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veröffentlicht am:

  • 12.12.2017
Offene Fachhochschule

Andrang beim Thema Bildungsaufstieg

„Sind Türkeistämmige integrationsunfähig?“ Dies war der provokante Titel der zweiteiligen Diskussionsveranstaltung von Prof. Dr. Ahmet Toprak. An beiden Terminen war der Hörsaal so voll, dass einige sogar auf den Stufen sitzen oder stehen mussten. Kein Wunder, denn es kommt nicht oft vor, dass auf derart gelungene Art und Weise Perspektiven verschränkt werden: Wissenschaftlich fundiert und doch sehr persönlich – für die Redner, sowie für das Publikum.

Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (links) und Prof. Dr. Ahmet Toprak
Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (links) und Prof. Dr. Ahmet Toprak

„Ich mache solche Veranstaltungen regelmäßig, um auch ein Publikum anzusprechen, das nicht immer Zielgruppe von Hochschulen ist“, betont Toprak und trifft damit im Kern die Idee der Offenen Fachhochschule. „Wir möchten die Hochschule öffnen und transparenter machen.“ Bei ihrem Grußwort zum zweiten Teil „Toprak & El-Mafaalani“ am 7. Dezember betonte Prof. Dr. Katja Nowacki, Prodekanin des Fachbereichs „Angewandte Sozialwissenschaften“, die gute Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Praxis, wie dem Multikulturellen Forum, dem Planerladen und dem Dietrich-Keuning-Haus. Kooperationen, Praxisbezug, Alltagsrelevanz: „Die rege Beteiligung zeigt“, so Toprak, „dass das Angebot angenommen wird.“

Eine ganz besondere Begegnung

Zwei Professoren, die viel Medienaufmerksamkeit erregen und deren gemeinsame Vergangenheit den Abend besonders spannend machte: Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani und Prof. Dr. Ahmet Toprak widmeten sich – moderiert von Erkan Arikan – dem Thema „Integrationserfolge und Bildungsaufstieg von Migrantinnen und Migranten“. El-Mafaalani, Professor für Politikwissenschaft in Münster, lehrte viele Jahre an der Fachhochschule Dortmund. Mit Toprak verbindet ihn aber mehr: Im Rahmen seiner Doktorarbeit „Bildungsaufsteiger*innen aus benachteiligten Milieus“ (2012) diente ihm Toprak als „Forschungsobjekt“. Und auch bei der Veranstaltung der Offenen Fachhochschule veranschaulichte die Lesung aus Topraks Autobiographie „Auch Alis werden Professor“ El-Mafaalanis theoretische Reflexionen zum Thema.

Der sympathischste Aufsteiger-Typ

Anhand einer Matrix stellte El-Mafaalani vier verschiedene Typen von Aufsteigern vor und zeigte, inwiefern Toprak mit den spezifischen Herausforderungen für Migranten ganz besonders umgegangen ist. „Das Exemplar Toprak“, das steht für El-Mafaalani außer Frage, „gehört zu dem sympathischsten Aufsteigertyp: pragmatisch und inklusiv – eine äußerst unwahrscheinliche Kombination.“ Dass Toprak Erfolg hatte, liegt auch daran, dass nicht jeder Schritt geplant war. Planen können nämlich – so erklärt El-Mafaalani – nur Privilegierte. „Wer lernen musste, mit Knappheit zu leben, eignet sich andere Denkgewohnheiten an: kurzfristig, funktional und auf die Vermeidung von Unsicherheit ausgelegt.“ Genau mit dieser Art des Denkens muss man aber brechen, um aufsteigen zu können. Deshalb beruht ein Bildungsaufstieg – jenseits der vielen Hürden von außen – auch immer auf einem Kampf mit sich selbst.

Wie man Erfolg wahrscheinlicher macht

Oft habe er lachen müssen, aber manchmal sei ihm zum Weinen gewesen, beschreibt der Moderator Arikan seine persönliche Sicht auf Topraks Buch. Und im Hörsaal spiegelte sich diese Erfahrung: Es wurde schallend gelacht, aber gleichzeitig war Entrüstung über Topraks Erlebnisse mit Diskriminierung zu spüren. Die Probleme, die im Raum standen, betrafen viele Gäste persönlich. Das zeigten auch die Fragen und Rückmeldungen aus dem Publikum. Wie könnte die Situation verbessert werden? Diese Frage blieb offen. Aber einen Impuls gab es doch: Erfolg, so El-Mafaalani, werde nämlich wahrscheinlicher, wenn man sich von dem Gedanken der Begabung verabschiede. Es sei also förderlich eine Kultur zu entwickeln, die auf der Devise beruht: „Jeder kann es schaffen.“


gedruckt am: 18.09.2018  21:45