionsbeauftragte Prof. Dr. Stefanie Kuhlenkamp zeigt Rillen- und Noppenplatten als Beispiele auf dem Boden, die Blinden und Sehbehinderten helfen.
Orientierung am Campus: FH-Inklusionsbeauftragte Prof. Dr. Stefanie Kuhlenkamp zeigt Rillen- und Noppenplatten als Beispiele auf dem Boden, die Blinden und Sehbehinderten helfen.

„Die Orientierung am Campus ist ein ganz zentrales Problem“, erklärt Inklusionsbeauftragte Prof. Dr. Stefanie Kuhlenkamp. Aus ihren Sprechstunden weiß sie: Die Vielzahl kleiner Probleme macht den Studierenden den Alltag unnötig schwer. „Egal ob beim Bau oder der Beschilderung von Veranstaltungen – es wird einfach viel zu oft nicht an Menschen mit Beeinträchtigungen gedacht, obwohl es ganz leicht wäre, einen höheren Grad an Barrierefreiheit zu erreichen.“

Brailleschrift eingeführt

Die kleinen Punkte auf durchsichtiger Folie an den Türschildern fallen kaum ins Auge, bieten Sehbehinderten und Blinden aber wichtige Informationen. Bis zum Ende des Semesters sollen am FH-Campus alle Räume mit Brailleschrift gekennzeichnet sein. Lesen kann man in der Punktschrift dann neben der Raumnummer auch die Funktion des Raums (z.B. Hörsaal).

Auch in Brailleschrift kennzeichnet die Fachhochschule Dortmund ihre Räume.
Auch in Brailleschrift kennzeichnet die Fachhochschule Dortmund ihre Räume.

Gegenseitige Unterstützung

Das Bewusstsein für die Bedarfe behinderter oder chronisch kranker Studierender wachse an der FH stetig, stellt Ana-Maria Stankic fest. Seit zwei Semestern studiert die stark sehbehinderte Dortmunderin Soziale Arbeit an der Fachhochschule. Sie fühlt sich sehr gut aufgehoben, aber dennoch ist sie überzeugt: „An den Hochschulen im ganzen Land muss sich noch einiges bewegen.“ Lehrmaterialien seien teils nicht barrierefrei und es mangele auch noch an technischer Ausrüstung. Umso wichtiger sind unterstützende Maßnahmen. „Die individuelle Beratung an der FH ist zum Beispiel sehr wichtig für mich. Außerdem zeigen die Lehrenden eine große Offenheit und viele meiner Kommilitonen bieten mir den nötigen Rückhalt.“

Nur Mut zum Studium

Ins Studium gefunden hat Ana-Maria Stankic durch das NRW-TalentScouting an ihrer Schule. „Es ist ein großer Erfolg des Programms, auch für Menschen mit Behinderungen den Einstieg ins Studium zu erleichtern“, betont Professorin Kuhlenkamp. Ana-Maria Stankic möchte nach dem Abschluss als Sozialarbeiterin in der Behinderten- oder Jugendhilfe beratend tätig sein. Anderen möchte sie Mut machen, denn „auch wenn es viel Geduld braucht und man frühzeitig anfangen muss zu planen: Das Studium ist eine unglaublich große Bereicherung – und mit der Zeit findet sich jeder am Campus zurecht!“


gedruckt am: 18.06.2018  13:40