Ausstellung: SzenoTest

Eine szenische Ausstellung zur Geschichte der Theatrotherapie
24.11. – 01.12.2012, Ständige Vertretung Dortmund

Als Philippe Pinel mitten in den Wirren der Französischen Revolution die ‚Befreiung der Irren von den Ketten’ veranlasste, experimentierte er in den Räumen der Anstalt von Bicêtre in Paris als einer der Ersten mit den Möglichkeiten und Grenzen von theatralen Mitteln in der Psychotherapie. Mit Hilfe seiner Assistenten verwickelte er nichts ahnende Patienten in Szenen, in denen diese von ihren Wahnvorstellungen befreit werden sollten.

Nicht nur Pinel und seine Zeitgenossen beschäftigten sich mit Formen und Wirkungspotential szenischer Interventionen, bis heute spielen theatertherapeutische Mittel eine Rolle innerhalb und außerhalb psychiatrischer Anstalten und psychotherapeutischer Praxen. Doch deren Einsatz unterscheidet sich im Laufe der letzten 250 Jahre deutlich in der Art und Weise, wie szenische Elemente eingesetzt werden und welche Form das theatertherapeutische Setting annehmen kann, in dem Therapeut und Patient miteinander agieren.

Die Ausstellung „SzenoTest“ gibt erstmals Eindrücke von der Geschichte der szenischen Interventionen seit dem 18. Jahrhundert. Ausgehend von exemplarischen Fallgeschichten werden unterschiedliche Modelle der Theatrotherapie zum Gegenstand einer szenischen Forschung gemacht, an der auch die Besucher aktiv teilnehmen können. Spielerisch und unterhaltsam bekommt diese einen Einblick in ein bislang nahezu unbekanntes Kapitel der Psychotherapiegeschichte.


„SzenoTest“ lotet die Bandbreite szenischer Interventionen in der Geschichte der Psychotherapie bis hin zu aktuellen Formen aus: Ein Arzt spielt mit seinem Assistentenstab einem ahnungslosen Patienten eine Schlüsselszene seiner Wahnwelten vor. Ein anderer will mit seinem Klienten Szenen der Kindheit aufdecken. Ein dritter stellt mit einer Gruppe erlebte oder fiktive Situationen nach, wobei die Rollen wechseln und auch das spielerische Geschehen von verschiedenen Akteuren gesteuert werden kann. In sieben Ausstellungsstationen werden szenische Interventionsformen wie diese mit den Mitteln von Film, Papiertheater und Szenographie re-inszeniert. Modellbauten laden den Besucher dazu ein, wie im Titelgebenden ‚Scenotest‘ von Gerdhild von Staabs, mit vorgegebenen Materialien auf einer Spielbühne Szenen im Maßstab 1:12 nachzustellen.


Erarbeitet wurde die Ausstellung unter der Leitung von Céline Kaiser, die seit 2007 als Dilthey-Fellow der VolkswagenStiftung an der Universität Bonn die Geschichte der Theatrotheapie erforscht, gemeinsam mit StudentInnen des Fachbereichs Design an der FH Dortmund. Das Ausstellungsprojekt agiert insofern in mehrfacher Hinsicht zwischen den Grenzen von akademischen Disziplinen und künstlerischer Gestaltungspraxis: Zwischen medizingeschichtlicher Grundlagenforschung, Kultur- und Medienwissenschaft sowie im konkreten Dialog mit Film, Theater und Raum- und Objektdesign.