Implementierung einer Kollaborationsumgebung zur Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Terminologien in der Medizin durch eine webbasierte Zusammenarbeit von mehreren Personen und/oder Organisationen. Die Arbeit basiert auf dem Terminologieserver der FH Dortmund.
Zum Austausch von Daten und Dokumenten zwischen Informationssystemen ist die Festlegung der Syntax und Semantik notwendig. Während die Syntax für Empfängersysteme die Möglichkeit schafft, die empfangenen Datensätze bzw. Informationsobjekte in ihre einzelnen Anteile zu zerlegen und so diese Teile in die Datenhaltung des Systems syntaktisch korrekt einzufügen, ermöglicht eine vereinbarte Semantik, diese Daten auch inhaltlich zu interpretieren und zu verarbeiten. Durch vereinbarte Semantik wird die „richtige“ Interpretation, Weiterverarbeitung und Speicherung der strukturell zerlegten Daten erst möglich.
Ein großes Problem besteht dabei perspektivisch in der Versionspflege und der Verteilung der vielen Vokabulare innerhalb der Telematikplattform, die manuell bei der o.a. Anzahl von Teilnehmersystemen kaum mehr zeitnah und adäquat ohne entsprechende Technologieunterstützung geleistet werden kann. Bei einer solchen Pflege sind auch die politischen und sachlichen Grenzen zu berücksichtigen, um eine hinreichende Stabilität der Vokabulare zu erreichen.
Erfahrungsgemäß ist vor allem die fachlich-inhaltliche Konsentierung unter den Beteiligten sehr arbeits- und zeitintensiv. Von größter Bedeutung ist daher der Einsatz einer mit oder in dem Terminologieserver integrierten Kollaborations- und Workflow-Software für die IT-gestützte Organisation der Terminologiearbeit, sodass ein Terminologieserver nicht nur zur gezielten Verteilung bzw. Bereitstellung von innerhalb der Gesundheitstelematikplattform gültigen Semantikdefinitionen beiträgt, sondern auch zu deren Erarbeitung und nicht-redundanten Nutzung.
Ziele
Ziele sind die Analyse, der Entwurf und die Implementierung der wesentlichen Funktionen einer Kollaborationsplattform für die nationale Terminologiearbeit im Gesundheitswesen mittels folgender Arbeiten:
Die Testumgebung ist auf dem öffentlichen Server der FH Dortmund installiert. Dieser ist zu erreichen unter der Adresse http://www.term.mi.fh-dortmund.de.
Testumgebung Überblick (Masterthesis Robert Mützner)
Anwendungsverhalten
Die Kollaborationsumgebung lebt von Vorschlägen. Ein Vorschlag besitzt einen Status, welcher vom Akteur „Inhaltsverwalter“ nach bestimmten Regeln geändert werden kann. Welche Statusänderungen möglich sind, muss in der Datenbank bzw. der Anwendung parametriert werden können. Für die Kollaborationsumgebung kann folgend dargestelltes Statusdiagramm angegeben werden:
Objektlebenszyklus der Kollaborationsanwendung (Masterthesis Robert Mützner)
Fazit
Das angestrebte Ziel, Terminologien gemeinsam zu entwickeln und anderen Teilnehmern in der Telematikplattform zeitnah zur Verfügung zu stellen, kann mit Hilfe der Kollaborationsumgebung erreicht werden. Der Ansatz der Zusammenarbeit über das Internet zeigt den Weg in die Zukunft. Mehrere kompetente Fachkräfte können so zusammen an Terminologien entwickeln. Mittels des Diskussionsmoduls kann über fachliche Themen sinnvoll diskutiert und abgestimmt werden – auch unter Berücksichtigung angegebener Quellen wie Links oder Dateien. Antworten können auf Vorredner bezogen werden, so dass der Zusammenhang immer hergestellt ist. Ein Abstimmungsmodul sorgt dafür, dass der Verwalter einen Überblick über die Meinungen der Diskutanten im Forum erhält.
Es können sowohl neue Terminologien erstellt als auch vorhandene Terminologien gepflegt werden. Als Beispiel der Pflege von Terminologien kann die Weiterentwicklung des ICD GM genommen werden. Jährlich gibt es dort ungefähr 400 Aktualisierungsvorschläge, welche bearbeitet werden müssen. Ohne eine sinnvolle Software kommt es schnell zur Unübersichtlichkeit oder gar zu Redundanzen in der Terminologie.
Am Beispiel der Schweinegrippe ist zu erkennen, dass Aktualität einer Terminologie eine wichtige Rolle spielt. Begriffe, welche aktuell nötig wären, sind zurzeit erst in der nächsten Veröffentlichung enthalten. Mittels einer Telematikplattform wäre die neue Krankheit in vielen Primärsystemen schnell verfügbar, wenn diese eine Synchronisation mit dem Terminologieserver über die Webservices nutzen.
Die Verfügbarkeit über das Internet per Webservice revolutioniert die bisherigen, zum Teil veralteten Verfahren. Ein Dienst, welcher alle neuen Entitäten seit einem bestimmten Zeitpunkt übermittelt, bildet die Grundlage für eine Synchronisation von Terminologien auf moderne Art und Weise.
Laufzeit
01.10.2009 - 28.02.2010Fördergeber
Bundesministerium für Gesundheit (BMG)Status
abgeschlossenStrategische Partner
DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information)Veröffentlichungen
GMDS Jahrestagung 2010: #285: Implementierung einer webbasierten Kollaborationsanwendung für die Entwicklung von semantischen Bezugssystemen (R. Mützner, P. Haas, S. Thun)Interne Mitarbeiter
- Prof. Dr. Peter Haas
- Robert Mützner
Projekt-Details
MotivationZum Austausch von Daten und Dokumenten zwischen Informationssystemen ist die Festlegung der Syntax und Semantik notwendig. Während die Syntax für Empfängersysteme die Möglichkeit schafft, die empfangenen Datensätze bzw. Informationsobjekte in ihre einzelnen Anteile zu zerlegen und so diese Teile in die Datenhaltung des Systems syntaktisch korrekt einzufügen, ermöglicht eine vereinbarte Semantik, diese Daten auch inhaltlich zu interpretieren und zu verarbeiten. Durch vereinbarte Semantik wird die „richtige“ Interpretation, Weiterverarbeitung und Speicherung der strukturell zerlegten Daten erst möglich.
Ein großes Problem besteht dabei perspektivisch in der Versionspflege und der Verteilung der vielen Vokabulare innerhalb der Telematikplattform, die manuell bei der o.a. Anzahl von Teilnehmersystemen kaum mehr zeitnah und adäquat ohne entsprechende Technologieunterstützung geleistet werden kann. Bei einer solchen Pflege sind auch die politischen und sachlichen Grenzen zu berücksichtigen, um eine hinreichende Stabilität der Vokabulare zu erreichen.
Erfahrungsgemäß ist vor allem die fachlich-inhaltliche Konsentierung unter den Beteiligten sehr arbeits- und zeitintensiv. Von größter Bedeutung ist daher der Einsatz einer mit oder in dem Terminologieserver integrierten Kollaborations- und Workflow-Software für die IT-gestützte Organisation der Terminologiearbeit, sodass ein Terminologieserver nicht nur zur gezielten Verteilung bzw. Bereitstellung von innerhalb der Gesundheitstelematikplattform gültigen Semantikdefinitionen beiträgt, sondern auch zu deren Erarbeitung und nicht-redundanten Nutzung.
Ziele
Ziele sind die Analyse, der Entwurf und die Implementierung der wesentlichen Funktionen einer Kollaborationsplattform für die nationale Terminologiearbeit im Gesundheitswesen mittels folgender Arbeiten:
- Analyse
- … der vorhandenen Workflows bzw. Organisationsprinzipien in den einschlägig national tätigen Organisationen bezüglich derer Terminologieentwicklung
- … der Anforderungen und Wünsche der potentiellen Endbenutzer (was, wie, wann) -> Beschreibungen der Anwendungsfälle
- … Analyse ggf. vorhandener Lösungsansätze (Literatur, DIMDI, usw.)
- … Identifikation ggf. zu berücksichtigender Schnittstellen
- Design
- Gesamtkonzept, Architektur
- Anwendungsfälle
- Klassenmodell und Objektlebenszyklen
- Oberflächendesign
- Implementierung
- … einer Webanwendung in Form eines Java-Applets
- … einem Webservice für die Datenbankanbindung
- … der notwendigen Datenbankstrukturen
- … der notwendigen Anwendungsfunktionen und Algorithmen
- Test und Testergebnisse
- Test der Anwendung im Labor und mit ausgewählten Anwendern
- Inbetriebnahme für Evaluation
- Inbetriebnahme des Lösungsansatzes mit einem kleinen Kreis von Anwendern über 2 Wochen sowie
- Evaluation des Einsatzes (Fehler, Akzeptanz, Nutzeneffekte etc.)
Die Testumgebung ist auf dem öffentlichen Server der FH Dortmund installiert. Dieser ist zu erreichen unter der Adresse http://www.term.mi.fh-dortmund.de.
Testumgebung Überblick (Masterthesis Robert Mützner)
Anwendungsverhalten
Die Kollaborationsumgebung lebt von Vorschlägen. Ein Vorschlag besitzt einen Status, welcher vom Akteur „Inhaltsverwalter“ nach bestimmten Regeln geändert werden kann. Welche Statusänderungen möglich sind, muss in der Datenbank bzw. der Anwendung parametriert werden können. Für die Kollaborationsumgebung kann folgend dargestelltes Statusdiagramm angegeben werden:
Objektlebenszyklus der Kollaborationsanwendung (Masterthesis Robert Mützner)
Fazit
Das angestrebte Ziel, Terminologien gemeinsam zu entwickeln und anderen Teilnehmern in der Telematikplattform zeitnah zur Verfügung zu stellen, kann mit Hilfe der Kollaborationsumgebung erreicht werden. Der Ansatz der Zusammenarbeit über das Internet zeigt den Weg in die Zukunft. Mehrere kompetente Fachkräfte können so zusammen an Terminologien entwickeln. Mittels des Diskussionsmoduls kann über fachliche Themen sinnvoll diskutiert und abgestimmt werden – auch unter Berücksichtigung angegebener Quellen wie Links oder Dateien. Antworten können auf Vorredner bezogen werden, so dass der Zusammenhang immer hergestellt ist. Ein Abstimmungsmodul sorgt dafür, dass der Verwalter einen Überblick über die Meinungen der Diskutanten im Forum erhält.
Es können sowohl neue Terminologien erstellt als auch vorhandene Terminologien gepflegt werden. Als Beispiel der Pflege von Terminologien kann die Weiterentwicklung des ICD GM genommen werden. Jährlich gibt es dort ungefähr 400 Aktualisierungsvorschläge, welche bearbeitet werden müssen. Ohne eine sinnvolle Software kommt es schnell zur Unübersichtlichkeit oder gar zu Redundanzen in der Terminologie.
Am Beispiel der Schweinegrippe ist zu erkennen, dass Aktualität einer Terminologie eine wichtige Rolle spielt. Begriffe, welche aktuell nötig wären, sind zurzeit erst in der nächsten Veröffentlichung enthalten. Mittels einer Telematikplattform wäre die neue Krankheit in vielen Primärsystemen schnell verfügbar, wenn diese eine Synchronisation mit dem Terminologieserver über die Webservices nutzen.
Die Verfügbarkeit über das Internet per Webservice revolutioniert die bisherigen, zum Teil veralteten Verfahren. Ein Dienst, welcher alle neuen Entitäten seit einem bestimmten Zeitpunkt übermittelt, bildet die Grundlage für eine Synchronisation von Terminologien auf moderne Art und Weise.
