AGORA gegen Lehrkräftemangel an Berufsschulen

Seit 2006 und noch bis 2020 sind in NRW an öffentlichen und privaten Schulen voraussichtlich rund 85.000 Lehrer-Stellen neu zu besetzen. Vor allem die Jobchancen für Lehrkräfte an Berufskollegs sind exzellent – mindestens bis 2025 gibt es in der Ausbildung der Metall-, Elektro- und Bauberufe einen erheblichen Lehrermangel. Aufgrund dieser verschärften Situation auch an Berufskollegs in NRW hat die Fachhochschule Dortmund gemeinsam mit der Universität Siegen und weiteren Hochschulpartnern ein Modell entwickelt, in dem sich die Studierenden zweifach qualifizieren können – zunächst als Bachelor in einem ingenieurwissenschaftlichen Studienfach an der Fachhochschule und anschließend als Master of Education für das Lehramt am Berufskolleg an der Universität Siegen.

Seit Beginn des Sommersemesters 2015 können Studierende der FH Dortmund im Fachbereich Maschinenbau in diese Doppelqualifizierung einsteigen. Um den Übergang in das lehramtbezogene Master-Studium an der Universität Siegen reibungslos zu gestalten, bietet die FH Dortmund bereits im Bachelorstudium zusätzliche fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Lehrveranstaltungen an. „Wir sind stolz, unseren Studierenden mit dem Lehramts-Master eine weitere attraktive Berufsperspektive bieten zu können“, freut sich Prof. Dr. Wilhelm Schwick, Rektor der Fachhochschule Dortmund. „Und dass wir damit zudem helfen, dem Fachkräftemangel in der Region entgegen zu wirken, indem wir für den schulischen Teil der dualen betriebliche Ausbildung gute Köpfe für das Lehramt motivieren, ist ein wichtiger Doppel-Effekt“, unterstreicht Gerd Erdmann-Wittmaack, Prorektor für regionale Einbindung an der FH Dortmund.

Um die regionale Wirtschaft mittel- bis langfristig wettbewerbsfähig zu halten, bedarf es zukünftig nicht nur einer akademisch ausgerichteten Fachkräftestrategie. Vielmehr muss der regionalen Wirtschaft mittelfristig ein adäquates Angebot aller beruflichen Qualifikationen zur Verfügung stehen. Deshalb schreibt Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, den Berufskollegs und der damit einhergehenden Lehrerausbildung eine wichtige Rolle zu: „„Ich begrüße die Landesinitiative AGORA und den Schulterschluss der Universität Siegen mit der Fachhochschule Dortmund außerordentlich. Das Ziel, auch langfristig den Bedarf an Lehrkräften in den Berufskollegs am Standort zu sichern, ist für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sowie für die Attraktivität der Region von großer Bedeutung. Die Umsetzung der Landesinitiative AGORA am Standort Dortmund ist somit ein weiterer echter Heimvorteil.“

Zu jedem Lehramtsstudium gehören auch Praxiselemente. Als Partner der FH Dortmund bieten die gewerblich-technischen Berufskollegs den Studierenden die Möglichkeit, verpflichtende Praxiselemente wie z.B. das Eignungspraktikum zu absolvieren. Klaus Manegold, Leiter des Robert-Bosch-Berufskollegs und Projektleiter des Regionalen Berufsbildungszentrums: „Wir brauchen an den Berufskollegs dringend gut ausgebildete Lehrkräfte, ganz besonders, wenn sie über einschlägige Berufserfahrungen verfügen.“ Um den Status Quo an Lehrkräften in den Berufsfeldern Metall-, Elektro- und Informationstechnik in Nordrhein-Westfalen halten zu können, müssen ca. 70 Lehrkräfte mit der beruflichen Fachrichtung Metalltechnik und ca. 50 Lehrkräfte mit Elektrotechnik jährlich eingestellt werden.

Durch die enge Kooperation der Fachhochschule Dortmund, der Universität Siegen, dem Regionalen Berufsbildungszentrum und der Wirtschaftsförderung Dortmund entsteht ein hervorragendes Netzwerk zur Unterstützung der Lehrerausbildung für berufsbildende Schulen in der Region.


gedruckt am: 20.08.2017  17:21