FH-Interview

Prof. Dr. Sachweh: „QuartiersNETZ stößt auf breites Interesse“

Prof. Dr. Sabine Sachweh, Software-Technikerin am Fachbereich Informatik, leitet als Verbund-Koordinatorin das interdisziplinäre Forschungsprojekt QuartiersNETZ, das sich Fragestellungen im Kontext des demographischen Wandels widmet. Unterschiedliche Partnerinnen und Partner tragen dazu bei, das Ruhrgebiet zu einer innovativen Dienstleistungsregion des langen, selbstbestimmten Lebens auch im Alter zu machen. Unsere FH-Online-Redaktion hat Sabine Sachweh nach dem jüngsten Arbeitsgruppentreffen in der Projektstadt Gelsenkirchen befragt.

Frau Sachweh, auf welche Resonanz stößt das QuartiersNETZ bislang bei den Bürgerinnen und Bürgern?

Wir sind über die große Resonanz wirklich froh! QuartiersNETZ stößt auf breites Interesse bei Bürgern, Dienstleistern und Institutionen in Gelsenkirchen und auch in Fachkreisen! Wir schließen da eine Lücke. Viele Menschen erkennen damit jetzt ihre Chance, die eigene Zukunft vor Ort aktiv mitzugestalten. Und so beteiligen sie sich engagiert an den Prozessen in den vier Modell-Quartieren. Bei den Quartierstreffen und Teilprojektgruppen erreichen wir regelmäßig 40 bis 80 Menschen und bei den stadtweiten QuartiersNETZ-Konferenzen sind es sogar 130 bis 200 Menschen. Das ist heutzutage ganz schön ungewöhnlich. Auch Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski unterstützt das Projekt und kommt regelmäßig dazu.

Und wie funktioniert die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Projekts?

Das wird auch bundesweit vom Projektträger interessiert verfolgt und ist ein Kernpunkt all unserer Entwicklungen. Wenn Technik Menschen nutzen soll, dann muss sie bedarfsgerecht gestaltet sein. Ein interdisziplinärer Arbeits- und Forschungsprozess erfordert immer eine Annäherung von allen Seiten, da jede Fachrichtung aus einer sehr spezifischen Perspektive auf einen Sachverhalt blickt. Das führt soweit, dass jede Fachrichtung quasi ihre eigene Sprache spricht. Informatiker und Angewandte Sozialwissenschaftler verstehen so zum Beispiel unter dem Begriff „Netzwerk“ zuerst einmal etwas völlig anderes, eben technologisch oder beziehungsmäßig. Jeder denkt aber, dass der andere mit dem gleichen Wort auch das gleiche meint. Und dabei ist das Problem, eine gemeinsame Sprache zu finden, nur die erste der zu nehmenden Hürden. Wir lernen alle fortwährend dazu, uns zu verständigen und daraus dann wieder für die Menschen einen großen Nutzen zu ziehen. So bringen wir ja auch sich stark ergänzende, völlig unterschiedliche Ressourcen ein und das hilft den Projektzielen.

Welche Zwischenergebnisse haben Sie schon erreicht?

Wir haben bereits einiges erreichen können! Menschliche, fachliche und technische Netzwerke sind im Aufbau weit fortgeschritten, Bedarfsanalysen sind gemacht und liefern Input für den weiteren Projektverlauf. Die Menschen, Dienstleister und Institutionen vor Ort bringen sich aktiv und sehr interessiert ein, beispielsweise bei der Entwicklung unserer ortsspezifischen digitalen Plattformen. Davon gibt es jetzt schon einen Prototypen, der von den Älteren beim großen AG-Treffen erfolgreich angenommen wurde. Ebenso schreitet die Entwicklung von Interaktions- und Kommunikations-Medien voran, die eine individuelle Bedienung der häuslichen Umgebung auch unterschiedlicher Geräte aus einer Hand ermöglicht. Ziel ist es ja, mit Hilfe von Dienstleistungen, Softwaretechnik, Geräten und menschlichen Netzwerken ein langes und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu erreichen. Wir sehen jetzt, dass wir gut vorankommen!

Welche Herausforderungen liegen im weiteren Projektverlauf noch vor Ihnen?

Wir haben uns natürlich hohe Ziele gesetzt und die wollen wir auch erreichen! Mit 6,8 Millionen Euro Fördervolumen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für vier Jahre ist das QuartiersNETZ an unserer FH das bisher größte Drittmittelprojekt. Dieses Vertrauen wollen wir bestätigen! Dazu wollen wir weiter in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den älteren Menschen als „Ko-Produzenten“ bedarfsgerechte Lösungen entwickeln und anwendbar machen. Die verschiedenen Funktionen unserer Netzwerke sollen durch eines unserer sieben spezifischen Teilprojekte auch so mit Wirtschaft und Institutionen verbunden werden, dass dabei tragfähige Geschäftsmodelle entstehen. Ein wesentliches Ziel ist es, Modelle zu schaffen, die auch nach dem Ende der Bundesförderung im Oktober 2018 eigenständig weiterlaufen. Wer solche Projekte und Abläufe kennt, weiß, dass es sich dabei um ein ambitioniertes Vorhaben handelt.

 


Über das QuartiersNETZ

Mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt „QuartiersNETZ“ ist die FH Dortmund im November 2014 gestartet. Projektpartner für die gemeinsame Gestaltung des demographischen Wandels sind die Stadt Gelsenkirchen, das Institut für Gerontologie der Universität Vechta, der Caritasverband Gelsenkirchen, das Forschungsinstitut Geragogik e.V. in Düsseldorf, das Generationennetz Gelsenkirchen e.V. sowie zwei IT-Unternehmen. Über einen Zeitraum von vier Jahren geht es darum, durch die gezielte Zusammenarbeit in regionalen Netzwerken sowie durch den Aufbau digitaler Netzwerke die Lebensqualität der Menschen im Wohnquartier bis ins hohe Alter zu verbessern. Weitere Informationen: www.quartiersnetz.de