Lehrkonzept

 

Der Anlass von Baukonstruktionen ist grundsätzlich einfach:

 

Die menschliche Haut reicht nicht aus, um ungeschützt gegen die Naturgewalten zu bestehen. Der Mensch braucht eine schützende „zweite“ Haut, die er auf Grundlage regionaler Klimaverhältnisse mit Baumaterialien der Umgebung und regionalen handwerklichen oder technischen Kenntnissen errichtet. Dies sind sowohl einfache Konstruktionen, wie schützende Kleidung oder ein Zelt, als auch komplexe Konstruktionen wie ein Haus. Regionale Bautraditionen entstehen, die das Bild von Gebäuden, Städten und Regionen bestimmen.

Seit jeher stehen Baukonstruktionen in engem Zusammenhang mit dem Umgang des Menschen mit der Natur - sei es zum Schutz gegen und/oder zum Nutzen aus dieser. Bei der Entwicklung der Konstruktionen können wir von Tieren und Pflanzen lernen, die auf ihre Art sich den Naturgewalten anpassen. Wenn Baukonstruktionen unter diesen Bedingungen und Anforderungen folgerichtig entwickelt werden, dann stellt sich immer eine gute Gebäudegestalt mit hoher Lebensqualität für den Menschen ein.

An diesen Zusammenhängen hat sich seit Jahrtausenden nichts geändert. Unsere Zivisilsation wird jedoch vielschichtiger, komplexer und komplizierter. Wir leben in einer virtuellen Welt, in der die meisten Dinge nicht aus natürlichen Bdingungsfeldern heraus gemacht werden, sondern aus künstlichen.

Für die Anforderungen und Bedingungen aus denen heute Baukonstruktionen entwickelt und ausgeführt werden, gilt dies in gleicher Weise. Denken wir nur an politische, rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche Bedingungsfelder, Architekturmoden oder Anforderungen aus dem Wunsch des Nutzers nach mehr Komfort oder seiner Wahrnehmung heraus. Nicht nur die Anforderungen an Konstruktion und Ausführung sind vielschichtiger und komplexer geworden, sondern auch die Möglichkeiten der Konstruktion selbst:

An jedem Ort stehen heute durch die Transportmöglichkeiten alle Baustoffe der Erde zur Verfügung und über weltweite Kommunikationsmöglichkeiten auch das gesamte Wissen der Menschheit, diese zu verbauen. Hinzu kommen täglich neue Baustoffe, Verfahren und entsprechend neues Wissen. Die architektonischen Ergebnisse werden heute vielfach mit dem Verlust der Qualität der gebauten Umwelt und damit der Lebensqualität des Menschen beklagt.

Baukonstruktionen müssen also ständig „neu“ erfunden werden. Beispielhaft seien genannt:

-        Neue Konstruktionsprinzipien unter Verwendung ganz unterschiedlicher Materialien bei Bauteilen eines Gebäudes mit dem Ziel einer optimalen Erfüllung von Anforderungen.

-        Neue Materialien, bzw. deren Verwendung wie z.B. Tragkonstruktionen aus Glas und Baukonstruktionen aus Seilen, Membranen oder neuen Holz- und Metallwerkstoffen.

-        Neue Anforderungen an Konstruktionen, wie z.B. der Nachhaltigkeit, oder aus Umwelt-, bzw. Klimaaspekten heraus.

-        Neue gestalterische Sichtweisen nach gleicher Bauteil Materialität von Boden, Wand, Decke und Dach, trotz unterschiedlicher Anforderungen.

-        Neue Formen von Bauteilen, mit komplizierten und teilweise doppelt gekrümmten Geometrien und der Aufhebung der Trennung von Boden, Wand, Decke und Dach.

-        Neue Möglichkeiten der Planung und Herstellung von Konstruktionen mit Computergestützten Verfahren.

Und nicht zuletzt das unerreichbare Ziel nach intelligenten Fassadenkonstruktionen.

 

Die Vorbereitung auf die Berufsaufgaben des Architekten im Lehrgebiet Baukonstruktion und Bauausführung muss diesen neuen Entwicklungen praxisnah Rechnung tragen. Dazu ist neben der Vermittlung von Grundkenntnissen eine fächerübergreifende ganzheitliche Sichtweise mit der Erkenntnis notwendig, dass es lediglich darum geht, dem Menschen eine „zweite“ Haut zu geben.


Beschreibung der Lehrveranstaltungen

Die Inhalte der Baukonstruktion werden in Form von Vorlesungen vermittelt und in praxisnahen konstruktiven Entwürfen und konstruktiven Durcharbeitungen im Grund- und Hauptstudium angewandt. Wesentlicher Bestandteil der Übungen ist die Analyse beispielhafter Bauwerke zum jeweiligen Thema in Form von Referaten. In studentischen Arbeitsräumen können die Aufgabenstellungen erarbeitet und mittels Zeichnung, Computer und Modellbau visualisiert werden. Exkursionen und Gastvorträge vertiefen und ergänzen die Bearbeitung der Übungsaufgaben. Die Ergebnisse der Studentenarbeiten werden in Form von Werkheften und Ausstellungen präsentiert.