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Wie stehen Migranten zum Klimaschutz? - Pressegespräche in Berlin und Dortmund

Das Interview dauerte durchschnittlich eine Stunde und bestand aus zwei Teilen: die Beantwortung eines standardisierten Fragebogens (ca. 45 Minuten) und eines computergestützten Klimarechners zur Ermittlung der individuellen CO2-Emmissionen (ca. 15 Minuten).
Der Fokus der Befragung lag auf den drei Verhaltensbereichen Mobilität, Ernährung und Energienutzung, zu denen nicht nur die entsprechenden Einstellungen erfasst, sondern auch die individuell verursachten CO2-Emmissionen quantifiziert wurden. Weiterhin wurde das Ausmaß der Integration der befragten Migrantinnen und Migranten über verschiedene Indikatoren erfasst.

Die zentralen Ergebnisse dieser repräsentativen Untersuchung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • —Deutsche sind umweltbewusster als MigrantInnen, belasten das Klima aber durchschnittlich stärker durch höhere CO2-Emissionen.
  • —Deutsche weisen die höchste PKW-Orientierung auf und verursachen auch die meisten CO2-Emissionen mit dem PKW. Russischsprachige hingegen bewerten die Erlebnisqualität von Bus und Bahn am höchsten und nutzen Bus und Bahn von allen drei Gruppen am häufigsten.
  • —Auch wenn Bioprodukte im Jahr 2010 von der überwiegenden Mehrheit der Befragten (ca. 80 Prozent) gekauft wurden, so erfolgte dies nur im geringen Umfang bzw. selten. Türkeistämmige MigrantInnen schreiben Bioprodukten im Vergleich zu russischsprachigen MigrantInnen und Deutschen dabei ein ungünstigeres Kosten-Nutzenverhältnis hinsichtlich Geschmack und Gesundheit zu.
  • —Ökostrom wird von den MigrantInnen nur selten bezogen: 1,3 Prozent der Türkeistämmigen und 2,8 Prozent der Russischsprachigen nutzen den Ökostrom. Im Vergleich dazu liegt der Ökostromanteil bei den Deutschen doppelt bzw. fünfmal so hoch, nämlich bei 6,5 Prozent.
  • —Das Klimaschutzengagement in Organisationen ist in allen drei untersuchten Gruppen eher gering; dabei fällt der Anteil an Personen, die sich überhaupt engagieren, bei den Deutschen im Vergleich zu den MigrantInnen fast doppelt so hoch aus.
  • —Das Klimaschutzengagement wird in allen drei Gruppen durch die gleichen psychologischen Einflussfaktoren bestimmt: Umweltaktivisten sind davon überzeugt, einen persönlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten und sich hierbei nicht durch persönliche Anstrengungen davon abhalten zu lassen. Weiterhin fühlen sie sich bei ihrem Umweltschutzengagement einer Gruppe von Gleichgesinnten zugehörig.
  • —MigrantInnen stellen keine homogene Gruppe hinsichtlich des Klimaschutzes dar. Zur Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen sollten daher unterschiedliche Zielgruppen differenziert werden. Zur Förderung des Klimaschutzengagements sollten bei Türkeistämmigen das Ausmaß der Integration berücksichtigt werden. Bei Russischsprachigen erweist sich das Ausmaß der Integration vor allem für die Gestaltung von Maßnahmen zur Förderung einer umweltschonenden Verkehrsmittelnutzung als relevant.  
  • Zentrale Schlussfolgerungen

  • —Die Nutzung von Bus und Bahn stellt für russischsprachige MigrantInnen eine klimaschonende Alternative zur PKW-Nutzung dar.
  • —Das Bewusstsein für den subjektiven Nutzen (Geschmack, Gesundheit) von Bioprodukten sollte insbesondere bei den  türkeistämmigen MigrantInnen gesteigert werden.
  • —Gut für das Klima und vergleichsweise leicht umsetzbar: Sowohl türkeistämmige als auch russischsprachige MigrantInnen für die Nutzung von Ökostrom gewinnen.
  • —Das Engagement zum Klimaschutz kann sowohl bei den beiden Migrantengruppen, als auch bei den Deutschen durch ein psychologisches Empowerment gefördert werden, das sich in der folgenden individuellen Überzeugung zusammenfassen lässt: „Ich kann etwas verändern, auch wenn es anstrengend ist und ich mich dabei Gleichgesinnten zugehörig fühle“.