Projekt: "Wahrnehmung von Stadträumen bei Nacht"

Laufzeit: 2006 - 2008

Abstract: Die abendliche Beleuchtung des öffentlichen Raumes ist grade in den letzten Jahren stark in den Vordergrund kommunaler Planungs- und Realisierungspraxis gerückt. Angesichts knapper Kassen findet eine energische Konkurrenz zwischen den Kommunen statt. Gewerbe, Bewohner und Besucher sollen neu gewonnen oder wenigstens in der Stadt gehalten werden. Starkes, grelles und buntes Licht - sowie die Illumination besonderer Architekturen - scheint mancher Kommune das geeignete Mittel zu sein, unverwechselbare Identität zu gewinnen.

Darüber hinaus versprechen neue Leuchtmittel eine deutliche Absenkung von Energiekosten bei gleichen Lichtstärkenniveaus. Um ein Chaos von künstlichem Licht zu vermeiden, beginnen die Städte und Gemeinden zunehmend Pläne zur Lichtgestaltung ihrer zentralen Bereiche aufzustellen. Der Fokus ist meist auf einen Zusatz von Lichtgestaltung gerichtet. Innovationen, Synergien oder Reglementierungen für öffentliches, gewerbliches oder merkantiles Licht sind selten zu finden. Mit den beginnenden Planungsaktivitäten wird immer offensichtlicher, dass wesentliche Grundlagen der Lichtplanung im städtischen Raum fehlen: Es sind noch keine operationalisierbaren wissenschaftlichen Grundlagen zur Lichtgestaltung und Orientierung im öffentlichen Raum ermittelt worden. Wahrnehmung, Raumerkennung und Bewegung gehen immer noch von der Gestalt der Stadt bei Tag aus. Eine konsequente methodische Analyse der Wahrnehmung konkreter Stadträume bei Nacht liegt nicht vor. Es fehlen verlässliche Grundlagen in den wissenschaftlichen und planenden Disziplinen mit Kriterien für Wahrnehmung, Orientierung und schließlich für Bewegung und Aufenthalt der verschiedenen Nutzergruppen im öffentlichen Raum, die für differenzierte Konzepte der Lichtgestaltung von Nutzen wären.

Wir befassen uns mit einer neuen städtebaulich wirkenden Disziplin, die ohne interdisziplinäre Grundlagenforschung nicht in der Lage sein wird, den öffentlichen Raum bei Nacht dauerhaft wirksam auszuformen. Ohne ein für die räumliche Planung unabdingbares Planungsinstrumentarium zur Lichtgestaltung im öffentlichen Raum zu arbeiten ist ein unbefriedigendes, ressourcenverschwenderisches sowie höchst spekulatives Vorgehen.

 

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gedruckt am: 03.09.2014  04:09