zuletzt geändert am:

  • 01.01.2014

FBW-Prädikat: besonders wertvoll für "Silhouette" von Astrid Busch

Der Experimentalfilm von Astrid Busch "Silhouette" wird mit dem Prädikat: besonders wertvoll, der Filmbewertungsstelle Wiesbaden ausgezeichnet.

Silhouette
Kurzfilm, Experimentalfilm, 6 min. Deutschland 2010

Jurybegründung:
Der Film zeigt einen Schattenriss, der solange in einer Einstellung verharrt, dass man kaum noch eine Veränderung erwartet. Da es keinen Reverenzpunkt gibt, sind die Dimensionen nicht festzulegen: es kann eine Landschaft oder ein lehmiges Stück Erde sein. Ländliche Atmosphärengeräusche lassen einen entsprechenden Kontext erwarten. Dann wird das Vogelgezwitscher von Regen und Gewittergeräuschen abgelöst und plötzlich scheint sich ein Tropfen zu bilden und nach oben zu „fallen“. Langsam umspült immer mehr Regenwasser die Silhouette, wodurch man sich besser orientieren kann, weil man zumindest ihre Größe und Position erkennen kann. Doch als letzte Überraschung setzt eine idyllische Musik ein, durch die wiederum die „Regeln“ dieses Experimentalfilms überraschend erweitert werden.

Astrid Busch spielt hier souverän mit den Seh- und Hörerwartungen der Zuschauer und hat mit stilistisch minimalen Mitteln einen erstaunlich wirkungsvollen – ja spannenden Film gemacht. Ähnlich wie man unwillkürlich in Wolken oder ungeordneten Strukturen Muster und Zeichen hineinliest, versucht man auch hier die so ungeformt wirkende Silhouette zu interpretieren. Die Tonebene bietet dafür gewisse Interpretationsmöglichkeiten an, und durch das zunehmende Wasser wird die Einstellung dann zwar eindeutiger, im Grunde aber noch geheimnisvoller. Dies ist eine höchst originelle Arbeit, zugleich hochartifiziell und „gut geerdet“.

www.astridbusch.de/silhouette


gedruckt am: 11.12.2018  08:32