Sie befinden sich hier: FachbereicheDesignFotoband

Weitere Informationen

Feedback

Kontakt

zuletzt geändert am:

  • 12.05.2017
Fotoband

Quer durch – Deutschland von West nach Ost

Dirk Gebhardt, Bildjournalist und Professor am Fachbereich Design, machte sich auf Schusters Rappen auf den Weg vom westlichsten zum östlichsten Punkt Deutschlands. Die Antworten auf seine Frage „Wie leben die Deutschen?“ sind Anfang Mai als Fotoband erschienen.

Visuelle Geschichten: Zwei Szenen aus dem Fotoband
Visuelle Geschichten: Zwei Szenen aus dem Fotoband

Im 25. Jahr der Wiedervereinigung ist der Bildjournalist Dirk Gebhardt in elf Etappen von Isenbruch im Westen nach Zentendorf im Osten gewandert. Angetrieben hat ihn die Erkenntnis: „Ich habe viele Geschichten aus fremden Ländern erzählt, weiß aber eigentlich gar nicht, wer die Deutschen sind.“ Auf seiner Tour legte er an 44 Tagen rund 780 Wanderkilometer zurück und hatte damit reichlich Gelegenheit, seine Landsleute kennenzulernen.

Der visuelle Geschichtenerzähler traf Menschen jeglicher Couleur: Mönche, Förster, Heimatforscher, Landärzte, Ziegenhirten, Leute, die in Bauwagen leben, Bürgermeister, Künstler, Flüchtlinge und Landwirte. Übernachten konnte er bei ihnen im Gästezimmer, im Wohnwagen, auf der Empore des Museums oder in der Jagdhütte. „Es war nicht mein Anspruch, umsonst von West nach Ost zu kommen. Aber ich habe bewusst auf die Gastfreundschaft der Menschen gesetzt, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Und das hat gut funktioniert.“ Aufmerksam und empathisch beobachtete er das Alltagsleben der Menschen, ihre Hoffnungen, Zweifel und Wünsche, die Begegnungen hielt er mit seiner Kamera fest. Entstanden ist eine „Sozial“-Reportage über die „Conditio Humana“ der Deutschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts in mehr als 180 Fotos.

Sehr regional verortet

Wie hat er das Wesen der Deutschen erlebt? „Die Menschen sind sehr regional verortet, alle 50 Kilometer gibt es einen neuen Dialekt und ein anderes regionales Bewusstsein“, sagt Dirk Gebhardt, natürlich gebe es auch Unterschiede zwischen Ost und West. Überrascht hat ihn, dass die meisten Klischees sich nicht bewahrheiteten. „Ich war erstaunt darüber, wie viele sehr engagierte Menschen mir begegnet sind, die sich um ihr soziales Umfeld bemühen, um alles, was ihnen wichtig ist: die Familie, die Umwelt, den Dorfplatz, den Verein.“

Die Begegnungen auf der Reise zum Silberjubiläum der Wiedervereinigung waren meist spontan und zufällig, gelegentlich aber auch angebahnt, etwa der Besuch der Leuna-Werke südlich von Halle.

Journalist als Begleiter

An der Seite von Dirk Gebhardt wanderte der Journalist Jörg-Christian Schillmöller, der für den Deutschlandfunk einmal im Monat von den Etappen berichtete. So wurden die zwei Wandersleute  mitunter auch gezielt angesprochen: Kommt doch auch bei uns vorbei!

Das aus der Reise erwachsene Buch ist gleichermaßen ein Fotoband, ein Roadmovie, eine Sozialstudie, ein Reiseführer durch die Mitte Deutschlands sowie eine Hommage an die Menschen, denen der Autor während seiner Wanderung begegnete.

 


Zur Person

Dirk Gebhardt, geboren 1969 in Köln, studierte Grafikdesign in Amsterdam und Fotografie an unserer Fachhochschule. Er arbeitet seit 1999 als freischaffender Fotograf, unter anderem für Stern, Spiegel, Time Magazine, El Pais und Unicef. Seit 2010 ist er Mitglied der Fotoagentur laif, Köln. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Otto-Steinert-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Seit 2011 unterrichtet er als Professor für Bildjournalismus an unserer FH.

Bibliographische Angaben: Quer durch. Deutschland von West nach Ost, 280 Seiten, NIMBUS 2017, ISBN 978-3-03850-034-6


gedruckt am: 14.12.2018  07:28