Prof. Dr. Ute Fischer

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zuletzt geändert am:

  • 01.10.2014

Forschungsprojekte

 

Sanktionen im ALG-II Bezug - seit September 2014

Hintergrund und Thema des Forschungsvorhabens

Im Rahmen der sozialen Sicherung werden finanzielle Leistungen für Langzeitarbeitslose in Form des Arbeitslosengeldes (ALG II) gewährt. Seit Novellierung des Sozialgesetzbuches (SGB II) 2005 folgt die Vergabe dem neuen Leitgedanken des so genannten aktivierenden Sozialstaats. Um die Vermittlungserfolge der Arbeitslosen zu erhöhen, soll die Eigenverant-wortung der Leistungsempfänger gestärkt werden u.a. durch verschärfte Sanktionen, mit denen ALG-II-Zahlungen bei Pflichtverletzungen gekürzt werden.

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November 2011 - Oktober 2012"Gewalt und Rassismus überwinden – Eine Untersuchung zivilgesellschaftlicher Strukturen und Akteure am Beispiel der Stadt Unna", finanziert durch die FH Dortmund
Gewalttaten und Übergriffe mit rassistischem Hintergrund sind häufig Ausdruck von antidemokratischen Haltungen, sie verbreiten Angst nicht nur bei den betroffenen Opfern und untergraben die demokratische Basis einer Gesellschaft. Auch in der Kreisstadt Unna ist es in den vergangenen Jahren vereinzelt zu rassistisch motivierten Angriffen auf Parteibüros und zu Mauerschmierereien gekommen. Doch die Stadt wollte nicht untätig zusehen und hat mit der Gründung eines Runden Tisches auf diese Situation reagiert.
Das einjährige Forschungsprojekt, das durch die Fachhochschule im Rahmen der internen Forschungsförderung bis Oktober 2012 finanziert wird, nimmt diese Situation zum Ausgangspunkt einer Untersuchung der Handlungsmöglichkeiten und tatsächlichen Anstrengungen einer konkreten Kommune zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen. In einer Bestandsaufnahme werden mit Hilfe von Akteursinterviews das vorhandene sichtbare demokratische Engagement und die weniger sichtbaren politischen Haltungen analysiert, um so die demokratischen Ressourcen der Stadt offenzulegen. Zur Lageanalyse gehört ferner, rassistisch motivierte Taten und Akteure sowie deren Vernetzung in Bezug auf ihr Gefahrenpotential darzulegen. Auf der Basis der Datenanalysen kann die Kommune gezielt und selbstständig ihre Handlungsplanungen vornehmen. Begleitend will das Projekt dabei untersuchen, wie spezielle Maßnahmen und Aktionen in der Bevölkerung aufgenommen werden, ob sie bemerkt werden und wie sie wirken. Dazu werden in einem begleitenden Lehrforschungsprojekt im Bachelor-Vertiefungsmodul Passanten befragt und Schülertagebücher interpretiert. Die Ergebnisse der Forschung sollen zur Strategieentwicklung für die Entfaltung einer couragierten Stadtkultur dienen. Der Aufbau eines kommunalen Solidar-Netzwerkes zur Verstärkung der Wachsamkeit und Reaktionsfähigkeit in Bedrohungssituationen soll beratend begleitet werden. Gemeinsam mit verantwortlichen Akteuren der Stadt und ausgewählten Trägern Sozialer Arbeit werden Ansatzpunkte für Interventionen eruiert. Insbesondere für Schulen wird mittels einer Lehrplananalyse eine „Profillinie Zivilcourage“ entwickelt, die sich als thematische Klammer über die Schuljahre hinweg in verschiedenen Fächern widerspiegelt und helfen soll, demokratieförderliche Anliegen im regulären Unterricht stetig zu verankern.
Die Stadt Unna dient der übergreifenden Fragestellung als empirisches Beispiel für Antworten auf die Frage, wie eine lebendige demokratische Kultur gefördert werden kann, welche Hindernisse dabei zu überwinden sind und wie auch solche Personen dafür gewonnen werden können, die anfällig sind für die einfachen Antworten extremistischer Vereinigungen und Netzwerke.



April 2009 – August 2010„Berufe im Schatten – Ursachen und Rahmenbedingungen für die soziale und individuelle Wertschätzung von Dienstleistungsberufen“, finanziert durch das BMBF
Dienstleistungen stellen in Deutschland mittlerweile einen Großteil der Arbeitsplätze dar. Ihnen wird angesichts des Trends zur Dienstleistungsökonomie ein hohes Maß an Innovationspotential zugesprochen. Attraktive und professionelle Arbeitsplätze sind entstanden und nehmen weiterhin zu. Dem steht jedoch in einigen Berufsfeldern ein Mangel an Anerkennung der Leistungen gegenüber. Beschäftigte dieser Branchen entwickeln eine geringe Selbstwahrnehmung ihrer professionellen Arbeit. Dieses empirische Forschungsprojekt untersucht Kompetenzen und Zufriedenheit der Beschäftigten insbesondere in der Pflege, im Friseurhandwerk und im Einzelhandel, die Qualität der Dienstleistungen und die Wertschätzung dieser Leistungen auf individueller, betrieblicher und gesellschaftlicher Ebene. Neue Modelle und Konzepte einer praxisorientierten Unterstützung dieser Berufsgruppen werden entwickelt zur Steigerung von Anerkennung, Produktivität und Innovativität. Beteiligt an diesem Verbundprojekt sind die Technische Universität Dortmund, die Deutsche Hochschule der Polizei Münster und die gaus GmbH Dortmund.

Projekthomepage: www.berufe-im-schatten.de


Dezember 2006 – März 2009„Unternehmensgründungen durch Migrantinnen. Prozessbezogene Gründungsforschung und modellhafte Entwicklung und Erprobung innovativer Beratungsansätze unter Berücksichtigung individueller, arbeitsmarktpolitischer, kultureller bzw. gesellschaftlicher Bedingungen“, finanziert durch das BMBF.
In diesem empirischen Forschungs- und Beratungsprojekt wurden biografie-, migrations- und geschlechtsspezifische Potenziale und Hemmnisse für Gründungsprozesse analysiert sowie aufgrund dieser Ergebnisse Beratungskonzepte für Migrantinnen entwickelt und in begleitenden Modellberatungen evaluiert. Zu den Partnern dieses Verbundprojektes zählten die Universität Münster, die Technische Universität Dortmund, gaus GmbH Dortmund, Unique GmbH Berlin und das Zentrum für Türkeistudien Essen.
Als ein wichtiges Ergebnis stellte sich als Hindernis der Gründungen durch Migrantinnen die stereotype Deutung ihrer Kompetenzen und Vorhaben durch die Beratungsinstitutionen heraus. Ferner verdient eine Tendenz zur sozialen Aufstiegsmobilität von v.a. türkischen Gründerinnen weitere Aufmerksamkeit.
Methodisch setzte sich der Forschungsteil des Projektes zusammen aus inhaltsanalytischen Verfahren, dem Verfahren der Sequenzanalyse aus der objektiven Hermeneutik zur Interviewauswertung und einer diskursanalytischen Perspektive auf die Beratungsinstitutionen und Mikropolitiken. Die Konzeptentwicklung im Umsetzungs- und Beratungsteil des Projektes beruhte u.a. auf (psycho-)analytischen Beratungsansätzen.


April 2003 – November 2006Habilitationsprojekt „Geschlechtsspezifische Sinnerfüllung – Tendenzen der Bewährungsdynamik bei Männern und Frauen innerhalb und außerhalb der Erwerbsarbeit“, finanziert durch die DFG (Nachwuchsförderung zur Refinanzierung der eigenen Stelle, Universität Dortmund, Lehrstuhl Prof. Dr. H. Neuendorff)
Das Projekt hatte zum Ziel, aktuelle Entwicklungstendenzen der Sinnstiftung durch den Beruf zu eruieren. Über die sinnerfüllende Bedeutung der Erwerbsarbeit hinaus wurden weitere Felder lebenspraktischer Bewährung – in der Familie und auf das Gemeinwesen bezogen – in ihrer Verflechtung erforscht. Als Ergebnisse zeigen sich, dass in der unterschiedlichen Wahrnehmung der Bewährungschancen in den drei Feldern sowohl Beharrungstendenzen sozialer Ungleichheiten liegen als auch Ursachen für aktuelle Krisenphänomene bzgl. Geburtenrate, Erwerbsmöglichkeiten und Chancen auf einen Autonomiegewinn im Bildungsprozess des männlichen und weiblichen Subjekts. Gesellschaftliche Inkohärenzen stellen sich als Störung des Ordnungssystems dar ebenso wie sie massive Widersprüche in der individuellen Biografie hervorrufen. Als gesellschaftstheoretischer Ansatz konnte in diesem Projekt die Verschränkung der Subjektkonstitution mit der Analyse sozialer, politischer und ökonomischer Krisenlagen der Gegenwart sowie den kulturellen Deutungsmustern, die den Handlungsentscheidungen der Praxis zugrunde liegen, herausgearbeitet werden.
Methodisch wurden mit objektiv hermeneutischer Sequenzanalyse aus ca. 20 Interviews mit Frauen und Männern zweier Generationenlagerungen sechs Fallrekonstruktionen ausgearbeitet. Re-Analysen von Material und Ergebnissen der Biografie- und Geschlechterforschung suchte einen erkenntnistheoretischen Gewinn bzgl. der sog. Vereinbarkeitsdiskussion und des Theorems geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung zu erzielen.


Juni 1998 – Mai 2001„Lebensführung unter Normalisierungsdruck – Diskontinuitäten in Erwerbsbiographien: Formen ihrer praktischen Bewältigung und Muster ihrer Deutung“, empirisches Forschungsprojekt im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe „Normalismus“ (Sprecher Prof. Dr. Jürgen Link, Universität Dortmund, Lehrstuhl Prof. Dr. H. Neuendorff)
Das wohl am deutlichsten heraus stechende Ergebnis war die im Regionenvergleich Ruhrgebiet/Sachsen erzielte Erkenntnis, dass nicht der Grad der Diskontinuität im Erwerbsverlauf ein deutungs- und habitusbestimmender Einflussfaktor ist, sondern im Gegenteil die sozialisatorisch erworbenen krisenlösenden Kompetenzen den Umgang mit Diskontinuität bestimmen. Als Einflussstrukturen auf diesen Habitus konnte die regionale Herkunft als mit entscheidend herausgearbeitet werden.
Aus ca. zehn transkribierten Interviews mit Männern und Frauen in Sachsen konnten im Forschungsbericht drei Falldarstellungen (gemeinsam mit meinen Kollegen Dr. Sascha Liebermann und Caroline Großer) präsentiert werden. Auch diesen Ergebnissen liegt die Methode der Sequenzanalyse zugrunde.


Januar 1993 - April 2000Promotionsprojekt „Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit im Transformationsprozess der neuen Bundesländer. Eine Rekonstruktion von Erwerbschancen und Erwerbsbarrieren am Beispiel der Arbeitsamtsbezirke Annaberg-Buchholz und Dresden“ (eingebunden in das DFG-Graduiertenkolleg „Geschlechterverhältnis und sozialer Wandel“ an den Universitäten Dortmund, Bielefeld, Bochum, Essen, ab April 1995 am Lehrstuhl Prof. Dr. H. Neuendorff, Universität Dortmund)
Seinen Ausgang nahm dieses empirische Projekt im Phänomen sprunghaft steigender überproportionaler Arbeitslosigkeit von Frauen in den neuen Bundesländern im Vergleich zu Männern nach der deutschen Wiedervereinigung. Die DDR-Transformation bot neben einer Analyse dieser Differenzen auch die Chance, gesellschaftliche Entwicklungsdynamiken und zugrunde liegende Mechanismen der Strukturierung sozialer Ungleichheit sowie das Verhältnis von Beharrung und Transformation von Handlungsroutinen und Deutungsmustern zu erhellen. Im Zusammenspiel dreier Betrachtungsebenen – der staatlichen Regulation, der regionalen Spezifik von Arbeitsmärkten und der Deutungsebene von Arbeitsmarktakteurinnen – ließen sich förderliche und hinderliche Faktoren einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an qualifizierter Berufsarbeit herauskristallisieren. Es konnte gezeigt werden, dass geschlechtsbezogene Deutungen und Handlungen eine Kontinuität in historischer Dimension aufweisen, die weit vor die Existenz der DDR zurück weist.
Methodisch stellt die Arbeit eine Verbindung von quantitativer Arbeitsmarktanalyse und qualitativer Interviewanalyse dar. Mittels Arbeitsmarktdaten auf einem Differenzierungsniveau von Berufs- und Wirtschaftsgruppen konnte ein genaues Bild des Status Quo der geschlechtsspezifischen Segregation (in den beiden Untersuchungsregionen) zur Zeit des Zusammenbruchs der DDR bis zum Untersuchungszeitraum (1994) gezeichnet werden. Die Auswertung erfolgte mit dem Datenverarbeitungsprogramm Excel. Die Sequenzanalyse der transkribierten Interviews ließ aus ca. 40 Fällen vier Fallrekonstruktionen entstehen, die in prägnanter Weise die Deutungsstrukturen gegenüber sowohl den historischen Gegebenheiten als auch der aktuellen Krise zeigen.


April 1995 – Dezember 1998„Kontrastierende Fallanalysen zum Wandel von arbeitsbezogenen Deutungsmustern und Lebensentwürfen in einer Stahlstadt“, Laufzeit Dezember 1988 – Dezember 1998, Universität Dortmund, Lehrstuhl Prof. Dr. H. Neuendorff, finanziert durch die VW-Stiftung
Das regionalkulturell orientierte arbeitssoziologische Projekt rekonstruierte in zahlreichen detaillierten Sequenzanalysen biografische Dynamiken in einer Ruhrgebietsstadt. Die feinen Milieustudien zeigen Differenzen von Chancenstrukturen in der Gestaltung der Lebenswege.


Oktober – Dezember 1992„Neue Entwicklungen bei der sozialen Gestaltung von Telearbeit“, IuK Institut für sozialwissenschaftliche Technikforschung, Dortmund, finanziert durch die Hans-Böckler-Stiftung
Anfang der 1990er Jahre trat die Arbeitsform Telearbeit verstärkt in die öffentliche Aufmerksamkeit, nicht nur auf Seiten der Gewerkschaften. In diesem Kurzprojekt unter der Leitung von Dr. Hans-Jürgen Weißbach wurde die Frage der Motivation seitens der Unternehmen sowie der Mitarbeiter für die Telearbeit sowie ihre Folgen untersucht. Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist die Abkehr von einer einseitigen Sicht auf Telearbeit als ‚Zwangsinstrument’ zur Arbeitsplatzsicherung. Insbesondere für die höherqualifizierten Telearbeiter stellte sich Telearbeit als flexible Form der Arbeit dar, die hohe Gestaltungsspielräume für die Beschäftigten bietet.
Methodisch wurden die Ergebnisse anhand von problemzentrierten Experten-Interviews in inhaltsanalytischer Auswertung erzielt.


April – Oktober 1991„Was hindert Frauen, bei Karstadt Karriere zu machen?“, ein empirisches Forschungsprojekt im Auftrag der Karstadt AG (Universität Dortmund, Lehrstuhl Prof. Dr. U. Schumm-Garling)
Als sich Anfang der 1990er Jahre schon einmal ein Fach- und Führungskräfte-Mangel abzeichnete, trat der Karstadt-Warenhauskonzern mit der Frage an die Universität Dortmund heran, wie das weibliche Arbeitskräfte-Potenzial auch für höhere Betriebshierarchien erschlossen werden könnte. Antworten wurden gesucht mittels einer standardisierten schriftlichen Vollerhebung unter den weiblichen Führungskräften und ihrer SPSS-basierten Daten-Auswertung sowie in Interviews mit Führungskräften an Standorten in ganz Deutschland und deren inhaltsanalytischer Auswertung. Kommunikative Validierung und methodische Triangulation waren die methodologische Basis für die Kommunikationsprozesse im Unternehmen sowohl gegenüber der Unternehmensleitung als auch in Workshops mit weiblichen Beschäftigten. Die auf diese Weise erschlossenen Aufstiegsbarrieren speziell für weibliche Führungskräfte wurden im Anschluss an die wissenschaftliche Untersuchung im Konzern teilweise abgebaut.