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Terminologieserver

Implementierung eines funktionsfähigen Prototypen eines Terminologieservers als Infrastrukturkomponente der Gesundheitstelematikplattform auf Basis der bereits geleisteten Vorarbeiten an der Fachhochschule Dortmund.

Laufzeit

01.07. - 31.12.2009

Fördergeber

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Status

abgeschlossen

Interne Mitarbeiter

  • Prof. Dr. Peter Haas
  • Robert Mützner
  • Mathias Aschhoff
  • Bernhard Rimatzki

Hintergrundinformationen

Was sind Terminologien?

Als Terminologie wird die Gesamtheit aller Begriffe und Benennungen einer Fachsprache bezeichnet.
Es gibt mehrere Darstellungsformen von Terminologien:
  • Wörterbuch: Wörterbücher können aus einer oder mehreren Spalten bestehen. Diese enthalten eine Auflistung von Begriffen.
  • Wörterbuch mit enthaltenen Taxonomien: Diese Form besteht aus Einträgen, welche auf unterschiedlichen Ebenen liegen können. Im Allgemeinen ist ein solcher Aufbau mittels einer Baumstruktur gut darstellbar. Ein Begriff Computertomographie kann z.B. auf Ebene 1 sein, „Schädel-CT“ oder „Thorax -CT“ liegen entsprechend auf Ebene 2.
  • Mehrachsige Begriffssysteme: Bei einer solchen Form setzen sich Begriffe aus mehreren Achsen zusammen. Wenn z.B. eine Achse Körperteile und eine andere Achse Krankheitstypen enthält, wird ein Beinbruch aus dem Begriff „Bein“ der Achse Körperteile und dem Begriff „Bruch“ der Achse Krankheitstypen zusammengesetzt.

Eine spezielle Form ist ein „kontrolliertes Vokabular“. Man spricht von dieser Form, wenn Einträge nur von einer zentralen Stelle festgelegt werden dürfen.

Was ist ein Terminologieserver?

Ein Terminologieserver ist ein Anwendungssystem, welches Terminologien - meist in Form von kontrollierten Vokabularen, aber auch in Form von Ordnungssystemen wie Klassifikationen - für Benutzer bzw. Anwendungssysteme maschinenlesbar zur Verfügung stellt. Dadurch wird die semantische Interoperabilität in einem verteilten System unterstützt.

Sowohl Primärsysteme als auch Endanwender sollen mit verschiedenen Mitteln auf den Terminologieserver zugreifen können. Während Primärsysteme ihre lokalen Terminologien per Webservice synchronisieren, pflegen oder recherchieren Endanwender Terminologien per dialogbasierter Weboberfläche.



Zusammenhang Systeme und Terminologieserver (Haas 2006)

Projekt-Details

Motivation

Zum Austausch von Daten und Dokumenten zwischen Informationssystemen ist die Festlegung der Syntax und Semantik notwendig. Während die Syntax für Empfängersysteme die Möglichkeit schafft, die empfangenen Datensätze bzw. Informationsobjekte in ihre einzelnen Anteile zu zerlegen und so diese Teile in die Datenhaltung des Systems syntaktisch korrekt eingefügt werden können, ermöglicht eine vereinbarte Semantik, diese Daten auch inhaltlich zu interpretieren und zu verarbeiten. Durch vereinbarte Semantik wird die „richtige“ Interpretation, Weiterverarbeitung und Speicherung der strukturell zerlegten Daten erst möglich. Fehlt eine solche Vereinbarung, kommt es zu einem „Semantic-Mismatch“ zwischen den Informationssystemen und beim Einfügen von Daten entweder zu einem Verlust der Datenintegrität oder bei Vorhandensein entsprechender Integritätsbedingungen zur Zurückweisung der Einfügung – die Kommunikation zwischen den Systemen scheitert also.

System 1 System 2 System 3
m = männlich 1 = männlich m = male
w = weiblich 2 = weiblich f = female
u = unbekannt 0 = unbekannt  
    i = intersexuell
Einfaches Beispiel für „Semantic-Mismatch“

Während also alle drei o.a. Systeme strukturell über das Attribut „Geschlecht“ verfügen, würde die Übermittlung eines Patientenstammsatzes durch System 1 an System 2 oder 3 mit der Angabe "w" für das Geschlecht sowohl im System 2 als auch im System 3 entweder abgelehnt – weil der Wert „m“ für Geschlecht nicht zugelassen ist – oder zu inkonsistenten Dateneinträgen in diesen Systemen führen.

In diesem Sinne bedeutet „semantische Interoperabilität“ nach IEEE (1990) die „Fähigkeit von zwei oder mehr Systemen oder Komponenten zum Informationsaustausch sowie zur adäquaten Nutzung der ausgetauschten Information.“

Ein solches gemeinsames Verständnis kann im Wesentlichen durch die Nutzung gemeinsamer semantischer Bezugssysteme – z.B. in Form von kontrollierten Vokabularen oder Terminologien – erreicht werden.

Konventionelle Lösungen dieses Problems bestehen in der Regel darin, dass im Rahmen einer bilateralen oder einer branchenbezogenen Vereinbarung für den Austausch von Daten die Festlegung auf eine bestimmte Repräsentation der möglichen Werte erfolgt. Jeder einzelne Systementwickler muss dann darauf achten, dass in den einzelnen Installationsinstanzen seines Systems bei den Kunden entweder in der Datenhaltung die korrekten Werte benutzt werden oder aber im Rahmen der Kommunikation eine semantische Umsetzung (z.B. w -> f) erfolgt. Die Dokumentation der erlaubten Werte je Attribut eines Informationssystems erfolgt zumeist im Rahmen der Stammdatenhaltung des Informationssystems.

Nachteile eines solchen konventionellen Lösungsansatzes sind:
  • fehlende lokale Richtigkeit
  • fehlende lokale Vollständigkeit
  • keine schnelle Verteilung neuer oder geänderter Werte in die Fläche möglich

Terminologieserver der FH-Dortmund

Das Projekt „Terminologieserver“ der FH Dortmund bietet die Möglichkeit, Terminologien auf einem Server zu speichern und diese per Webservices abzurufen oder zu pflegen. Besondere Merkmale sind die Versionsverwaltung sowie die Möglichkeit des Cross-Mappings. Der Terminologieserver hat vier Diensteklassen mit den jeweiligen Funktionen, welche an den Standard CTS II angelehnt sind (HL7 Common Terminology Services 2 Service Functional Model):

  • Administration (Administration)
  • Suche/Zugriff (Search)
  • Pflege (Authoring)
  • Konzept-Verbindungen (Concept Association)

Die oben genannten Dienste basieren auf dem HL7 CTS 2-Standard „Common Terminology Services 2“. Der Terminologieserver bietet seine Dienste über Webservices an, welche öffentlich erreichbar sind.


gedruckt am: 14.12.2018  07:15