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ebiss

Das DFG-Projekt eyetrackingbasiertes Interaktionsmanagement synchroner Schriftkommunikation (ebiss) konzipiert und erprobt Blickbewegungsverfolgung (engl. Eyetracking) als Basis eines innovativen Interaktionsmanagements und der Aufmerksamkeitserregung für synchrone Schriftkommunikation.

Ausgangspunkt des Projektes ist die Beobachtung, dass Kommunikationssysteme zur Unterstützung synchroner, schriftlicher Kommunikation etabliert und trotz vielfältiger Alternativen wie Videokonferenzsysteme weit verbreitet im Einsatz sind. Oft ergeben sich Probleme im Ablauf der Interaktion, da Teilnehmer jederzeit und insbesondere auch parallel schreiben können. Aus dem mündlichen Gespräch bekannte Konventionen und vielfältige implizite Signale, die die Teilnehmer miteinander austauschen, finden in synchroner, schriftlicher Kommunikation nur teilweise Anwendung. Bei synchroner Schriftkommunikation fehlen diese Hinweise und es entsteht eine Kommunikationssituation, in der neue Regeln für die Interaktion etabliert werden müssen.

Eine Möglichkeit, das Interaktionsmanagement des mündlichen Gesprächs auch in synchroner Schriftkommunikation zu etablieren, ist die Erweiterung der technischen Systeme mit dem Ziel, den Teilnehmern fehlende Informationen bereitzustellen und umfassendere Möglichkeiten der Interaktion zu bieten.

Eyetracking, also die Aufzeichnung, Auswertung und Rückspiegelung von Blickbewegung der Kommunikationspartner, stellt im Anwendungsfall der synchronen Schriftkommunikation einen zusätzlichen Kanal zur Übertragung menschlicher Handlungen dar, um das Interaktionsmanagement zu unterstützen.

Die Auswertung und Rückspiegelung der Blickbewegungsdaten bezieht aus der Linguistik entwickelte Kommunikationsmuster mit ein. Kommunikationsmuster beschreiben einen strukturierten Ablauf von Kommunikationsprozessen. Die Ziele des Vorhabens liegen also zum einen in der Analyse der Besonderheiten des Interaktionsmanagements in synchroner, schriftlicher Kommunikation, und ausgehend davon in der Entwicklung von validierten Gestaltungsempfehlungen für eyetrackingbasierte Kommunikationstools. Diese Grundlagenforschung ist vor dem Hintergrund des sich aktuell stark verbreitenden Einsatzes der Eyetracking-Hardware von großem Interesse.

In zwei Laborstudien wurden unterschiedliche Darstellungsvarianten der Blickbewegungsdaten evaluiert. Dabei konnte gezeigt werden, dass sich die Probandinnen und Probanden durch die Rückspiegelung der Blickdaten in ihren Beiträgen tendenziell eher aufeinander beziehen und sich damit eine höhere Konvergenz in der Kommunikation einstellt.