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zuletzt geändert am:

  • 22.06.2010

Philosophisch-ethische Praxis

Kooperation der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften, mit der
"Dietrich Oppenberg Akademie für Hospizliche Bildung und Kultur."

Vorbemerkung

Seit vielen Jahren nimmt die Nachfrage nach philosophisch-ethischer Qualifizierung insbesondere von Beraterinnen / Beratern und Entscheidungsträgern im Sozialen, Medizinischen, Pflegerischen und auch in der Wirtschaft zu. Es werden Ethik-Kommissionen und Ethik-Räte geschaffen, politische Gremien statten sich mit Ethikberatern aus, Kliniken (nicht nur Universitäts-Kliniken) delegieren schwierige Entscheidungen an behutsam zusammengesetzte Ausschüsse, Vereine wie die Alzheimer-Gesellschaft, die Lebenshilfe usw. wie auch Hospizgruppen, Träger sozialer Einrichtungen (aus dem weltanschaulichen wie auch aus dem sozialpolitisch-humanitären Bereich) schaffen wissenschaftlich-ethische Beiräte oder eigene Ethikarbeitskreise.

Bei all diesen Bemühungen stellt sich die Frage nach der Qualifikation der dortigen Beraterinnen und Berater. Oftmals fällt die Auswahl nach Zufallskriterien oder es wird angenommen, dass andere Qualifikationen automatisch so etwas wie Ethik-Kompetenzen enthalten (Medizin, Jurisprudenz, Theologie). Hier sind zumindest Fragen angebracht, welche es sinnvoll und notwendig erscheinen lassen, dass die betreffenden Personen Gelegenheit erhalten sollten, diese unbestreitbaren Basiskompetenzen um eine ethische, philosophisch begründete Kompetenz zu ergänzen und zu erweitern. 

Deshalb wird in Verbindung mit der „Dietrich-Oppenberg-Akademie für Hospizliche Bildung und Kultur, Essen" und in den Räumlichkeiten der Akademie in Wuppertal (siehe unten) eine Zusatzausbildung / Zertifizierte Weiterbildung für "Philosophisch-ethische Praxis" eingerichtet. Der Ansatz der Dortmunder Weiterbildung sieht nicht nur den "therapeutisch-praktischen Philosophen" (niedergelassener Philosoph mit philosophischer Praxis), sondern neben diesem vor allem den Ethikberater, Leitbildberater und Einzelfall-Berater in vielen Bereichen der sozialen, medizinischen, pflegerischen und wirtschaftlichen Praxis vor.

Die Überlegungen stehen nicht ohne Grund im Zusammenhang mit der "Hospizlichen Bildung und Kultur". Hospize und andere palliativmedizinisch-pflegerisch-soziale Einrichtungen sind z.B. auch als Bausteine einer gesellschaftlichen "Euthanasie-Prophylaxe" zu verstehen; in dem Maße, wie es gelingt, hospizliches Denken zu begründen und zu sichern, wird die Nachfrage nach "Entsorgung Schwerstkranker" in der Form der Selbstentsorgung (Patientenverfügungen, Suizidalität, Euthanasie als Ausdruck von Selbstbestimmung, Suizidbeihilfen) sinken und der "Mut zum Lebenswert auch des Sterbens" wieder wachsen können. Das ist einer der Hintergründe für eine Verankerung dieser Zusatzausbildung an der "Dietrich-Oppenberg-Akademie", also für eine Verankerung in deren Bildungsmaßnahmen und aktiven Kulturarbeit.

Dietrich Oppenberg

Dietrich Oppenberg war eine der renommiertesten Persönlichkeiten der bundesrepublikanischen Nachkriegs-Publizistik. Dietrich Oppenberg lebte von 1917 bis zum Jahre 2000. Bereits 1946, also in den Frühzeiten unserer Republik, erhielt er die Lizenz zur Herausgabe der Neuen Ruhr-Zeitung (NRZ) in Essen, deren Herausgeber und Verleger er in den nächsten Jahrzehnten blieb. Eines seiner größten Anliegen war die Förderung der jungen, demokratischen, publizistischen Kultur in Deutschland. Dieser Kulturbegriff bestimmt auch die Akademiearbeit in Programm und Auftrag mit. Als in Essen Steele das stationäre Hospiz in Planung ging, war er einer der namhaften Spender. Das deutet auf sein soziales Engagement hin und war gewissermaßen eine kongeniale Fortsetzung jener großen Sozialeinrichtung, die mit seinem Namen verbunden bleibt, nämlich des „Versorgungswerkes der Deutschen Presse". Das Instrument „Stiftungen" zur Gestaltung der sozialen Wirklichkeit unseres immer noch jungen Staatswesens beherrschte er wie nur wenige andere: „Stiftung Lesen für junge Journalisten"; Dietrich-Oppenberg-Medienpreis; Stiftung Presse-Haus NRZ; Albert-Renger-Patzsch-Preis. Demokratie und freie Presse bedingen einander; das war eine seiner zentralen Lebensphilosophien, deren Aktualität uns in diesen Tagen mehr als nur „wichtig" erscheint. In einer Zeit, da das Leben aus den Trümmern eines Krieges wieder entdeckt wurde, startete Dietrich Oppenberg sein Lebenswerk; in einer Zeit, da die Trümmer des Sozialstaats die kulturelle Identität unseres Gemeinwesens erneut bedrohen, leistet in seinem Namen die Akademie eine kleine, aber wertvolle Bildungsarbeit, die sich entscheidenden Fragen des Lebens, nämlich dem Leben im und aus dem Sterben heraus zuwendet.

Die Inhalte

Ziel dieser Weiterbildung ist die Befähigung zur „Philosophischen Praxis" bzw. zum „Niedergelassenen Philosophen und Ethikberater". Neben der therapeutischen Philosophie soll vor allem auch die Ethikberatung sowie die Leitbild- bzw. Profilberatung in der sozialen Praxis und bei den künftig verstärkt aufzubauenden Ethik-Konsilien und Ethik-Konferenzen Berücksichtigung finden. Die Weiterbildung in „Philosophisch-ethische Praxis" soll zur ethischen Einzelberatung, zur institutionellen Ethikberatung, zur Leitung eines philosophisch-ethischen Cafés, einer philosophisch-ethischen Schreibgruppe, zur Leitbildberatung und Leitbildevaluation, zur philosophisch-ethischen Supervision sowie zur Vermittlung und Kontrolle von „Haltung" im Bereich der sozialen Praxis befähigen.

Kurzbeschreibung der Ziele: Befähigung zur „philosophischen Praxis", „philosophischen Einzel-Beratung" und institutionellen Ethik-Beratung. Leitung und Durchführung von Leitbild- und Profilprozessen sowie Leitbild-Evaluation. Leitung und Durchführung von „philosophischen Cafés" und/oder einer philosophisch-ethischen Schreibgruppe.

Kern-Inhalte: Metaphysik / Alltagsbewältigung und Sinnfragen / Sterben-Tod-Trauer / Pränatalität und Geburt / Ethikberatung an Einzelfällen / Leitbildberatung und Leitbildevaluation / philosophisch-ethische Gruppenpraxis.

Durchführung

Aufnahmeberechtigt in dieses Studium wären Bewerber mit einem abgeschlossenes Studium oder im höheren Fachsemester mit entsprechenden Qualifikationsnachweisen. Die Absolventen sind befähigt zu philosophisch-ethischer Einzelberatung, institutioneller Ethikberatung, zur Leitung eines philosophisch-ethischen Cafés, einer philosophisch-ethischen Schreibgruppe, zur Leitbildberatung und Leitbildevaluation, sowie zur philosophisch-ethischen Supervision, also zur Vermittlung und Kontrolle von „Haltungen" im Bereich sozialer Praxis. Uns geht es um alle Berufsgruppen, die eine derartige philosophisch-ethische Fachqualifizierung erstreben, insbesondere um:

¨      PsychologInnen,

¨      SozialpädagogInnen,

¨      SozialarbeiterInnen,

¨      JuristInnen,

¨      ÄrztInnen mit Ethikaufgaben,

¨      SeelsorgerInnen,

¨      PhilosophInnen.

Seminarleitung

Prof. Dr. Franco Rest, Dortmund; Philosoph und Sozialethiker; Mitbegründer der Hospizbewegung in Deutschland

Zu Durchführung, Zeitstruktur, Teilnehmerzahlen, Kursgebühren, Veranstaltungsort, Übernachtungsmöglichkeiten usw. verweisen wir auf:
Akademie für Gesundheitsberufe gGmbH
Vogelsangstraße 106
42109 Wuppertal
Telefon: 0202 / 299-3701
E-Mail: info@afg-wuppertal.de
Website: www.afg-wuppertal.de

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gedruckt am: 24.05.2012  19:21