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veröffentlicht am:

  • 06.03.2018
Politik

Fachhochschule gegen Studiengebühren

Unsere Fachhochschule lehnt die Absicht der NRW-Landesregierung ab, Studiengebühren für Angehörige sogenannter Drittstaaten (Nicht-EU-Länder) einzuführen. Sowohl das Rektorat als auch der Senat haben eine entsprechende Resolution beschlossen, die sich gegen eine Vereinbarung von CDU und FDP im Koalitionsvertrag richtet.

Kritiker befürchten, dass Studiengebühren Studierende aus Drittstaaten abschrecken würden. Außerdem könnten Studiengebühren die Bemühungen um Internationalisierung erschweren und zu einem deutlichen Mehraufwand für die Verwaltung führen, der unverhältnismäßig wäre mit Blick auf die erwarteten Einnahmen.

Zitat: Absichtserklärung im Koalitionsvertrag

Laut Koalitionsvertrag will die NRW-Landesregierung zwar auf allgemeine Studiengebühren verzichten. Im Kapitel „Hochschulfinanzierung und Studienqualität“ heißt es aber auf Seite 19:

„Stattdessen werden wir Studienbeiträge für Studierende aus Drittstaaten einführen und uns am ,Baden-Württemberg-Modell‘ orientieren. Sogenannte Bildungsinländer werden bei der Erhebung von Studienbeiträgen ausgenommen. Ebenso werden Ausnahmen für Studierende aus Entwicklungsländern, für anerkannte Flüchtlinge und für Studierende mit besonderen sozialen Härten ermöglicht. Hierbei sollen auch entsprechende Stipendienprogramme zum Einsatz kommen. Die zusätzlichen Einnahmen des Landes werden den Hochschulen ungeschmälert zur Verbesserung der Studienbedingungen zur Verfügung gestellt.“


Gemeinsames Statement formuliert

Vor diesem Hintergrund haben die Leitungen der International Offices bzw. Akademischen Auslandsämter mehrerer Hochschulen eine Arbeitsgruppe gegründet, darunter auch die Fachhochschule Dortmund. Gemeinsam wurde ein Statement formuliert, das sich gegen mögliche Studiengebühren richtet. Neben unserer FH unterstützen das Statement auch die Rektorate, Präsidien und/oder Senate zahlreicher weiterer (Fach-)Hochschulen aus NRW.

Ob und wann die Landesregierung tatsächlich Studiengebühren einführen wird, ist derzeit noch unklar.

 


Statement der International Offices / Akademischen Auslandsämter

Die International Offices / Akademischen Auslandsämter der (Fach-)Hochschulen des Landes NRW lehnen die hochschulweite Einführung von Studiengebühren für internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern ab.

1. Die Einführung von Studiengebühren widerspricht unserer Ansicht nach dem politischen Willen zur Weltoffenheit

Die Höhe der geplanten Studiengebühren stellt für Studieninteressierte aus Drittstaaten eine hohe finanzielle Hürde dar, die ihnen den Zugang in das deutsche Bildungssystem noch weiter erschwert. Dieses Vorgehen widerspricht dem erklärten politischen Willen zur Internationalität und der propagierten Weltoffenheit.


2. Die Internationalität geht zurück
Die Einführung von Studiengebühren wird zum Rückgang der Einschreibzahlen von internationalen Studierenden führen. In Baden-Württemberg sank die Zahl der internationalen Erstsemester nach der Einführung der Studiengebühren. In NRW wurde diese Entwicklung bereits vor vielen Jahren nach der Einführung der Studienbeiträge festgestellt. Hochschulen, die auf Studiengebühren verzichtet hatten wie die Fachhochschule Düsseldorf, verzeichneten hingegen einen Anstieg an internationalen Erstsemestern.

3. Studiengebühren verschärfen die finanzielle Situation der internationalen Studierenden und führen zu längeren Studienzeiten
Die Erfahrungen, die die Hochschulen mit der Einführung von Studienbeiträgen gemacht haben zeigen: Studiengebühren führen dazu, dass die internationalen Studierenden sich noch mehr darauf konzentrieren, zu ihrem Lebensunterhalt im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten dazu zu verdienen. Das Studium leidet darunter. Verzögerungen führen dazu, dass noch häufiger aufgrund der ausländerrechtlichen Vorgaben die Höchstaufenthaltsdauer überschritten wird. Das Studium muss dann gezwungenermaßen abgebrochen werden. Die entsprechenden Quoten an den Hochschulen verschlechtern sich dadurch weiter.

4. Das Konzept der Internationalization@home wird in Frage gestellt
Die Anwesenheit internationaler Studierender auf dem Campus ermöglicht es regionalen Studierenden im Austausch interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, wenn ein Auslandsaufenthalt während des Studiums nicht durchgeführt werden kann. Die Bedeutung kultureller Vielfalt auf dem Campus wird durch den zu erwartenden Rückgang internationaler Studierender durch die Einführung von Studiengebühren geschmälert und herabgesetzt.

5. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der (Fach-)Hochschulen im Vergleich zu den Universitäten ist gefährdet
Die finanzstarken internationalen Studierenden aus Drittstaaten, die mit der Einführung von Studiengebühren gewonnen werden sollen, werden sich vorzugsweise an Universitäten in attraktiven Metropolen bewerben und gerade kleinere, in ländlichen Gebieten liegende (Fach-)Hochschulen meiden. Dies gefährdet das strategische Bemühen um Internationalität und Internationalisierung in der (Fach-)Hochschulausbildung.

6. Studiengebühren tragen nicht zur Verbesserung der Qualität des Studiums bei
Die fachliche Betreuung in den Fakultäten bzw. Fachbereichen und die allgemeine Betreuung durch die International Offices/die Akademischen Auslandsämter ist in den Fachhochschulen und Hochschulen bereits standardmäßig eingeführt. Es stehen Tutor*innen bereit und es gibt umfangreiche Mentoring-Programme. Die Qualität des Studiums hängt vom Betreuungs-schlüssel ab. Für die Einstellung zusätzlichen qualifizierten Personals für die fachliche Betreuung sind die Studiengebühren, die eine (Fach-)Hochschule erhielte, nicht ausreichend.

7. Die Bereitstellung von Studienplätzen für Bildungsausländer*innen aus Entwicklungsländern sind Entwicklungshilfeleistungen

Unter die sogenannten ODA-Leistungen (Official Development Assistance) fallen unter anderem die Studienplatzkosten für Studierende aus Entwicklungsländern. Die Geberländer haben sich zu einer ODA-Quote von 0,7 % des Bruttonationaleinkommens verpflichtet; Deutschland liegt schon heute mit 0,52 % unter dem Durchschnitt. Diese Quote wird durch den Rückgang der Studierenden aus Nicht-EU-Ländern sinken, wenn aufgrund der Studiengebühren diese Personen vor einem Studium in NRW zurückschrecken.

Wie sich an zahlreichen Einzelbeispielen belegen lässt, eignen sich viele internationale Studierende ganz gezielt Fachwissen an, da sie es in ihren Herkunftsländern nutzbringend einsetzen wollen.


8. Durch den Rückgang der Zahl internationaler Studierender im ersten Hochschulsemester reduzieren sich auch die Hochschulmittel
Die Lücke, die der Rückgang dieser Studierenden hinterlässt, kann aufgrund der allgemeinen demografischen Lage nicht durch regionale Erstsemester-Studierende ausgeglichen werden. Dies führt zwangsläufig zu einer weiteren Verschlechterung der Finanzierung der Hochschulen.

9. Der zu erwartende Verwaltungsaufwand steht in keinem Verhältnis zum finanziellen Ertrag für die Hochschulen.
Die Verwaltung der Gebühren, die Festsetzung bzw. Prüfung von Ausnahmetatbeständen und ggf. die Vergabe von Stipendien verursacht einen Bürokratieaufwuchs vor allem in den Studierendensekretariaten, den International Offices und den Finanzabteilungen. Angesichts des zu erwartenden Rückgangs der Einschreibungen müssen aufwändige Abläufe eingerichtet wer-den für einen zu erwartenden geringen Nutzen.

Fazit: Studiengebühren schaden den Internationalisierungsbestrebungen der (Fach-)Hochschulen
Sollte die Landesregierung an der Einführung der Studiengebühren festhalten, so sind die Fachhochschulen und Hochschulen in die Diskussion einzubeziehen. Wir plädieren dafür, dass die NRW-Hochschulen selbst entscheiden, ob sie Gebühren für Studierende aus Drittstaaten einführen wollen oder nicht.


gedruckt am: 16.07.2018  10:58