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veröffentlicht am:

  • 06.07.2017
TalentScouting

FH Dortmund fördert Talente am Stadtgymnasium

Bildungserfolg hängt in Deutschland noch immer sehr stark vom sozialen Status ab: So nutzen junge Erwachsene aus Nicht-Akademiker-Familien viel zu selten alle Bildungschancen, zu denen ihr Schulabschluss sie berechtigt. Mit dem TalentScouting will die Fachhochschule Dortmund ihren Beitrag dazu leisten, das zu ändern. Nun steigt auch das Stadtgymnasium offiziell mit ein.

Über die Kooperation freuen sich (v.l.): Julia Eberlein (FH-TalentScout), Y Nhi Ta (Talent), Cornelia von Soosten (FH-TalentScouting-Koordinatorin), Prof. Dr. Wilhelm Schwick (FH-Rektor), Bernhard Koolen (Schulleiter des Stadtgymnasiums), Moses Amadi (Talent) und Britta Janßen (Individuelle Förderung und Ansprechpartnerin in der Schule).
Über die Kooperation freuen sich (v.l.): Julia Eberlein (FH-TalentScout), Y Nhi Ta (Talent), Cornelia von Soosten (FH-TalentScouting-Koordinatorin), Prof. Dr. Wilhelm Schwick (FH-Rektor), Bernhard Koolen (Schulleiter des Stadtgymnasiums), Moses Amadi (Talent) und Britta Janßen (Individuelle Förderung und Ansprechpartnerin in der Schule).
Am 5. Juli 2017 unterzeichneten Bernhard Koolen, Schulleiter des Stadtgymnasiums, und Prof. Dr. Wilhelm Schwick, Rektor der FH Dortmund, die Kooperationsvereinbarung, mit der sich beide Partner dem gemeinsamen Motto „Talente finden, fördern und begleiten“ verschreiben.

Am Stadtgymnasium begleitet Julia Eberlein, eine von drei TalentScouts der FH, seit November 2016 talentierte Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg von der Schule in die Hochschule oder in eine Berufsausbildung. Neben individuellen Förderangeboten spielen regelmäßige, ergebnisoffene Coachinggespräche dabei eine zentrale Rolle. Wie zum Beispiel bei Y Nhi Ta. Die 17-jährige Schülerin ist ein Improvisationstalent, das sie gern im Bereich Medien einsetzen möchte. Gemeinsam mit dem TalentScout sucht sie nach Perspektiven im kreativen Bereich. Julia Eberlein: „Die Entscheidung, ob Y Nhi ein Studium anstrebt oder eine Berufsausbildung beginnt, liegt allein bei ihr. Ich begleite sie auf dem Weg, für den sie sich entscheidet. Da ist es nebensächlich, dass ich von der FH Dortmund komme.“

Moses Amadi (16) zeigt besonderes soziales Engagement und wurde zum stellvertretenden Schülersprecher gewählt. Außerdem ist er ein sportliches Talent. Ob und wie er dieses Talent auch in seiner beruflichen Entwicklung in den Mittelpunkt stellen will – bei den Überlegungen unterstützt das Talent-Scouting. „Damit ist Moses ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass wir bereits in den 10. Klassen ansetzen: Bis er seinen Abschluss macht, hat er noch genügend Zeit, verschiedene Ideen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen“, begründet Cornelia von Soosten als Koordinatorin des TalentScouting an der FH Dortmund den langfristigen Ansatz.

Und letztlich profitiert die ganze Schule. „Wir Lehrkräfte gewinnen einen neuen Blick auf unsere Schülerinnen und Schüler, wenn wir deren Leistungen im Kontext sehen und nicht ausschließlich auf die Schulnoten fokussieren“, berichtet Britta Janßen, die am Stadtgymnasium im Bereich Individuelle Förderung tätig ist. Sie ist erste Ansprechpartnerin in der Schule und übernimmt auch die Terminplanung der TalentScouting-Gespräche. Und auch Schulleiter Bernhard Koolen bestätigt: „Die individuelle Förderung liegt uns sehr am Herzen. Dabei liegt der Charme dieses Konzeptes darin, dass es weniger defizitorientiert ist, sondern individuelle Förderung als Förderung von Stärken von Schülerinnen und Schülern begreift. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zur Schulentwicklung.“

FH-Rektor Prof. Dr. Wilhelm Schwick sieht die Zusammenarbeit mit den Schulen als wichtigen Baustein für die FH Dortmund, die sich als Hochschule in der Region und für die Region versteht. Mit dem Stadtgymnasium hat er aber auch eine ganz persönliche Verbundenheit: „Dass unsere FH so gut mit dem Stadtgymnasium kooperiert, freut mich auch persönlich besonders, weil meine eigenen Kinder hier zur Schule gegangen sind bzw. ein Sohn noch auf das Stadtgymnasium geht.“


Zum Projekt TalentScouting:

In Deutschland entscheiden oftmals nicht die Fähigkeiten über den Bildungsweg, sondern die familiären Hintergründe: Während 77 Prozent aller Akademikerkinder studieren, beträgt dieser Anteil bei Kindern aus Nichtakademiker-Familien nur 23 Prozent. Wer in weniger privilegierten Verhältnissen aufwächst, vertraut seltener auf die eigenen Stärken und lässt trotz guter Noten vorhandene Aufstiegschancen ungenutzt.

An dieser Stelle setzt das Projekt TalentScouting an, das ursprünglich von der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen entwickelt wurde und vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung in NRW auf mittlerweile 17 Hochschulen ausgeweitet wurde.