Prof. Dr. Ute Fischer

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Sanktionen im ALG-II Bezug

Hintergrund und Thema des Forschungsvorhabens

Im Rahmen der sozialen Sicherung werden finanzielle Leistungen für Langzeitarbeitslose in Form des Arbeitslosengeldes (ALG II) gewährt. Seit Novellierung des Sozialgesetzbuches (SGB II) 2005 folgt die Vergabe dem neuen Leitgedanken des so genannten aktivierenden Sozialstaats. Um die Vermittlungserfolge der Arbeitslosen zu erhöhen, soll die Eigenverant-wortung der Leistungsempfänger gestärkt werden u.a. durch verschärfte Sanktionen, mit denen ALG-II-Zahlungen bei Pflichtverletzungen gekürzt werden.

Seit Einführung dieser Neuregelungen herrscht in Wissenschaft und Politik Uneinigkeit über die Wirkung der Sanktionen und ihren Nutzen. Seit 2011 haben einige Parteien (Grüne, Die Linke, Piraten) in Bund und Land die Aussetzung der Sanktionen gefordert. In jedem der Anträge wird auf fehlende Forschung zu deren Wirkung hingewiesen. Vorliegende Studien zeigen Forschungslücken v.a. bezüglich der unerwünschten Nebenfolgen der ausgespro-chenen Sanktionen und vertiefter Erkenntnisse über ex-ante Effekte der Strafen. Eigene Voruntersuchungen deuten auf einen wichtigen Einfluss der Haltung von Vermittlern und Empfängern und ihrer Passung für den Erfolg der Zusammenarbeit hin.

Doch die sozialpolitische Kontroverse geht über die Kritik an den Sanktionen hinaus. Zur Diskussion stehen sowohl alternative Ansätze zu Stärkung der Selbsthilfekräfte der Betroffe-nen als auch grundlegende Alternativen zur sozialen Sicherung.

Ziel

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die Wirkung der Sanktionen auf die Arbeitslosen-geld-II-Empfänger zu analysieren und Alternativen zu untersuchen. Folgende Forschungs-fragen stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Wie sieht die Sanktionspraxis in den Jobcentern aus? Welcher Handlungsspielraum be-steht und wie wird er genutzt?
  • Wie wirken die Sanktionen tatsächlich? Welche Ziele werden erreicht, welche verfehlt? Welche Fehlwirkungen ziehen die Sanktionen nach sich?
  • Welcher Vermittlerhabitus passt zu welchem Empfängertypus?
  • Welche Alternativen lassen sich entwickeln? Was könnten partizipative Projekte leisten zur Stärkung der Eigenaktivität? Inwiefern könnte ein Bedingungsloses Grundeinkommen eine zukunftsweisende Sozialreform darstellen?

Vorgehen

  • Wirkungsanalyse: Qualitative Interviews mit Arbeitsmarkt-Experten, Mitarbeitern und Lei-tern in Jobcentern und betroffenen Arbeitslosengeld-II-Beziehern
  • Empfehlungen: Auf Basis der Interviewanalysen entsteht eine Typologie, die eine Passung zwischen Typen von Empfängern und Vermittlern abbildet.
  • Beratung: Exemplarisch soll anhand eines Jobcenters (z.B. Dortmund, Hagen, Hattingen) über eine mögliche Nutzung der Typologie beraten und diese erprobt werden.

Kontakt

Prof. Dr. Ute Fischer, Miriam Kröger, Ariane Ibing
Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften
„ALG-II-Projekt“
Emil-Figge-Str. 44, 44227 Dortmund
Telefon: 0231/755-4908; Mail: ute.fischer@fh-dortmund.de