US-Award für Abschlussfilm

Unter dem Titel „A Lost Heaven“ hat Tobias Bieseke einen Kurzfilm gedreht, der nicht nur seine Prüfer für den Bachelor-Abschluss an der FH Dortmund überzeugte – sondern auch die Jury beim internationalen Festival „Cutting Edge“ in Florida: Dort sicherte sich Bieseke mit seinem Team Anfang Dezember den diesjährigen Award für den besten spirituellen Beitrag.

Fünf Monate schrieb Bieseke am Drehbuch, am Ende umfasste es 14 Seiten. Insgesamt hat sein Werk eine Länge von 17 Minuten, in denen er das Publikum hineinzieht in ein ungewöhnliches filmisches Erlebnis. Das beginnt schon ziemlich speziell mit den Vorzeichen eines drohenden Untergangs, denn die Welt ist im Wandel: Die Erdrotation verlangsamt sich deutlich, Tage und Nächte scheinen endlos, die Ressourcen werden knapp. Die Menschen isolieren sich, sie verlieren Hoffnung und Moral. Eines Nachts kreuzen sich die Wege dreier Frauen und eines kleinen Jungen an einer verlassenen Tankstelle. Und dort beobachten sie am Himmel, wie fallende Sterne zu einem Meer von Sternschnuppen werden.

„Um den Tod zu überwinden, muss der Mensch in der Lage sein, die Unendlichkeit zu denken“, kommentiert Bieseke seine Idee hinter dem surrealen Geschehen, das mit den Grenzen der Vorstellungskraft spielt und keiner typischen Filmhandlung folgt.

Stillgelegte Tankstelle als Kulisse

Die Grundlagen für „A Lost Heaven“ hatte Bieseke in einem Science-Fiction-Seminar von Professor Fosco Dubini erarbeitet. Konzeptionell unterstützt von seinen Mitstudierenden Irena Heckmann und Christoph Baur, machte er sich danach an die Umsetzung: Eine stillgelegte Tankstelle in der Eifel im Grenzbereich zu Belgien diente als zentrale Kulisse, die sie mit einem eigenen Stromaggregat beleuchten mussten. „Allein für die Drehgenehmigung hatten wir mehrere Wochen lang verhandelt“, berichtet Bieseke, der mit einem 19-köpfigen Team für sechs Tage anreiste, selbst die Regie übernahm und später den Schnitt. Um den Sternenhimmel im Film darzustellen, verwendete er Teleskop-Bildmaterial aus der Dortmunder Sternwarte im Westfalenpark.

Für die Szenografie, also die Ausstattung von „A Lost Heaven“, zeichneten die Raum- und Objekt-Studentinnen Lena Wesholowski und Aleksandra Gnielka verantwortlich. Das Sounddesign übernahmen die Studierenden Manuel Krusy, Michael Nguyen und Valerie Quade in einem Seminar von Professor Jörg Lensing.

Auszeichnung als Türöffner

Mehrere Festivals haben „A Lost Heaven“ inzwischen schon gezeigt, unter anderem das Essener „Videorodeo“. Ein wichtiger Türöffner für weitere Projekte ist die jüngste Auszeichnung als bester spiritueller Film beim Festival „Cutting Edge“ in Florida (Pampano Beach): „Es hat den Grundsatz, besonders innovative und avantgardistische Arbeiten zu fördern. In unserer Kategorie waren drei weitere Filme nominiert“, erläutert Bieseke, der als nächstes für seinen Master-Abschluss an der FH Dortmund einen historischen Spielfilm realisieren will.


gedruckt am: 20.10.2018  17:49