Argumente pro Bachelor und Master

Die Intentionen und Zielsetzungen, die der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zugrunde liegen, sind vielfältiger Natur. Infolgedessen sind die von Seiten der Hochschulen, der Studierenden, der Arbeitgeber und der Politik an die Studienstrukturreform geknüpften Erwartungen je nach Perspektive auch nicht immer deckungsgleich. Dennoch herrscht inzwischen bei den Motiven, die für eine konsequente Umstellung auf die neuen Abschlüsse sprechen, insgesamt ein vergleichsweise hohes Maß an Übereinstimmung. Idealtypisch lassen sich folgende Argumente für die Einführung der gestuften Studiengänge anführen:

Internationalisierung und Mobilität
Eine Umstellung auf die international gebräuchlichen Abschlussgrade in Verbindung mit der Modularisierung der Studienprogramme und der Einführung eines ECTS-kompatiblen Leistungspunktsystems fördert die Mobilität der Studierenden, indem die Anerkennung von Studienleistungen sowohl bei einem Studienwechsel innerhalb Deutschlands als auch bei Aufnahme eines Studiums im Ausland oder der Bewerbung auf dem internationalen Arbeitsmarkt erleichtert wird. Zugleich werden deutsche Studienangebote für Studierende aus dem Ausland transparenter und attraktiver.

Angebotsvielfalt
Die den Hochschulen eingeräumten Gestaltungsfreiräume bei der Konzipierung neuer Studiengänge fördert die curriculare Vielfalt und die Möglichkeit zur Profilierung der einzelnen Hochschulen in Deutschland. Interdisziplinäre Studienangebote und Spezialisierungsmöglichkeiten im Bereich der Masterprogramme – entweder direkt im Anschluss an einen Bachelorstudiengang oder nach einer Zeit der Berufstätigkeit – führen zu einer Differenzierung und bedarfsgerechteren Ausprägung des Studienangebots. Ein umfangreicheres Teilzeit- oder berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot ermöglicht eine Flexibilisierung von Lern-, Lebens- und Berufswegen, indem es neuartige Kombinationen individueller Studien- und Berufswege eröffnet.

Berufsqualifizierung
Sowohl der Bachelor als auch der Master sind laut HRG berufsqualifizierende Abschlüsse. Da der berufsbefähigende Charakter eines Studiengangs (Employability) im Zuge des Akkreditierungsverfahrens nachgewiesen werden muss, sind die Hochschulen gehalten, die Vermittlung berufsfeldorientierter Schlüsselqualifikationen bei der Entwicklung von Studiengängen zu berücksichtigen. Bei dem Thema Employability geht es weniger um die Zuordnung konkreter Berufsbilder – zumal die Prognosen über den Arbeitsmarkt in qualitativer und quantitativer Hinsicht ohnehin immer schwieriger werden –, sondern um ein Mindestmaß an Verbraucherschutz für die Studierenden sowie um eine Abstimmung zwischen den Interessen der Studierenden und den Anforderungen des Arbeitsmarktes.

Inhaltliche Studienreform
Die curriculare Neukonzeption im Zuge der Modularisierung bietet die Chance, nicht nur die Studieninhalte, sondern auch die Art ihrer Vermittlung einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Studienangebote können entschlackt, die Stringenz des Studienablaufs verbessert, die Vermittlung von fachübergreifenden Kenntnissen und Schlüsselqualifikationen in das Studium integriert oder das Angebot an Wahlmöglichkeiten für die Studierenden erweitert werden. Zugleich führt die obligatorische Einführung eines ECTS-kompatiblen Leistungspunktsystems, das sich am studentischen Arbeitsaufwand (student workload) und nicht an Semesterwochenstunden orientiert, zu transparenteren und realistischeren Studiengangkonzeptionen und verbessert damit die Studierbarkeit der Programme.

Verkürzung der Studienzeit
Die Einführung eines Leistungspunktsystems (ECTS) beinhaltet die Berücksichtigung des studentischen Arbeitsaufwandes (student workload) bei der Gestaltung von Studiengängen. Hierdurch lässt sich die derzeitige Diskrepanz zwischen vorgesehener Regelstudienzeit und realer Studiendauer verringern. Zugleich erleichtert das kompatible Leistungspunktsystem auch die Anerkennung von bereits erbrachten Studienleistungen und minimiert auf diese Weise zeitraubende Wiederholungen bei einem Studienwechsel. Darüber hinaus ermöglicht die Praxis studienbegleitender Prüfungen eine bessere Kontrolle des eigenen Studienerfolges. Das führt zu einer Verringerung der in herkömmlichen Prüfungssystemen verbreiteten Gefahr eines späten Studienabbruchs unmittelbar vor der Prüfungsphase. Auch der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss verringert die Gefahr eines vorzeitigen Studienabbruchs, denn Studierende,  die sich für einen rascheren Einstieg in das Berufsleben entscheiden, können in der Regel bereits nach sechs Semestern ihr Studium beenden, ohne sich damit der Möglichkeit zu berauben, zu einem späteren Zeitpunkt ein Masterstudium aufzunehmen.

Durchlässigkeit
Für Fachhochschulen und an ihnen eingeschriebene Studierende ergibt sich aus der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ein besonderer Vorteil, da mit ihr die Durchlässigkeit zwischen den Hochschularten einhergeht. Bachelor- und Masterabschlüsse von Fachhochschulen und Universitäten verleihen grundsätzlich die gleichen Berechtigungen. Der Master an Fachhochschulen berechtigt folglich zur Promotion. Für FH-Masterstudiengänge, die den Zugang zu den Laufbahnen des höheren Dienstes ermöglichen sollen, muss allerdings im Rahmen des Akkreditierungsverfahrens die Eignung des Studienprogramms gesondert festgestellt werden.