Typografie: Zum Anbeißen schön

„Zum Anbeißen schön“ präsentiert sich die neue Ausstellung „Illustrative Typografie aus Lebensmitteln“ in der Galerie des Fachbereichs Design. Mehr als 60 Studierende der Studienrichtung Design Medien Kommunikation haben angerichtet: Serviert werden Alphabete aus Lebensmitteln – frei nach dem Motto „alles, was man essen kann“.

In diesem Fall isst vor allem das Auge mit: Das Buffet besteht aus einem üppigen Angebot von mehr als 1000 Buchstaben und Ziffern. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: von Obst und Gemüse über Hähnchenflügel und Schweinerippchen bis hin zu Trockenfisch und Heuschrecken – abgebildet auf mehr als 1000 Fotografien.

„Alles, was man essen kann“, ist dabei durchaus relativ und abhängig vom jeweiligen Kulturkreis. Hadijah Nassanga aus Uganda hat zum Beispiel ein Alphabet aus Grashüpfern beigesteuert: „Knackig in der Pfanne geröstet, sind die in Uganda eine Delikatesse“, sagt sie. Ebenfalls dabei: Die Schrift „United Hands“, hinter der sich die auf den Philippinen beliebten Hahnenfüße verbergen. Kathrin Knospe dagegen steht eher auf Honig oder Marmelade. Sie mischte drei Honig-Varianten, um die gewünschte Konsistenz und Struktur zu bekommen. Die Schrift-Unikate sind alles, nur nicht langweilig, wie zum Beispiel „Granny’s Candy“, ein Alphabet direkt aus Omas Arzneischränkchen, die grüne „Cressetica“ aus dem Blumenkasten oder die Brotschrift (Black) von Christopher Badde aus völlig verbranntem Toastbrot. „Sardinia“, „Tipo di Parma“, „Crabta“ oder „Petersilia (light)“ lassen ahnen, worum es hier geht.

Die Studierenden werkelten mit Küchenmesser, Bratpfannen, Skalpellen und vielen anderen Werkzeugen, um die Buchstaben aus den manchmal widerspenstigen Materialien zu erarbeiten. Alle verwendeten Lebensmittel sind echt – bis auf eine Ausnahme: Ausgerechnet als überzeugter Vegetarier entschied sich Marcel Richard für ein Schnitzel-Alphabet, für die er Haushaltsschwämme panierte und in der Pfanne anbriet.

„Wir wollten den Studierenden einmal einen ganz anderen Zugang zur Typografie ermöglichen“, sagt Prof. Johannes Graf, der gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dieter Ziegenfeuter die Studierenden betreute. Auch an einem lebendigen Thema könne man viel lernen, vom richtigen Blickwinkel, über Licht und Schatten bis zur Komposition eines Bildes. Die Idee für das Semesterthema kam den beiden Professoren übrigens – wie könnte es anders sein – beim Essen.

Wer Appetit aufs Anschauen bekommt: Die Ausstellung „Illustrative Typografie“ läuft vom 24. Oktober bis zum 16. November, 9 bis 16 Uhr, in der Galerie des Fachbereichs Design am Max-Ophüls-Platz 2.


gedruckt am: 20.09.2017  13:16