Der Internationale Frauentag…

Aus Anlass des Internationalen Frauentags am 8. März verteilt das Gleichstellungsbüro seit einigen Jahren die traditionellen roten Nelken an die Studentinnen und weiblichen Beschäftigten und dazu jährlich wechselnde Informationen. Als international ausgerichtete Hochschule geht es thematisch immer um die Frauen in aller Welt. 2011 bis 2017 stellten Studentinnen Informationen aus ihren Heimatländern zusammen, die dann in einem Faltblatt veröffentlicht wurden.

2018 jährt sich in Deutschland zum 100. Mal die Einführung des Wahlrechts für Frauen. Aus diesem Anlass stellen wir in diesem Jahr eine der Parlamentarierinnen der ersten Stunde vor: die aus Dortmund-Hacheney stammende Hedwig Dransfeld. In den kommenden Jahren werden wir immer eine Frau aus einem anderem Land vorstellen: Einflussreiche Frauen der Vergangenheit, die in ihren jeweiligen Ländern berühmt geworden sind und in der Zwischenzeit entweder vergessen worden sind oder deren Verdienste weiterhin in Bewusstsein sind.

Alle Menschen mit nicht-deutschen Wurzeln bitten wir um Vorschläge und Ideen für 2019 und die folgenden Jahre.

Hier sind die Gewinnerinnen der Verlosung anlässlich unserer 8.-März-Aktion zu Hedwig Dransfeld

Die Gleichstellungskommission hat in ihrer Sitzung am 11.04. die Gewinnerinnen gezogen:

Mit Macht zur Wahl (Buch): Vera Pleßer, Transferstelle

Qual der Wahl (Gutschein für ein Essen): Sarah Neubert, Dezernat Finanzen

Gewa(h)ltig komische Bewegtbilder (DVD): Tatjana Martel (Studentin)

Herzlichen Glückwunsch!


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Zum Internationalen Frauentag 2018 - Das Leben und Wirken von Hedwig Dransfeld (1871 - 1925)

„Wir wollen von unserer Macht Gebrauch machen, wie es der Würde deutscher Frauen entspricht.“ Mit diesem Zitat der Reichstagsabgeordneten ist schon einiges über den Zeitgeist in der Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts gesagt. Hedwig Dransfeld war ein Teil dieser Frauenbewegung -oder vielmehr führte sie die katholischen Frauen in diese Bewegung hinein.

Der Katholische Deutsche Frauenbund, dessen Vorsitzende sie lange war, ist weiterhin politisch wegweisend. In der rechten Spalte finden Sie eine aktuelle Stellungnahme von KFDB und Hildegardis-Verein.

Kindheit

Bewegt war ihr Leben jedoch auch ganz privat. Hedwig Dransfeld wurde am 24. Februar 1871 in ein gutbürgerliches Elternhaus hineingeboren. Ihr Vater Clemens war Oberförster in Hacheney, das damals zum Kreis Hörde, heute zu Dortmund gehört. Doch als das Mädchen drei Jahre alt war, starb der Vater, als sie acht war, auch die Mutter Elise. Mit ihren fünf Geschwistern lebte Hedwig zunächst bei der verarmten Großmutter, nach deren Tod kam sie ins Waisenhaus des Ursulinenordens in Werl. Sie blieb der Stadt und den Ursulinen zeitlebens verbunden, wurde 1921 zur Werler Ehrenbürgerin benannt und ist auch dort begraben. Eine Schule und eine Straße sind nach ihr benannt.


Studium und Krankheit

Die Ursulinen erkannten Hedwigs Begabungen und ermöglichten ihr ein Studium am Paderborner Lehrerinnenseminar. Im zweiten Studienjahr erkrankte Hedwig Dransfeld unheilbar an Knochentuberkulose, mit 19 Jahren wurde ihr ein Arm amputiert, später auch ein Fuß. Ihr Examen bestand sie 1890 auf dem Krankenbett. In der Krankheit entwickelte sie Willensstärke und Disziplin, wirkte auf ihre Mitmenschen aber manchmal auch verschlossen. Wieder bei den Ursulinen, wurde sie zunächst Hilfslehrerin, später Seminarleiterin. Ihr Spitzname bei den Schülerinnen war „Onkel Hedwig“. Neben der Lehrerinnentätigkeit verfasste sie Gedichte und Mädchenbücher und bildete sich stetig fort. So wurde sie 1897 Schulvorsteherin der Werler Lehrerinnenbildungsanstalt.


Redakteurin der "Christlichen Frau"

1902 begann Hedwig Dransfeld ihre Mitarbeit bei der Zeitschrift „Die Christliche Frau“, das Organ des Katholischen Deutschen Frauenbundes, wenige Jahre später war sie ehrenamtliche Schriftleiterin. Ihre Themen waren breit gefächert, denn sie war vielseitig interessiert und konnte sich neue Themengebiete schnell erschließen. Sie schrieb häufig über soziale Fragen, die Belange der Arbeiterklasse, Familien- und religiöse Themen und die Anliegen der Frauenbildung. Auf Grundlage ihrer festen religiösen Haltung war die offen gegenüber anderen Weltanschauungen und pflegte den Austausch mit den politischen Strömungen der Zeit. So schrieb sie im September 1904 in der „Christlichen Frau“: „Die Frauenbewegung, wie sie seither in Erscheinung getreten ist, erklärt sich als religiös indifferent und erweist sich z.T. als religionsfeindlich. Eine Ausnahme bildet der vor zwei Jahren gegründete Evangelische Frauenbund. Die katholische Frau hat als solche bisher abseits von der eigentlichen Frauenbewegung gestanden. Es kann nicht so bleiben. Manche Frauenfragen drängen nach einer Lösung. Diese Fragen greifen tief in das Familienleben und in das religiös-sittliche Leben. Darum, katholische Frauen, seien wir nicht gleichgültig gegen die großen Frauenfragen der Gegenwart. Helfen wir, wo zu helfen ist.“


Frauen(bildungs-)politik

1906 begann Hedwig Dransfeld, öffentliche Reden und Vorträge zu halten. Weil sie eine stets kompetente und immer bewegende und mitreißende Rednerin und Schreiberin war, wuchs ihre Bekanntheit stetig. Ab 1908 bekamen Frauen in Preußen Zugang zu den Universitäten und Hedwig Dransfeld schrieb sich in Münster und später Bonn für Kulturwissenschaften ein. „Als Redakteurin […] beschritt sie sicher einen neuen, notwendigen Weg. Er führte in weitere Bereiche, hin zum Ganzen des Lebens, bezog die Ideen der Frauenbewegung ein, und es ist keine Übertreibung zu sagen, daß es hier dazu beitrug, weite Kreise katholischer Frauen aus ihrer Begrenztheit aus Haus und Heim zu lösen – und auch aus der Reserve, mit der viele der Frauenbewegung gegenüberstanden“, schrieb Else Schmücker 1995 in der Zeitschrift ‚Katholische Bildung‘.

1912 schließlich wurde Hedwig Dransfeld Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes. Später gründete sie noch einen Berufsverband, den Verein Katholischer Sozialbeamtinnen und war maßgeblich an der Gründung der Kölner Sozialen Frauenschule beteiligt. Sie organisierte nun große Kongresse, auch über den eigenen Verband und die katholischen Organisationen hinaus und veranstaltete die bedeutenden Versammlungen der deutschen Frauenbewegung mit. Denn es galt, die Gesellschaftsordnung für die Zeit nach Ende des 1. Weltkriegs (1914 – 1918) zu gestalten. Zu dieser Zeit bezeichnete die sozialdemokratische Zeitung „Vorwärts“ sie bereits als „bedeutendste Frau der Gegenwart“.


"Zentrums"-Politikerin

So war es folgerichtig, das Hedwig Dransfeld zu den ersten Frauen gehörte, die nach der Öffnung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen 1918 für die erste Nationalversammlung der Weimarer Republik kandidierte. Sie tat dies auf der Liste der Zentrumspartei, einer 1871 gegründeten katholisch geprägten Partei, aus der nach dem Zweiten Weltkrieg die CDU hervorging. Bereits 1919 war Hedwig Dransfeld eine der vier stellvertretenden Parteivorsitzenden und hatte bis zu ihrem Tode ihr Reichstagsmandat.

Währenddessen entwickelte sich der KFB unter ihrer Führung: Von 72 Zweigvereinen und 36.000 Mitgliedern wuchs die Organisation bis 1924 auf 950 Zweigvereine und 240.000 Mitglieder. „Vielleicht ist dies die entscheidendste Tat ihres Lebens gewesen, daß sie die katholische Frauenbewegung bewahrt hat vor einer Zersplitterung in Schichten und Klassen“, schrieb Helene Weber 1925 in der Zeitschrift ‚Die Frau‘.

Ihre fortschreitende Krankheit hatte Hedwig Dransfeld 1924 zur Aufgabe des Vorsitzes des KFB gezwungen und sie starb am 13. März 1925 im Werler Ursulinenkonvent. Auf dem Parkfriedhof ist ihr von Bildhauer Franz Guntermann gestaltetes Ehrengrab. Sie wird erinnert als eine Frau, die ihr eigenes Leid in Tatkraft zum Wohle der Bedürftigen in der Gesellschaft umsetzte und in Zeiten des Wandels mit Mut und Entschlossenheit voranging. „Die Stunde ruft uns zur Tat! Es ist eine tiefe Wahrheit, dass es nicht besser werden kann, bevor nicht jeder einzelne von uns besser geworden ist.“


Wir danken dem Katholischen Deutschen Frauenbund e.V. (KDFB) für die Archiv-Materialien, die uns für diesen Artikel zur Verfügung gestellt wurden. Die Verantwortung für Fehler und Ungenauigkeiten liegt bei Bettina Long als Autorin. Die Rechte an dem hier verwendeten Bild liegen beim Katholischen Deutschen Frauenbund (Köln)


gedruckt am: 27.04.2018  06:24