Ausgewählte Gründungsporträts aus der FH Dortmund
Tanzstudio LE SERPENT BLANC:
Arzo-Carina Renz
Tanzgefühl. Körperbewusstsein. Geschäftssinn.
Warum gründet eine Diplom-Designerin eine Tanzschule? Was ist „Tribal Dance“? Und wie passt Hip Hop dazu? Was hat Selbstbewusstsein mit Alter und Figur zu tun? Darf Tanzen erotisch sein? „Le Serpent Blanc“ ist eine außergewöhnliche Tanzschule und die Inhaberin Arzo-Carina Renz ist ganz sicher keine typische Unternehmensgründerin. Ihre Geschichte zeigt vor allem, dass Leidenschaft und Geschäftserfolg sehr gut zusammen passen.
Die Tänzerin
Es war Zufall. 1999 sah Arzo Renz die Aufführung einer Tribal-Dance-Gruppe und war sofort begeistert. Bald nahm sie selbst Unterricht und verbrachte immer mehr Zeit mit Tanzen. Neue Stile und Techniken kamen hinzu, sie gab selbst Kurse und finanzierte schließlich ihr gesamtes Studium mit Tanz. Seit Mitte 2010 ist sie Inhaberin eines Studios für „Exotic, Ancient and Urban Dance“. Wenn sie gerade keinen Unterricht gibt, ist sie mit ihren Auftrittsgruppen unterwegs oder organisiert Veranstaltungen und Ausbildungsprogramme rund um den Tanz.
Arzo Renz ist tatsächlich kein Künstlername, auch wenn er hervorragend zu den orientalischen Tanzstilen passt, die die 30-jährige unterrichtet. Sie selbst ist das wichtigste Markenzeichen ihrer Schule und in allen Werbematerialien mit ihrem auffallenden Erscheinungsbild präsent. Sie posiert in ihren Kostümen und präsentiert dabei nicht nur ihre auffällige Frisur aus unzähligen eingeflochtenen Zöpfen, sondern auch ihre ausgefallene Tätowierung, die als Gesamtkonzept von der studierten Grafikerin selbst entworfen wurde. Die Persönlichkeit der Inhaberin ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für ihr Geschäft.
Die Tanzstile
Ancient Dance: Kraft, Würde und Gemeinschaft – das sind die zentralen Begriffe, mit denen Arzo Renz den „Tribal Style“ beschreibt. Es ist eine Melange aus traditionellen Tänzen, in der spanische, orientalische und indische Elemente vorkommen. Man tanzt in einer Gruppe, bei der abwechselnd eine Person die Führung übernimmt und die Bewegungen der anderen durch Körpersignale lenkt. Die Tänzerinnen tragen folkloristische Phantasiekostüme: lange, weite Röcke, große Turbane und orientalischen Schmuck.
Urban Dance: Alte Traditionen mischen sich mit modernen Tanzstilen wie Funk, Modern Dance, HipHop oder Breakdance. Arzo Renz gilt als eine der führenden „Fusion“-Expertinnen in Deutschland und unterrichtet verschiedene Sonderformen. Eine ihrer Gruppen tanzt „Tribal Gothic“, einen kontrastreichen Mix aus Orient und urbaner Subkultur.
Exotic Dance: Schon immer und in allen Kulturen dient der Tanz auch zur Präsentation von körperlichen Reizen, zur Verführung und Werbung. Als Arzo Renz vor einigen Jahren Pole Dance, den Tanz an der Stange, lernen wollte, musste sie sich noch eine Stripperin als Lehrerin suchen. Inzwischen haben Pole- und Gogo-Dance (Animationstanz in der Disco) ihr Schmuddel-Image verloren und werden in vielen Tanz- oder Fitness-Studios angeboten.
Die Tanzschule
Tanzen ist Sport und macht Spaß. Aber vor allem gibt es ein gutes Körpergefühl, sorgt für mehr Selbstbewusstsein und eine positive Ausstrahlung. Davon ist Arzo Renz überzeugt und das ist auch das Wichtigste, was sie ihren Teilnehmerinnen mitgeben möchte. „Tanzgefühl ist keine Frage von Alter oder Figur“ schreibt sie auf ihrem Flyer. Sie verrät, dass sich ihre Teilnehmerinnen in der Regel bald sehr viel schöner finden und zufriedener mit ihrem Körper sind.
Bei Arzo Renz tanzen fast ausschließlich Frauen, was mit den speziellen, sehr weiblichen Tanzstilen zu tun hat, die sie unterrichtet. Die Kundinnen können zwischen verschiedenen Vertragskonditionen wählen – je nach dem, wie viele Kurse sie aus dem umfangreichen wöchentlichen Kursprogramm nutzen möchten (einen, zwei, drei oder alle). Es gibt Angebote für Anfänger, für Profis und auch Workshops am Wochenende.
Mit einigen Gruppen tritt die Inhaberin der Tanzschule auf Veranstaltungen, Festivals oder Messen auf. Die Namen der Gruppen klingen stets weiblich, mystisch und kraftvoll: Terpsichore ist die griechische Muse des Tanzes, Penthesilea die griechische Amazonenkönigin und Verdandi eine der nordischen Schicksalsgöttinnen. Auch als Autorin, Jurymitglied und Mitinitiatorin einer professionellen deutschen Tanzausbildung zum Tribal Fusion Expert ist sie in der Szene bekannt und präsent.
Die Designerin
Den Lebensunterhalt mit Tanzen verdienen – das war ursprünglich nicht geplant. Eigentlich wollte Arzo Renz eine andere Passion zum Beruf machen und studierte nach dem Abitur Grafikdesign an der Fachhochschule Dortmund. Denn Kunst, Malen und Gestaltung mochte sie schon immer. Sie hatte vor, nach Abschluss ihres Studiums in einer Werbeagentur zu arbeiten. Aber während des Studiums nahm der Tanz immer mehr Raum in ihrem Leben ein. Als Diplomarbeit verfasste und gestaltete sie schließlich ein Lehr- und Sachbuch über Tribal Dance – das erste deutschsprachige Buch zum Thema, das in der Szene ein großer Erfolg wurde und Arzos Ruf als Expertin festigte.
Während die frisch diplomierte Designerin einen Bewerbungsmarathon durchlief, absolvierte sie an der Fachhochschule parallel den Aufbaustudiengang „Kulturarbeit und Kreativwirtschaft“. Am Ende hatte sie zwar immer noch keinen Berufseinstieg in einer Werbeagentur gefunden, aber als Abschlussarbeit einen umfassenden Business-Plan für eine Tribal-Tanzschule entwickelt. Das war der Start für ein neues Ziel – das sich einfach aufdrängte und zu Arzos Leben passte.
Die Gründung
Die angehende Tanzschulbetreiberin nahm an der Gründerwerkstatt im Rahmen von „kultur.unternehmen.dortmund“ teil. Das Projekt zur Förderung von potenziellen Unternehmensgründern in der Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine Kooperation der Dortmunder Hochschulen, der Dortmunder Wirtschaftsförderung und der VHS. In den Seminaren lernte Arzo Renz wichtige Dinge über Finanzen, Marketing, Steuern und andere betriebswirtschaftliche Grundlagen. Schließlich gewann sie mit ihrem Business Plan sogar den 2. Platz im Wettbewerb. Dieses positive Feedback in Verbindung mit der guten Vorbereitung durch die Gründerwerkstatt gab Arzo Renz ein sicheres Bauchgefühl für ihre eigene Gründung.
Gerne nahm die angehende Tanzlehrerin auch die Hilfe der Gründercoaches von FH Durchstarter in Anspruch. Dort bekam sie gute Tipps und Adressen von wichtigen Ansprechpartnern. Im Sommer 2010 wagte sie die Gründung von „Le serpent blanc“ in der Innenstadt von Herne. Ihr Lebensgefährte unterstützt sie kräftig bei der Organisation, im Sekretariat und bei der Online-Präsenz. So kann sie sich auf die Kurse und das gesamte Leistungsangebot rund um den Tanz konzentrieren. Nach elf Jahren Beziehung können die beiden sich auch gut vorstellen, mit dem Studio eine gemeinsame Existenz aufzubauen. So passt sich die Gründung optimal in die aktuellen Lebensumstände ein.
Der Erfolg
Schon ein halbes Jahr nach der Gründung schreibt das Tanzstudio schwarze Zahlen. Damit entwickelte sich das Geschäft deutlich schneller, als die Gründerin das in ihrem Business-Plan angenommen hatte. So steht sie schon früh an einer wichtigen Wachstumsschwelle. Bisher hatte sie externe Dozentinnen lediglich bei Krankheit oder Urlaub als Vertretung eingesetzt. Nach wenigen Monaten renoviert sie jedoch schon einen zweiten Raum, um mit Parallelkursen die steigende Nachfrage bedienen zu können. Sie selbst ist mit täglich 4-5 Stunden Tanzunterricht inzwischen komplett ausgelastet.
Daher braucht sie bereits im zweiten Gründungsjahr regelmäßige Dozentinnen auf Honorarbasis. Bei der Auswahl ist ihr neben der Tanzerfahrung und der Kompetenz vor allem die Loyalität wichtig. Denn sie möchte, dass die Ausbildung in ihrer Schule auch von anderen Lehrerinnen im gleichen Stil durchgeführt wird, wie sie es selbst tut. Dabei geht es nicht nur um Technik und Bewegungsabläufe, sondern auch um die grundsätzliche Philosophie, für die Arzo Renz steht – und um die Liebe zum Tanz.
Wachstum beschränkt sich bei „Le serpent blanc“ jedoch nicht nur auf die Anzahl der Kursteilnehmerinnen. Die Tänzerin mit dem guten Gespür fürs Geschäft verdient zusätzlich an Kostümen, Schmuck, Fotos und Events und sie bietet eine Reihe verschiedener Dienstleistungen rund um das Tanzen an. So gibt sie Marketing- und Design-Workshops für Tänzerinnen und macht Model-Coaching für spezielle Anlässe. Die Geschäftsfrau mit dem guten Körpergefühl hat ihre Leidenschaft erfolgreich zum Beruf gemacht.
Kontakt:
Studio LE SERPENT BLANC Arzo-Carina Renz Bahnhofstr. 74 44623 Herne Tel. 0176 - 501 271 75 Tel. 0234 - 516 37 66 arzo@serpent-blanc.com
www.serpent-blanc.com
Interview und Text: Tanja H. Finke-Schürmann, 2011
textgeschäft / Fachbetrieb für Kommunikation, Dortmund
FREMDFORM:
Katrin Füser und Pierre Kracht - Agentur für Objekt- und Raumdesign
Horst und Käte
Das sind ehrliche Namen ohne Schnickschnack. Sie stehen für die aktuellen Vorzeige-Projekte von FREMDFORM, einer jungen Agentur für Objekt- und Raumdesign.
Katrin Füser und Pierre Kracht zeigen mit ihren Arbeiten, dass gutes Design auch auf bodenständige Art zustande kommen kann. Mit bewährten Techniken und immer auf der Suche nach der Einfachheit. Bei Käte handelt es sich z.B. um eine Hängeleuchte, die komplett handgestrickt ist - aus bis zu 100 m Textil- oder PVC-Kabel. Das originelle Objekt sorgt in Galerien, Design-Shops und auf Messen für große Aufmerksamkeit. Wer es selbst versuchen will, kann bei FREMDFORM auch ein Selbst-Strick-Set mit Anleitung, großen Strickstöcken und Material bestellen.
Mit dem Namen Horst bezeichnen die beiden Kreativen ein spezielles Konzept für die Gastronomie, das eine konsequente Umsetzung der FREMDFORM-Philosophie darstellt: Zurück zum Wesentlichen, Respekt vor Funktion, Liebe zum Alten. Es wurde Anfang 2011 auf der Designers-Fair erstmals umgesetzt und von den Messebesuchern genutzt. Die Einrichtung entstand aus unterschiedlichen gebrauchten Stühlen, aus Schalbrettern und mit viel weißer Farbe. Die Eröffnung des ersten Horst-Restaurants ist – gemeinsam mit einem Partner aus der Gastronomie - für 2011 geplant.
Katrin und Pierre
Die „Eltern“ von Horst und Käte sind zwei Diplom Designer, die seit dem Ende Ihres Studiums an der FH Dortmund zunehmend gemeinsam an ihren Projekten arbeiten und seit 2010 zusammen als FREMDFORM firmieren. Für beide stand bereits in der Schule fest, dass Kunst und Design in ihrem Berufsleben eine wichtige Rolle spielen sollten. So arbeitete Pierre Kracht nach seinem Abitur zunächst bei einem Raumausstatter als Voraussetzung für den Studiengang Objektdesign. Das Erlernen des Handwerks und der verschiedenen Techniken machte ihm dann jedoch so viel Spaß, dass aus dem geplanten Praktikum eine abgeschlossene Ausbildung wurde und er seinen Studienbeginn verschob. Katrin Füser landete über verschiedene Umwege ebenfalls an der FH Dortmund und finanzierte ihr Studium als freiberufliche Werbegrafikerin. Zum Objektdesign kam sie erst im Rahmen ihrer Diplomarbeit.
Die Agenturgründer stammen beide aus klassischen Arbeiterfamilien, für die sowohl die künstlerische Ausrichtung als auch die akademische Ausbildung Neuland sind. Auch für die Selbständigkeit gab es keine direkten Vorbilder in der Familie. Während sich Pierre Kracht auch vorstellen könnte, angestellt zu arbeiten, solange er genügend Raum hat, seine Ideen umzusetzen, möchte Katrin Füser gerne ihr eigener Chef bleiben, weil ihr die Unabhängigkeit wichtig ist.
Kunst und Kunden
Verschiedene Galerien und ein größeres Auktionshaus stellen bereits die rein künstlerischen Arbeiten von Kracht aus. Die Kunst spielt eine große Rolle für ihn und daher sorgt er dafür, dass er immer wieder Zeit findet, um Neues auszuprobieren. Im Idealfall entstehen aus solchen Ideen vermarktbare Produkte und schließlich Umsätze für die Agentur. Die beiden Designer setzen bewusst auf eine Kombination aus Auftragsarbeiten für ihre Kunden und eigenen Projekten, da sich aus ihrer Sicht diese beiden Ansätze gegenseitig befruchten. Mit FREMDFORM bieten sie kreative Konzepte, Produkte und Lösungen rund um das Objekt. Konkret sind das z.B. komplette Raumgestaltungen für Cafés, Shops oder Praxen, aber auch Messebau, Eventdekorationen oder ausgefallene Werbegeschenke. Katrin Füser ergänzt das Angebot mit Grafik-Design, wenn es gewünscht ist.
Klinkenputzen ist nicht ihre Art – daher funktioniert die Vermarktung ihrer Leistungen Schritt für Schritt über ein dichtes Kontaktnetz und Empfehlungen. Horst und Käte sind derzeit die besten Außendienstler des Teams, denn sie lenken auf Messen, Ausstellungen und in der Presse die Aufmerksamkeit auf FREMDFORM. Grundsätzlich reden die beiden Gründer jedoch lieber über das Konzept und die inhaltliche Klammer ihrer Arbeit als über Marketing.
Arbeiten und Lernen
Die beiden Designer haben noch keine festgelegte Arbeitsteilung und profitieren im Moment vor allem davon, dass sie die meisten Aufgaben gemeinsam angehen. Am wichtigsten ist Teamwork, wenn es um die Entwicklung von neuen Ideen geht und das kreative Potenzial von beiden einfließen kann. „Erst, wenn beide es gut finden, ist es wirklich gut.“ ist ein hoher Anspruch, der zuweilen zu harten inhaltlichen Kämpfen führt, bis der andere wirklich überzeugt werden kann. Die Partner, die auch privat seit dem Studium ein Paar sind, müssen stets darauf achten, konstruktiv zu bleiben und Kritik nicht persönlich zu nehmen. Die Team-Dynamik sorgt vor allem für mehr Mut. Den brauchen die beiden, wenn sie ständig Neues angehen wollen.
Wirtschaftlichkeit ist auch so ein Wort, das die Kreativen nicht oft verwenden, wenn sie über FREMDFORM reden. Die neue Unternehmerrolle übernehmen sie auf ihre Art. Mit großem Selbstbewusstsein und als gründliche Autodidakten eignen sie sich nach und nach das notwendige kaufmännische Wissen an. Genau so, wie Pierre Kracht sich immer wieder neue handwerkliche Techniken erschließt. Genau so, wie sie auch kurzfristig Projekte stemmen, die sie an die äußersten Grenzen ihres Zeitbudgets bringen: einfach machen und lernen!
Gründen und Planen
„Ein Businessplan ist schon nicht mehr aktuell, wenn er aus dem Drucker kommt. Zu gründliche Planung macht einfach keinen Sinn.“ sagt Pierre Kracht. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass FREMDFORM mit ihrem Business-Plan 2010 den 1. Platz bei der Dortmunder Gründerwerkstatt für Kulturunternehmen gewann und im gleichen Jahr beim start2grow Gründerwettbewerb den Sonderpreis für die Kreativwirtschaft erhielt.
Die beiden Gründer wissen also, wie es geht. In der Gründerwerkstatt im Rahmen von kultur.unternehmen.dortmund lernten sie, ihre Ideen und Ziele schriftlich festzulegen, den Markt zu analysieren und die richtigen Fragen an ihr Konzept zu stellen. So räumen die beiden Designer auch ein, dass die Veranstaltung mit Workshop, persönlichem Coach und speziellen Kursen sehr hilfreich war und den Prozess ihrer Gründung stark beschleunigt hat. Der Tipp kam von Pascal Rest, dem damaligen „Culturepreneurship Coach“ an der Fachhochschule Dortmund, mit dem sie ursprünglich nur einige Fragen zur technischen Prüfung von Käte stellen wollten, der sie dann aber mit vielen nützlichen Informationen versorgte.
Besonders wichtig fanden die Objektdesigner den Austausch mit anderen Gründern, mit denen sie bei der Gründerwerkstatt zusammenarbeiteten. Sie erfuhren dort gegenseitige Unterstützung, Reflektion der eigenen Ideen und merkten, dass sie mit ihren Anfangsproblemen nicht allein waren.
Merlot und Mehr
FREMDFORM ist viel mehr als Horst und Käte. Das nächste Produkt ist gerade auf dem Weg zur Marktreife und ist wieder eine Leuchte. „Merlot“ wird aus gebrauchten Rotweinflaschen gefertigt und passt damit perfekt in das Gastronomie-Thema, das mit Horst in den Fokus gerückt ist. Katrin Füser hat dazu eine besondere Beziehung, da ihre Eltern beide in der Gastronomie arbeiteten. Aber die beiden Kreativen sind nicht festgelegt und offen für viele Themen.
Neue Ideen brauchen Zeit um bis zur Umsetzung zu gelangen. Durch das Projektgeschäft bei FREMDFORM ist Zeit allerdings in heißen Phasen ein rares Gut. Aufgrund der guten Nachfrage nach Käte ist auch die Produktion der Leuchten inzwischen sehr zeitintensiv geworden. Die jungen Unternehmer wünschen sich etwas mehr Struktur in ihrem Unternehmen.
Langfristig soll die Produktion von neuen Objekten nach außen gegeben werden, da sonst die Kapazität schnell erschöpft und für Neues kein Platz mehr wäre. Wachstum ist fest eingeplant, jedoch ist sich das Paar einig, dass sie in nächster Zeit keine Personalverantwortung übernehmen möchten, sondern bei Bedarf mit externen Dienstleistern und der Unterstützung von Freunden arbeiten werden. Sie möchten so unabhängig wie möglich bleiben und deshalb kommt für sie auch nicht in Frage, ihre weitere Entwicklung mit Krediten zu finanzieren.
„Es sind Dinge in Arbeit.“ Man darf gespannt sein.
Kontakt:
FREMDFORM
Speicherstraße 38
44147 Dortmund
www.fremdform.de
Pierre Kracht, Diplom Designer
pierre@fremdform.de
www.pierrekracht.de
Katrin Füser, Diplom Designerin
katrin@fremdform.de
Interview und Text: Tanja H. Finke-Schürmann, 2011
textgeschäft / Fachbetrieb für Kommunikation, Dortmund
Fotograf: Ebbo Rothe
scholz.projekte:
Martin Scholz - Personal-Dienstleistungen, Beratung, Coaching
Den eigenen Weg finden – Schritt für Schritt
Auf den ersten Blick scheint der Ausbildungs- und Berufsweg von Martin Scholz vor allem aus vielfältigen Nebenstrecken zu bestehen. Das heutige Unternehmen des 44-jährigen ist auch tatsächlich nicht das Ergebnis einer systematischen Karriereplanung – jedoch eine logische Konsequenz der vorherigen Stationen. „Hier passt alles zusammen!“ erklärt der Unternehmer zufrieden. Als Inhaber von ‚scholz.projekte’ bündelt er seine sehr unterschiedlichen Kompetenzen und Erfahrungen zu einem hochwertigen und spezialisierten Dienstleistungsangebot.
Angekommen
Namhafte Kunden aus der Industrie wenden sich vor allem dann an ‚scholz.projekte’, wenn sie besonders kniffelige Personalaufgaben zu lösen haben, bei denen es um technische und kaufmännische Fach- und Führungskräfte geht. Häufig haben sie dann bereits eine Zeit lang vergeblich selbst versucht, den Mitarbeiter mit dem gewünschten Spezialprofil zu finden. Andere schließen lieber gleich einen Jahresvertrag mit ‚scholz.projekte’ ab, weil sie wissen, dass die Suche nach passenden Mitarbeitern dort in den besten Händen ist. Das Erfolgsgeheimnis: systematische Suche nach kompetenten Spezialisten, harte Selektion zu einem frühen Zeitpunkt und vor allem eine besonders engagierte Betreuung der Kandidaten mit hohem Potenzial während der Verhandlungen. Weitere Dienstleistungen von ‚scholz.projekte’ umfassen die Überlassung von Arbeitnehmern für langfristige Projekte, aber auch Beratung und Training für Menschen, die sich beruflich verändern möchten. Mit solchen Weggabelungen in der Karriere kennt Martin Scholz sich auch persönlich gut aus.
Losgehen und die Orientierung behalten
Im Anschluss an sein Maschinenbaustudium an der FH Dortmund (Fachbereich Maschinenbau, Fachrichtung Stahlbau) arbeitete der gelernte technische Zeichner zunächst für ein Ingenieurbüro. Unverhofft schnell verschaffte ihm dann ein einjähriger Baustelleneinsatz umfangreiche Projekt- und Personalverantwortung. Nach seiner Rückkehr in den Büroalltag war für ihn bald klar, dass er eine neue Position mit größerem Handlungsspielraum brauchte. Bei einem neuen Arbeitgeber fand er tatsächlich anspruchsvolle Aufgaben vor – aber auch ein sehr unangenehmes Betriebsklima mit autoritären Hierarchien. Wieder wusste der Diplom-Ingenieur genau, dass er für seine berufliche und persönliche Entwicklung einen anderen Weg einschlagen musste. Dafür wählte er bewusst eine völlig neue Richtung.
Unbekannte Pfade wählen
Personaldienstleistung - bei einem bundesweit tätigen Unternehmen lernte der Diplom-Ingenieur in einem motivierenden Umfeld in kurzer Zeit sehr viel über diese Branche. Als das Unternehmen jedoch von einer größeren Zeitarbeitsfirma übernommen wurde, stieg die Wachsamkeit von Martin Scholz. Der nächste Wegweiser landete als Fax direkt auf seinem Schreibtisch. Ein niederländisches Unternehmen für Ingenieurdienstleistungen suchte einen Geschäftsführer für sein neu gegründetes deutsches Tochterunternehmen. Scholz war mehr als interessiert an der Aufgabe, die so perfekt auf ihn zugeschnitten war. Nach seiner Kurzbewerbung und einigen Gesprächen mit der niederländischen Zentrale ging alles sehr schnell. Das neue Jahrtausend begann für den frischgebackenen Niederlassungsleiter und zwei Mitarbeiter mit einem guten Geschäftsbeginn in Langenfeld. So gut, dass zwei Jahre später in Dortmund ein zweites Büro unter seiner Leitung eröffnet wurde.
Die Führung übernehmen
Auch das Unternehmen in den Niederlanden wurde eines Tages von den Inhabern verkauft, so dass Martin Scholz plötzlich Teil eines großen Konzerns mit rund 14.000 Mitarbeitern wurde, der nur wenig Interesse an den zwei ‚kleinen’ deutschen Büros hatte. Die Konsequenz: Scholz schied aus dem Unternehmen aus und gründete zum 1. Juli 2003 sein eigenes Unternehmen ‚scholz.projekte’. In Abstimmung mit seinem bisherigen Arbeitgeber übernahm er zwei angestellte Projektmitarbeiter und einige freie Mitarbeiter, die fest in Projekte eingebunden waren. Neu war für den Gründer lediglich das eigene unternehmerische Risiko. ‚scholz.projekte’ konnte in den ersten Jahren bereits seine Umsätze stark steigern und die Anzahl der Projektmitarbeiter wuchs stetig. Aufgrund der positiven Entwicklung wurde im April 2004 zusätzlich zum Dortmunder Büro ein Vertriebsbüro in der Nähe von Stuttgart eröffnet.
Innehalten und verweilen
Bergab und bergauf, über steinige Wege und grüne Wiesen: wie die meisten Gründer erlebte auch Martin Scholz abwechslungsreiche Abschnitte. Nach vier Jahren merkte er, dass er eine Auszeit brauchte, um zurückzuschauen und mit ausreichendem Abstand eine neue Route zu bestimmen. So packte Scholz im Frühjahr 2007 seinen Rucksack und erwanderte innerhalb von sieben Wochen den spanischen Teil des Jakobsweges, währenddessen er die Führung des Unternehmens in die Hände seiner Mitarbeiter legte. Er kam mit „Lösungen“ zurück. Dazu gehörten schmerzhafte Veränderungen beim Personal und die klare Erkenntnis, dass zu seiner Persönlichkeit nur eine kleine, überschaubare und flexible Unternehmensstruktur passt. Daher beschäftigt Martin Scholz heute eine Mitarbeiterin für die Kundenbetreuung, eine Teilzeitkraft für administrative Aufgaben sowie drei Angestellte, die in langfristigen Kundenprojekten eingesetzt sind. Regelmäßige Auszeiten sind immer noch fester Bestandteil seines Lebens: rund vier Mal im Jahr zieht der Unternehmer sich für einige Tage in ein Kloster zurück.
Vorankommen – aber bei sich bleiben
Sich treu bleiben. Das ist der Kern der Unternehmensphilosophie von Martin Scholz. Besondere Leistungen kann nur erbringen, wer seine eigenen Stärken nutzt und authentisch bleibt. Bei ihm führt dies vor allem zu Geschäftsbeziehungen, die von Langfristigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauen geprägt sind. Schnelle Geschäfte und aufgeregte Aktionen sind nicht seine Sache. Dabei hat der Unternehmer keine Angst vor Veränderungen: Schritt für Schritt passt er sein Dienstleistungsangebot an die Marktverhältnisse an und so verschoben sich im Laufe der Zeit auch die Schwerpunkte des Unternehmens. Das risikoreiche Projektgeschäft wurde reduziert, dafür bietet ‚scholz.projekte’ heute vor allem Personalvermittlung und zunehmend auch Beratung und Training an. Menschen, die Unterstützung bei ihrer beruflichen und persönlichen Neuorientierung suchen, nutzen mit Hilfe von Scholz die Möglichkeiten der Berufszielplanung und der Persönlichkeitsentwicklung. Darüber hinaus gibt der Unternehmer bei der Einführung in die Kunst des traditionellen Bogenschießens und durch ‚Coaching im Kloster’ ganz persönliche Erfahrungen seines beruflichen und persönlichen Erfolges an seine Klienten weiter.
Auf eigenen Füßen stehen
Unabhängigkeit, Gestaltungsspielräume und Eigenverantwortung sind das, was Martin Scholz besonders an der Selbständigkeit schätzt. Daher war es auch in schwierigeren Zeiten für ihn keine Option, wieder in eine angestellte Tätigkeit zurück zu gehen. „Man kann sich nicht nur die Rosinen rauspicken, sondern muss auch das Risiko tragen.“.
Wegweiser nutzen
Als Alumni erstellte Scholz bei seiner Gründung seinen Businessplan mit Unterstützung der Transferstelle der FH Dortmund. Auch heute überprüft er die Entwicklung seines Unternehmens regelmäßig anhand der ursprünglichen Planung. Während seines Studiums gab es an der Fachhochschule zwar einen Arbeitsvermittler des Arbeitsamtes, spezielle Unterstützung für Unternehmensgründer wurde damals jedoch nicht angeboten. Das heute sehr umfangreiche Angebot der Transferstelle hält er deshalb für besonders wichtig. Gründercoaching soll seiner Meinung nach vor allem „die Blauäugigkeit nehmen“ und angehende Existenzgründer gezielt auf die Realität vorbereiten. Er selbst profitiert inzwischen vom umfangreichen Netzwerk der FH und den Kontakten, die sich für ihn daraus ergeben - auch wenn es eine Weile dauerte, bis ihm persönlich der Sinn von Netzwerkveranstaltungen und Smalltalk klar wurde. Heute nutzt er diese Möglichkeiten in vielfältiger Weise aktiv für sein Geschäft.
Kontakt:
scholz.projekte
Dipl.-Ing (FH) Martin Scholz
Hoher Wall 26
44137 Dortmund
Telefon:+49 (0)231 18 99 398
Telefax:+49 (0)231 18 99 377
m.scholz@scholz-projekte.de
www.scholz-projekte.de
www.coaching-im-kloster.de
www.bogenschiessen-im-kloster.de
Interview und Text: Tanja H. Finke-Schürmann, 2009
textgeschäft / Fachbetrieb für Kommunikation, Dortmund
Arne Schulenberg – Kommunikation per Wort, Bild und Button
Gründer setzt auf die „Union der Helden“
Arne Schulenberg war sich bereits zu Beginn seines Studiums an der FH Dortmund sicher, dass er eines Tages selbständig arbeiten würde. Der Comicfan konnte allerdings nicht damit rechnen, dass er es in seinem Unternehmeralltag später mit richtigen Superhelden zu tun haben würde. Zunächst arbeitete der Kommunikationsdesigner drei Jahre lang als angestellter Grafiker, bis er wie geplant seine eigene Agentur gründet.
„Arne Schulenberg - Kommunikation per Wort, Bild und Button“: die ganz normale Gründungsgeschichte eines Kreativen? Ja - wenn der Solinger nicht 2007 gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen an einem Gründungswettbewerb teilgenommen hätte. Die beiden Freiberufler wollten ursprünglich die Veranstaltung dazu nutzen, um unter den potenziellen Gründern neue Kunden zu akquirieren. Als sie jedoch die Beurteilungskriterien für die Gründungsideen bei start2grow hörten, wurde ihr Ehrgeiz geweckt. Um die Anforderungen „Qualität der Gründerpersonen“ und „Qualität des Businessplans“ machten sie sich keine Sorgen. Aber um in den Kategorien „Innovationsgrad der Idee“ und „ Schaffung von Arbeitsplätzen“ zu punkten, mussten sie mehr bieten als eine weitere Teamgründung für Grafik, Foto und Text.
Gemeinsam mit einem Diplom-Kaufmann aus dem unerschöpflichen Kontaktnetz des Designers entwickelten sie schließlich zu dritt einen Businessplan für eine höchst innovative Geschäftsidee, die ihre Kompetenzen bündeln sollte: ein Foto-Comic im Internet, der von Superhelden handelt und potenziellen Werbekunden durch Product Placement innerhalb der Geschichte viele Varianten der Präsentation bietet. Durch den regionalen Bezug der Handlung und eine regelmäßige Erscheinungsweise neuer Episoden drei Mal pro Woche sollte die Identifikation der Leser mit den Akteuren der Geschichte gefördert und Nutzer an die Internetseite gebunden werden.
Das Trio gelangte mit seinem Businessplan in der ersten Phase des Wettbewerbs für Gründungen im IT-Bereich unter die besten zehn Konzepte. Da die Idee von vielen Experten nicht nur als hoch innovativ sondern auch als wirtschaftlich tragfähig beurteilt wurde, sprang Arne Schulenberg schließlich zusammen mit dem Kaufmann Eric Wünsche ins kalte Wasser. Mit Hilfe eines Gründungskredites begannen die beiden 2007 die Realisierung der „Union der Helden“. Der Dritte im Bunde, Fotograf Jens Sundheim, sorgte seit Beginn der Geschichte als freier Mitarbeiter für professionelles Bildmaterial rund um Marc, den Erzengel und Den Einen Der Weiß.
Der Foto-Comic fand auf Anhieb begeisterte und treue Fans. Die Leserzahlen stiegen seit der ersten Ausgabe im April 2008 kontinuierlich – aber leider deutlich langsamer, als die Gründer in ihrem Businessplan erwartet hatten. Entsprechend verzögerte sich auch die erfolgreiche Akquisition von Werbekunden. Im September 2008 zogen die beiden Geschäftspartner rechtzeitig die Notbremse und lösten die GbR in bester Freundschaft auf. Der Kaufmann wechselte zu einem anderen Unternehmen und Arne Schulenberg verfolgt das Projekt seitdem in Eigenregie. Die aktuelle Entwicklung der „Union der Helden“ gibt seiner Beharrlichkeit Recht. Inzwischen (Stand Ende Mai 2010) nutzen rund 10.000 verschiedene Besucher die Website pro Monat und die Umsätze steigen seit 2009 ebenfalls viel versprechend. Der Gründer ist davon überzeugt, dass seine Entscheidung für die Superhelden richtig war und sieht optimistisch in die Zukunft.
Die Ideen gehen dem kreativen Designer allerdings nicht aus. Inzwischen produziert er Foto-Comics für Unternehmen als Vertriebswerkzeug für schwer erklärbare und komplexe Produkte und Dienstleistungen. Er entwickelt z.B. Brettspiele als Werbemittel und Vertriebskonzepte für die „Druppels“, eine Alienfamilie aus Knetmasse, die bereits für Puzzlemotive posierten. Die besondere Stärke des kontaktstarken Einzelunternehmers ist das Verknüpfen von Kompetenzen unterschiedlichster Experten für gemeinsame Projekte mit neuem Potenzial.
Durch eine systematische Organisation und Pflege seiner Kontakte sorgt Arne Schulenberg dafür, dass er niemanden vergisst, der auf die eine oder andere Weise einmal für seine Projekte wichtig sein könnte. Er verließ die FH Dortmund nicht nur mit seinem Diplom, sondern auch mit einem umfangreichen Adressbuch seiner Kommilitonen und einem guten Draht zu seinen ehemaligen Dozenten und der Verwaltung. Die Transferstelle der Fachhochschule unterstütze ihn bereits bei seiner ersten Gründung mit individueller Beratung zu seinem Konzept. Hierbei profitierte er außerdem vom großen Netzwerk der Fachhochschule und unkompliziertem Kontakt zur Wirtschaftsförderung, Gründungswettbewerben, Kreditgebern und anderen Gründungshelfern. Der Designer blieb anschließend weiterhin im Verteiler der Transferstelle und erhält so regelmäßig Informationen, die für Gründungsinteressierte, Gründer und junge Unternehmer zur Verfügung gestellt werden. Auch bei seiner zweiten Gründung nutzte er wieder die Unterstützung seiner ehemaligen Hochschule. Erdme Brüning von der Transferstelle beriet vor allem bei der Entwicklung des Konzeptes, bei der Erstellung des Businessplans und bei der Teilnahme bei start2grow. Schließlich bereitete sie die beiden Gründer auch auf die Kreditgespräche vor und stellte wertvolle Kontakte her.
Arne Schulenberg revanchiert sich für die Hilfe, indem er regelmäßig bei Informationsveranstaltungen der FH Dortmund seine Erfahrungen an Gründungsinteressierte weitergibt. Er selbst kann sich nicht mehr vorstellen, jemals wieder als Angestellter zu arbeiten: als Produzent und Autor des ersten Online-Foto-Comics über Superhelden hat er nur wenige Jahre nach seinem Studium bereits eine Geschäftsführerposition mit voller Verantwortung für Konzept, Organisation und Budget. Seit Mai 2009 ist allerdings noch eine zusätzliche private Rolle hinzugekommen: als Vater eines Sohnes, der eines Tages sicherlich ein großer Comicfan werden wird.
Kontakt:
Arne Schulenberg
www.ancire.de
www.unionderhelden.de
Email: schulenberg@ancire.de
Interview und Text: Tanja H. Finke-Schürmann, 2009
textgeschäft / Fachbetrieb für Kommunikation, Dortmund
Fotografie: Jens Sundheim
